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TELEVIZION 17/2004/2

Jugendfernsehen


EDITORIAL

Sie sind unideologisch und leistungsorientiert, setzen auf gute Schulabschlüsse und streben mehr
nach Sicherheit und Macht als die Jahrgänge vor ihnen. Die Jugendgeneration 2000+ überrascht uns in vielen Details, doch in einem Punkt sind sie so, wie wir es erwarten: Sie sind eine egotaktische Mediengeneration, die sich selbstbewusst das heraussucht, was sie für ihren Alltag nutzen kann.

Im Fernsehen stehen Blockbuster, Soaps, Musikfernsehen und Comedy hoch im Kurs. Nachrichten, die bei
Erwachsenen »Quotengaranten« sind, erreichen Jugendliche weit weniger (Eimeren/Krist). Insgesamt hat es inhaltsorientierter Journalismus schwer, nutzen die Jugendlichen Fernsehen doch überwiegend zum »Couchen« als Gegenpool zum jugendlichen Erlebnishunger (Großegger). Kult und Fanschaften bilden sich eher um die Formate, die sich in den Alltag und die
Sinnstiftung der Jugendlichen einfügen (Mikos, Fritzsche). Öffentlich-rechtliche journalistische Formate spielen hierbei kaum eine Rolle.

Dabei sind Jugendliche eigentlich an Inhalten interessiert - wenn die Aufbereitung und Gestaltung denn an ihren Interessen und Rezeptionsmustern ansetzt. Neben jungen Themen und AkteurInnen fordern Jugendliche Raum, um sich ihre eigene Meinung zu bilden. Sie suchen Geschichten, die möglichst unvermittelt und authentisch sind und von einer jugendlichen Perspektive ausgehen (Schatz/Götz). Eigenproduktionen von Jugendlichen (Schell) und Beiträge, die in der Zusammenarbeit mit den jungen Menschen entstanden sind, zeigen hier interessante Perspektiven (Durner). Sie machen aber auch deutlich, dass die wohl am schwierigsten zu erreichende Zielgruppe komplex und im ständigen Wandel befindlich ist. Die Redaktionen, die sich auf die Herausforderung einlassen, finden jedoch ihren Weg: über neue Erzählformen (Wahler), Interaktivität (Gushurst) und im direkten Kontakt mit der Zielgruppe (Lösel).

Maya Götz


FORSCHUNG

Beate Großegger
»Jugendfernsehen« zwischen Zeitgeist und Zielgruppe
Die Zielgruppe Jugend ist in sich ausgesprochen inhomogen, vielschichtig
und komplex. Gemeinsamkeit entsteht nicht mehr primär über das Alter, sondern über die Identifikation mit Lebensstilen und Lebensstilgruppen. Die Fragmentierung zeigt sich auch im Medienverhalten und in den TV-Nutzungsstilen der Jugendlichen. Umso schwieriger ist es, ein altersspezifisches Programm anzubieten.

Birgit van Eimeren/Renate Krist
Mediennutzung und Fernsehpräferenzen der 12- bis 17-Jährigen
Jugendliche von heute werden gerne als die »erste Multimedia-
Generation« bezeichnet, wachsen sie doch anders als die früheren
Generationen mit Medien aller Art von Fernsehen bis Internet auf. Die
Rolle des Fernsehens als Leitmedium ist unangefochten. Zwar gewinnen PC und das Internet zunehmend an Bedeutung, Fernsehen hat jedoch aus Sicht der Jugendlichen das breiteste Kompetenzprofil.

Eva Schatz/Maya Götz
Kompakt, verständlich und authentisch
Was Jugendliche von journalistischen Beiträgen erwarten
Es ist möglich, Jugendliche auch mit inhaltsorientierten Beiträgen
zu erreichen, wenn ihre Perspektive konsequent aufgenommen wird.
Das heißt, sich in der Aufbereitung auf ihre Wünsche nach kompakten
Informationen, authentischen Erfahrungen und eindeutigen Einstellungen
einzulassen.

Matthias Kurp
Musikfernsehen, das unterschätzte Medium
MTV und VIVA als Lebenswelt-Begleiter und Sozialisationsagenten

Musikfernsehen hat sich zur zentralen Werbeplattform der Tonträger-industrie entwickelt, ist aber zugleich auch wichtiger Lebenswelt-
Begleiter Jugendlicher. Egal ob Videoclips, Shows oder Werbung:
Die Inhalte von MTV und VIVA prägen Moden, Lebensstile und Wertvorstellungen. Videoclip-Kanäle sind keine geheimen Verführer,
sehr wohl aber wichtige Impulsgeber für die jugendliche Lebenspraxis und Sozialisation.

Bettina Fritzsche
Medial vermittelte Beziehungen
Para-interaktiv und dennoch sinnhaft
Fans von Popstars, Boy- oder Girlgroups verehren ihre Stars. Die Funktionen der Fanschaft sind vielfältig, denn in der para-interaktiven Beziehung erlebt sie eine Mischung von Intimität und Begehren, aber auch identifikatorische
Momente. Es ist eine Beziehung, die in der Fantasie stattfindet, in der
das Sammeln von Kaufobjekten zur Nähe beiträgt.

Lothar Mikos
Fernsehen, Kult und junge Zuschauer
Keine Fernsehsendung ist Kult an sich, sie kann nur von den NutzerInnen
zu einem solchen gemacht werden. Um den Kultstatus zu erreichen, sollte das Programm seriell sein und nicht im Mainstream liegen und viele intertextuelle Beziehungen aufweisen, die eine vielfältige Nutzung möglich machen.

Alexandra Durner
Jugendliche Journalisten
Wenn Jugendliche mit professionellen Journalisten arbeiten
In dem Projekt »Journalismus mit Jugendlichen für Jugendliche« arbeiten
Jugendliche mit professionellen Fernseh- und RadiojournalistInnen zusammen. Dies schafft Begegnungen, neue Erfahrungen und Beiträge, die sich sehen lassen können. Ein pragmatischer Weg für Sendeanstalten und Schulen.

Fred Schell
Jugendliche machen ihr eigenes Programm
Genres, Themen und Machart eigenproduzierter Filme
Wenn Jugendliche die Möglichkeit bekommen, selbst Videofilme zu produzieren, setzen sie eine ganze Bandbreite von Themen um. Während in den 80ern und 90ern viele Filme zu den großen gesellschaftspolitischen Themen wie Umweltzerst örung und Rechtsextremismus gedreht wurden, sind in den letzten Jahren die »kleinen« Themen wie Menschen mit Behinderung oder Drogen in den Vordergrund gerückt.


PROGRAMM

Eva-Maria Wahler
BRAVO TV im ZDF
Starmagazin und Jugendserie
Das Jugendmagazin Bravo TV bekam im ZDF ein ganz eigenes Profil: Statt Moderation gab es eine Soap, die später zur Bravo Story umgewandelt wurde. So wurden Informationen aus jugendrelevanten Bereichen durch die bei der Zielgruppe beliebten fiktionalen Elemente ergänzt.

Jörg Lösel
blaa-teen – das Jugendmagazin auf BR-alpha
Mit der Sendung blaa-teen richtet sich BR-alpha direkt an Jugendliche. Durch das Feedback von Jugendlichen und die Einbeziehung ihrer Kreativität gelingt es zunehmend, ihren Geschmack zu treffen und Inhalte jugendrelevant anzubieten.

Wolfgang Gushurst
DASDING - Ein trimediales Format
DASDING bietet sein Jugendprogramm gleich über drei Medien an: als Radio- und Fernsehsendung und als Internetangebot. Angelegt auf Vielfalt statt Mainstream, ohne Agenturchinesisch, mit Blick auf einen jungen, oft unkonventionellen Zugang zum Thema hat sich DASDING in den letzten Jahren den Ruf geschaffen, authentisches Sprachrohr für die jungen Szenen zu sein.

Günther Anfang
Jugendliche machen Fernsehen
Einen Raum, in dem Jugendliche ihr Fernsehprogramm selbst produzieren und senden können, bietet der Aus- und Fortbildungskanal (afk). Einmal wöchentlich sendet die maTz-Jugendredaktion ein vielfältiges Magazin zu Themen, die Jugendliche bewegen.


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