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10.02.2010


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Grüne Gentechnik Reis, der dem Klimawandel trotzt

Drei Milliarden Menschen ernähren sich weltweit weitgehend von Reis, 90 Prozent von ihnen leben in Asien. Doch der Klimawandel bedroht Millionen Hektar Anbauflächen. Auf den Philippinen züchtet eine Molekularbiologin neue Reissorten mithilfe von Gentests.

Stand: 23.06.2009

Sigrid Heuer, Bauer erntet Reis

Sigrid Heuer, Molekularbiologin aus Hamburg, züchtet auf Anbaufeldern des allgemeinnützigen Internationalen Reisforschungsinstituts IRRI in Los Baños auf den Philippinen ganz bestimmte widerstandsfähige Reissorten. Und zwar solche, die bei großer Hitze, in Überschwemmungsgebieten oder in ausgelaugten Böden überleben. Eine Sorte wurde erst kürzlich auf den Philippinen und in Indien zugelassen.

Der Mensch hängt vom Reis ab

Reisanbau auf den Philippinen

Bild vergrößern Bildunterschrift: Forschungsdirektor Achim Dobermann kontrolliert die neuen Reiszüchtungen.

Reis wird in Küstenregionen und Deltas angebaut - in Bangladesch, Birma und Vietnam. Wenn der Meeresspiegel aufgrund von Überschwemmungen steigt, betrifft das den Reis mehr als jedes andere Getreide, sagt der Biologe Reiner Wassmann vom Forschungszentrum Karlsruhe, der die Klimaforschung am IRRI vor Ort koordiniert.

Die Reisanbauflächen schrumpfen aber auch, weil die Bevölkerung wächst und mehr Platz für Gebäude und Straßen benötigen. Der Bedarf an Reis übersteigt seit Jahren die Ernte. Und im veränderten Klima brauchen die Bauern neue Reissorten, um weiter Erträge zu erwirtschaften. Ansonsten drohen Ernteausfälle durch Hitze, Dürre oder Überschwemmungen. Jedes Jahr würden 10 bis 15 Millionen Hektar Reisanbaufläche überflutet. Dabei gehe Reis im Wert von einer Milliarde Dollar verloren, so Molekularbiologin Heuer.

Klassische Züchtung mithilfe von Gentests

Reisanbau auf den Philippinen

Bild vergrößern Bildunterschrift: Die Reissorten sollen widerstandsfähig gegen Hitze und Überschwemmung sein.

Auf der Versuchsstation hat Sigrid Heuer Felder mit verschiedenen Reissorten angelegt - jeweils mit und ohne einem bestimmten Gen, dem Sub1-Gen, das die Pflanzen vor Wasser schützt. In Beeten in denen Pflanzen mit Sub1-Gen stehen, sprießen die Halme dicht an dicht, in den anderen ohne das bestimmte Gen nur spärlich.

Das Gen Sub-1 wird im Labor in einer bestimmten Reissorte gefunden und dann in eine ertragreiche Sorte hineingebracht. Mittels einer DNA-Untersuchung lässt sich feststellen, ob das Gen wirklich vorhanden ist oder nicht.

Goldener Reis mit Vitamin A-Gehalt

Damit sich die Bauern diese Genreis-Sorten überhaupt leisten können, verzichtet das unabhängige Reisforschungsinstitut IRRI auf eine Patentanmeldung. Rund 60 Prozent der Reisproduktion weltweit erfolgt mit IRRI-Sorten, so Forschungsdirektor Achim Dobermann. Von 300 getesteten Sorten schaffen es drei oder vier tatsächlich auf den Markt. Die Forscher hoffen, dass in drei Jahren der Goldene Reis marktreif sein könnte, der einen hohen Vitamin A-Anteil hat, weil ein Mais-Gen eingezüchtet ist.

Reispflanzen mit höherem Ertrag

Reisanbau auf den Philippinen

Bild vergrößern Bildunterschrift: Für den Reisanbau in Asien werden ertragreichere Reissorten gezüchtet.

Forschungsansätze mit genverändertem Bt-Reis, der gegen den Stengelbohrer resistent ist, sind dagegen aufgegeben worden. Durch den Schädling würden zwei bis drei Prozent der Ernte verloren. Das seien zu geringe Ertragsverluste, um die genetische Kanone rauszuholen, meinten die IRRI-Forscher.

Das neueste Projekt ist ein Versuchsfeld mit Sorghum-Hirsen. Bei diesem Getreide läuft die Photosynthese effizienter ab und damit die Umwandlung von Licht in Biomasse. Wenn das Gen dafür gefunden und in Reis eingezüchtet werden könnte, brächte das 30 bis 50 Prozent mehr Ertrag, so Forschungsleiter Dobermann. "Das wäre der Nobelpreis."

IRRI

Das International Rice Research Institute (IRRI) ist eine gemeinnützige Forschungsinstitution mit dem Ziel, die Situation von Reisbauern und -verbrauchern zu verbessern. Der Hauptsitz des Instituts liegt etwa 60 km südlich der philippinischen Hauptstadt Manila in Los Baños in der Provinz Laguna. Das Institut arbeitet an der Verbesserung der Ausbildung von Reisbauern und entwickelt neue nachhaltige Anbaumethoden, die mit einem geringstmöglichen Einsatz von Giften, Wasser oder Düngemitteln auskommen und gleichzeitig einen maximalen Ertrag erbringen sollen.

Weiter mit: Pro: Weniger Spritzmittel, mehr Ertrag
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