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Kinder diskutieren Sendungen

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Meine schönsten Jahre
Episode: Erste Liebe
Deutschland 2003/2004. Länge: 25 Minuten
Regie: Ulli Baumann
Darsteller: Christoph E. Oehme, Ulrike Mai, Guntbert Warns

Der 13-jährige Karl lebt mit seiner Familie im Ostberlin der 80er-Jahre. Er ist total in die Tochter des Schuldirektors verknallt – für sie würde er alles tun! Er will sogar ihren Gedichtvortrag beim Fahnenappell übernehmen. Aber wie soll er nur über Nacht alle Strophen von Schillers „Bürgschaft“ auswendig lernen?

Den Kindern gefällt, dass die Geschichte in einer Zeit spielt, die sie zwar nicht mehr persönlich kennengelernt haben, aber über die sie trotzdem schon ein gewisses Vorwissen haben.

„Ich fand das lustig. Ich fand es vor allem lustig, den Alltag eines Jungen, eines pubertierenden Jungen, aus der DDR zu erleben.“ (Junge)

„Ich fand die Geschichte sehr witzig, auch selbst wenn es die jetzt auch schon mal öfters gibt. Es war auch verständlich für kleine Kinder. Ich glaube, die könnten da auch ein bisschen mitlachen. Und auch der Witz war gut und die Kulissen super, damit wurde auch rübergebracht, wie es in der DDR war.“ (Mädchen)

„Alle, die das gucken, die haben nie mitgekriegt, wie das in der DDR war. Wenn man dann so einen Film guckt, ist das eine interessante Geschichte und dann nebenbei noch Wissen. Das fand ich super.“ (Junge)

Nur wenigen Kinder gelingt es, die Geschichten rund um den Hauptdarsteller und seine Familie von der Zeit, in der sie spielt, zu lösen.

„Ich fand es gar nicht so wichtig, dass der Film in der DDR spielt.“ (Mädchen)

„Es waren auch verschiedene Themen, die dargestellt wurden und auch realistisch.“ (Mädchen)

„Der Titel passt ganz gut, weil es wirklich um seine schönsten Jahr ging (…) man konnte ihm gut entnehmen, um was es ging. Die Musik war auch gut.“ (Mädchen)

„Die Selbstironie des Sprechers hat mir gefallen.“ (Mädchen)

Einigen Kindern gefällt das Grundthema „Erwachsenwerden“ und auch dessen Umsetzung, die Verlagerung in eine andere Zeit, nicht.

„Es war so das alte Klischee, Kinder beim Erwachsenwerden. Das war langweilig.“ (Mädchen)

„Ich fand es zu grell und unrealistisch.“ (Junge)

„Ich fand nicht gut, dass die Zeit veräppelt wurde.“ (Junge)

Die Kinder üben an der Serie wenig Kritik. Doch die Figuren werden sehr kritisch betrachtet.

„Mir haben auch viele Figuren da nicht gefallen, z. B. der große Bruder und die große Schwester, die waren einfach doof. Und das Mädchen war auch doof, die hat ja wohl überhaupt nichts kapiert, was da abgeht, dass er in die verknallt ist.“ (Mädchen)

„Ich fand es doof, dass der große Bruder manchmal Schimpfwörter gesagt hat.“ (Mädchen)


Zusammenfassend

Den Kindern fällt es schwer, die Geschichte von der Zeit, in der sie spielt, zu trennen. Zu dominant ist für sie die dargestellte Epoche der DDR. Sie sind von der Darstellung der Zeit fasziniert, weil sie sie selbst nicht mehr erlebt haben, aber schon viel darüber wissen. Dieses Wissen stammt z. B. hauptsächlich aus persönlichen Erfahrungen: aus dem Verwandtenkreis oder weil einige von ihnen selbst noch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR leben. Aber auch aus anderen Filmen und Berichten aus dem Fernsehen wissen die Kinder bereits einiges über die ehemalige DDR. Deshalb achten sie genau drauf, wie die Zeit dargestellt wird. Kostüme und Ausstattung, also die Elemente, die Informationen über die damalige Zeit liefern, sind den Kindern sehr wichtig. Der Film gibt ihnen neue Informationen und baut auf bereits vorhandenen auf. Die Mischung von einem Stück DDR-Zeitgeschichte, die hier natürlich eher übertrieben dargestellt wird, und die Geschichten um den Jungen, der dort lebt, ist sehr geschickt inszeniert. Interessieren sich die Kinder hauptsächlich für die Zeit, nimmt die Geschichte des Jungen sie trotzdem mit – denn er ist genau in ihrem Alter und teilt so manche Sorge auf dem Weg ins Erwachsenenleben, die nicht nur typisch DDR sind (z. B. erstes Verliebtsein).