21.11.2009
Direkt zu ...
Von Heike Westram
Stand: 01.05.2009
Jeden Monat reist der Mond quer übers Firmament. Da unser Trabant in rund vier Wochen einmal die Erde umkreist, steht er jede Nacht ein Stück weiter östlich am Himmel. In 27,3 Tagen durchläuft er so alle Sternbilder entlang der Ekliptik und hat dabei strahlende Begegnungen.
Im Mai beginnt unser Trabant seine Wanderung übers Firmament als perfekter Halbmond im letzten der Winterbilder: Er steht hoch am Himmel im Widder, nah beim Sternhaufen Krippe. Von hier aus macht er sich flott auf den Weg in den Frühling: Schon zweiten Mai-Abend hat er den Löwen erreicht und ist nicht weit von dessen hellstem Stern Regulus zu sehen.
In der Nacht zum 4. Mai zieht er unter dem hellen Ringplaneten Saturn hindurch, allerdings in respektvollem Abstand von sieben Grad. Jede Nacht geht der Mond jetzt etwas später unter und seine Scheibe wächst beachtlich an. Immer tiefer verläuft seine Bahn über dem Horizont - zum Glück, denn so ist er in der Nacht zum 6. Mai schon nah am westlichen Horizont, wenn im Osten der Wassermann aufgeht und einen Sternschnuppen-Schauer mit sich bringt. In der Nacht darauf hat der Mond die helle Spika in der Jungfrau erreicht, dem großen Frühlingssternbild.
Am 8. Mai geht der Vollmond erst gegen halb neun abends auf. Wie die Sonne im November wandert er jetzt ganz tief am Horizont entlang. Dadurch erscheint er Ihnen womöglich größer als sonst, doch lassen Sie sich nicht täuschen! Und wie die Sonne kurz vor Winterbeginn geht der Vollmond kurz vor Sommerbeginn schon nach wenigen Stunden wieder unter: Um Viertel nach fünf am Morgen des 9. Mai versinkt seine große Scheibe im Westen, kurz bevor er die Vollmondphase wirklich erreicht hat.
Unser Begleiter verlegt sich jetzt zunehmend auf die zweite Nachthälfte, während er durch die tiefen Sommerbilder marschiert. Wenn er am Abend des 10. Mai gegen elf Uhr aufgeht, bietet er einen spektakulären Anblick: Er steht ganz dicht am roten Riesenstern Antares im Skorpion, weniger als ein Grad trennen die beiden. Sollten Sie sich zwischen der Türkei und Südindien aufhalten, können Sie sogar eine Bedeckung beobachten.
Von hier aus wandert der schwindende Mond weiter durch den Schützen, unter dem Zwergplaneten Pluto hindurch und zieht sich vollends in die Morgenstunden zurück. Auf seiner elliptischen Bahn um die Erde erreicht er am 14. Mai den entferntesten Punkt mit knapp 405.000 Kilometern Abstand zu uns. Aufsehenerregende Begegnungen hat er in diesen Nächten nicht.
Doch wenn er als Halbmond am 17. Mai um zwei Uhr morgens aufgeht, ist unser Trabant in spektakulärer Begleitung: Links unter ihm, genau zwischen Steinbock und Wassermann, tummeln sich zwei Planeten: der nur im Fernglas sichtbare Neptun und Jupiter, der strahlend helle Gigant. Bis zum Sonnenaufgang nähert sich der Mond dem größten Planeten des Sonnensystems auf nur zwei Grad an.
An den folgenden Morgen wandert die schmaler werdende Mondsichel durch die Fische und klappert dabei eine ganze Reihe frischer Morgensterne ab, die erstmals wieder zu sehen sind: Den Anfang macht der ferne Uranus, der am Morgen des 19. und 20. Mai mal links, mal rechts der Silbersichel zu finden ist. Am Morgen darauf strahlt rechts unter dem Mond die helle Venus, links darunter taucht der rötliche Mars auf.
Doch da die Ekliptik jetzt in den Morgenstunden sehr flach verläuft, sind all die Strahlemänner und -frauen nur bei guten Sichtbedingungen zum Horizont zu entdecken. Am Morgen des 22. Mai haben Sie die letzte Gelegenheit, eine sehr feine Mondsichel links vom Mars zu entdecken, dann versteckt sich unser Begleiter am Taghimmel, denn am 24. Mai ist Neumond.
Schon einen Abend darauf, am 25. Mai, taucht an den Hörnern des Stiers ein nur 33 Stunden alter Mond wieder auf: Weil die Ekliptik abends sehr steil verläuft, scheint die hauchzarte Sichel tief im Westen fast "auf dem Bauch" zu liegen, in der sogenannten Kahnlage. Doch Sie müssen sich beeilen: Gegen Mitternacht geht sie schon wieder unter.
Doch von jetzt an bleibt unser Trabant Abend für Abend länger am Himmel, wächst langsam wieder und steht nach Sonnenuntergang immer höher am Himmel auf seinem Weg westwärts durch den Tierkreis. Er durchläuft die Zwillinge und erreicht am 28. Mai erneut den Widder, wo er die Reise am Monatsanfang begonnen hat. Bis zur letzten Mainacht ist er ein wieder bei Saturn im Löwen angekommen und ein zweites Mal zum Halbmond angewachsen.
Der Sterngucker erklärt, welche kosmischen Abläufe hinter den allabendlichen Phänomenen am Himmel stecken.