09.02.2010
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Von Heike Westram
Stand: 01.05.2009
Tausend Stern' am Himmel stehn - und darunter meist ein paar besonders helle, die gar keine Sterne sind: Die "Wandelsterne", unsere Planeten, sind uns so nah, dass sie - von der Sonne angestrahlt - oft heller als die echten Sterne leuchten. Oft sind sie die ersten Lichter, die in der Abenddämmerung erscheinen und die letzten, die morgens noch zu sehen sind. Und in diesem Monat können Sie sich sattsehen: Alle Planeten des Sonnensystems tauchen am Firmament auf!
In den ersten Mainächten haben Sie noch kurze Gelegenheit, den seltenen Planeten Merkur zu erblicken. Kurz nach Sonnenuntergang finden Sie ihn tief im Westen, ganz dicht über dem noch dämmrig hellen Horizont. Ende April hatte er seinen größten Abstand zur Sonne und war gut zu sehen. Jetzt nähert er sich unserem Zentralgestirn eilenden Schrittes und verliert Tag für Tag an Helligkeit. Schon nach wenigen Tagen ist er verschwunden, da er am 18. Mai genau zwischen uns und der Sonne hindurchzieht, um im Juni als Morgenstern wieder aufzutauchen.
Die Nacht gehört Saturn, dem großen Ringplaneten, der seit dem Winter unser Firmament beherrscht. Jetzt im Mai, wenn es erst gegen Mitternacht wirklich finster wird, verlagert sich Saturns Herrschaftsgebiet mehr nach Westen. Dort prangt er unter dem mächtigen Frühlingssternbild Löwe. Über den beiden wacht der Große Bär. Den Herrn der Ringe sollten Sie sich jetzt unbedingt im Teleskop ansehen, wenn Sie dazu Gelegenheit haben. Denn zur Zeit blicken wir fast auf die Kante seiner Ringebene - ein zarter Strich im Teleskop. Am 3. Mai liefert sich der Mond mit Saturn ein Wettleuchten: Unser Trabant zieht im Verlauf der Nacht unter dem Planeten hindurch, hält aber respektvollen Abstand. Und auch am letzten Maiabend wird der Mond noch mal dicht bei Saturn auftauchen.
An Größe und Helligkeit nimmt Saturn allmählich wieder ab, denn seine Opposition hatte er schon Anfang März. Bis zum 17. Mai wandert er immer noch scheinbar rückwärts übers Firmament, zurück zum Löwen. Dann kehrt er plötzlich um: Saturn beendet seine Oppositionsschleife, während der ihn die Erde auf der Innenbahn überholt hat.
Sollten Sie schon mit dem Teleskop unterwegs sein, dann bleiben Sie noch ein bisschen: Gegen Mitternacht taucht Pluto, der Zwergplanet am Rand des Sonnensystems, im Osten auf. Zwischen ein und zwei Uhr ist er gut zu beobachten und bis zur Morgendämmerung erreicht er beinahe seinen höchsten Punkt über dem südlichen Horizont. Doch das winzige Pünktchen von nur 0,13 Bogensekunden scheinbarem Durchmesser am oberen Rand des Sternbilds Schützen können Sie nur in einem Teleskop ab etwa 30 Zentimeter Öffnung sehen. In den Nächten um den 12. Mai stört allerdings der noch sehr volle Mond, der unter dem Zwergplaneten hindurch zieht.
Ab zwei, drei Uhr morgens wird es dann eng am östlichen Horizont: Gleich fünf Planeten ziehen nacheinander herauf, mal als strahlende Morgensterne, mal kaum zu sehen. Den Anfang macht der Gigant Jupiter. Der größte Planet des Sonnensystems geht Anfang Mai etwa um halb vier auf, am Monatsende schon um halb zwei. Zwar bleibt er dicht am Horizont, da die Ekliptik jetzt morgens sehr flach verläuft, doch der Gasgigant ist strahlend hell und nicht zu übersehen:
Mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,5 mag leuchtet Jupiter sehr hell in ruhigem, weißen Licht. Seine Scheibe ist mit einem scheinbaren Durchmesser von bis zu 40 Bogensekunden riesig. Er ist über zweimal größer als Saturn und um rund drei Größenklassen heller. In der zweiten Maihälfte wird er als Morgenstern dominant.
Jupiter wandert im Mai vom Steinbock zur Wassermann-Grenze und trifft dort auf sein schieres Gegenteil: Neptun, ebenfalls ein äußerer Gasplanet wie Jupiter, erwartet ihn. Doch Neptun ist so weit von uns entfernt, dass Sie ihn nur mit einem guten Fernglas erblicken können. Er ist um rund zehn Größenklassen dunkler als Jupiter und sein scheinbarer Durchmesser misst nur etwa ein Zehntel. Doch wenn sich Jupiter am 25. Mai auf nur 0,4 Grad Abstand an Neptun herangearbeitet hat, ist ein guter Moment, die beiden im Teleskop zu beobachten. Am Morgen des 17. Mai ist der Anblick ebenfalls reizvoll - dann steht der Halbmond knapp über dem Duo.
Die beiden werden die nächsten Monate nicht voneinander lassen, denn am 29. Mai ändert zunächst Neptun seine Richtung und wandert durch die Oppositionsschleife westwärts. Zwei Wochen später kehrt aber auch Jupiter um und überholt Neptun im Juli erneut - diesmal in der Gegenrichtung. Zum Jahresende, wenn beide wieder ostwärts wandern, wird Jupiter noch einmal an Neptun vorbeiziehen - und ihn dann für lange Zeit hinter sich lassen.
Der nächste in der Reihe der Morgensterne ist Uranus, Neptuns Nachbar im Sonnensystem. Er ist mit knapp 6 mag scheinbarer Helligkeit zwei Größenklassen heller als Neptun und auch etwas größer, daher ist er gerade noch mit bloßem Auge zu sehen. Zwar ist er immer noch aufgrund der morgendlich flachen Ekliptik sehr tief über dem Horizont, doch jetzt im Mai können Sie den blauen Gasplaneten erstmals wieder finden.
Und dicht daneben liefern sich zwei spannende Morgensterne ein Wettrennen: Nach langer Abwesenheit taucht dort erstmals wieder unser roter Nachbar Mars am Himmel auf, allerdings sehr dicht über dem Horizont, wo er ostwärts rast. Mit weniger als fünf Bogensekunden Durchmesser ist er noch enttäuschend klein und mit nur etwa einer Größenklasse auch nicht sonderlich hell.
Doch er hat eine spektakuläre Verfolgerin: Die Liebesgöttin Venus, unsere innere Nachbarin, rast hinter dem Kriegsgott her - und stiehlt ihm die Show: Mit bis zu -4,5 mag scheinbarer Helligkeit ist sie nach dem Mond das hellste Objekt am Nachthimmel, nicht zu übersehen. Und ihr Scheibchen ist Anfang Mai noch fast so groß wie Jupiters, schrumpft aber dann auf etwa die Hälfte des Durchmessers. Besonders reizvoll wird der Anblick in den Morgenstunden vom 20. bis 22. Mai: Dann zieht eine immer zarter werdende Mondsichel an der Reihe der Planeten vorbei.
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