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10.02.2010


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Brieftauben Der Kompass der fliegenden Postboten

Als Postboten stehen Tauben seit Jahrtausenden im Dienst der Menschen, heute lassen wir sie in erster Linie um die Wette fliegen. Denn egal, wo Brieftauben freigelassen werden, sie finden immer wieder zügig zu ihrem Heimatort zurück. Biologen sind ihrem Navigationssystem auf der Spur.

Stand: 26.06.2009

Brieftaube, Illustrationen: Magnetfeld, Sonnenstand

Hunderte von Kilometern fahren die Züchter, lassen ihre Tiere frei, kehren nach Hause zurück - und warten. So lange, bis die ersten Tauben wieder auf ihrem Taubenschlag sitzen und laut gurrend ihre Rückkehr verkünden. Diese Eigenschaft machte sie schon vor 4.000 Jahren, im alten Ägypten, zu den perfekten Nachrichtenüberbringern. Jetzt untersuchen die Wissenschaftler Roswitha und Klaus Wiltschko von der Universität Frankfurt, was die Brieftauben stets so zielstrebig an ihren Ausgangspunkt zurückbringt.

Brieftauben

Die heutigen Brieftauben stammen von der mediterranen Felsentaube ab, die bereits vor 4.000 Jahren domestiziert wurde. Wo junge Tauben fliegen lernen, dort ist ihre Heimat und dorthin finden sie immer wieder zurück. Brieftaubenliebhaber kaufen deshalb immer nur Küken, die dann bei ihnen das Fliegen lernen.

Mit zwei Orientierungsmechanismen zum Ziel

Brieftaube

Bildunterschrift: Ruggedigu, zurück im Nu: dank eingebautem Navigationssystem.

Das Forscherehepaar hat herausgefunden, dass die Tiere von zwei Mechanismen geleitet werden, die sie geschickt kombinieren. Als Kompass dient ihnen der Stand der Sonne: Sie geht im Osten auf, steht mittags im Süden und abends dann je nach Jahreszeit im Westen oder Nordwesten. "Die Tauben haben eine innere Uhr. Die wissen, jetzt ist Mittag und schlagen dann einen bestimmten Winkel zur Sonne ein, um in eine bestimmte Kompassrichtung zu fliegen", erklärt Biologe Klaus Wiltschko.

Magnetsensor im Schnabel

Brieftaube

Bildunterschrift: Brieftauben orientieren sich am Stand der Sonne und am Magnetfeld der Erde.

Zusätzlich orientieren sich die Tauben am Magnetfeld der Erde. "In ihrem Schnabel sind Eisenoxyde eingelagert, die mit dem Magnetfeld interagieren", sagt Wiltschko. Diese Methode hat gegenüber dem "Sonnenkompass" den Vorteil, dass sie auf einer direkten Sinneswahrnehmung beruht. Mit dem Sensor in ihren Nervenzellen können sie jederzeit ihre geografische Position bestimmen. "Zuerst benutzen sie den Magnetkompass und dann den Sonnenkompass, so dass sie merken, wenn die Sonne aufgeht, entspricht das magnetisch Osten", erzählt Roswitha Wiltschko.

Tauben entwickeln ihre eigene Karte

Die Orientierung an der Sonne und die Ausrichtung am Magnetfeld sind angeboren. Später lernen die Tiere dann, die besonderen Gegebenheiten ihrer Umgebung in ihr Wissen zu integrieren. So entsteht im Hirn der Taube nach und nach eine ganz spezielle Karte. "Diese Taubenkarte ist dann ein mentales Abbild der für die Orientierung nutzbaren Faktoren in der Umgebung und enthält Horizontlinien optischer Art und magnetische Anomalien, die für einen Ort typisch sein können", sagt Klaus Wiltschko. Jetzt untersucht das Ehepaar Wiltschko, welche Rolle der Sehsinn dabei genau spielt.

Tauben im Dienst
Brieftaube mit Kamera

Schon im alten Ägypten wurden Tauben als Briefträger benutzt: Wenn zum Beispiel ein Pharao starb, schickte man die Tauben der Provinzstädte mit der Nachricht aus der Hauptstadt zurück. Vor der Erfindung der Telegrafie waren sie die einzige Möglichkeit, Informationen über längere Strecken zeitnah zu überbringen. Im Krieg benutzte man sie deshalb dazu, die Daheimgebliebenen vor dem anrückenden Feindesheer zu warnen. Auch Pressedienste arbeiteten anfangs mit Brieftauben. Und mit Kameras oder Transportsäckchen ausgestattet hat man sie schon häufig für dubiose Machenschaften instrumentalisiert. Heute werden sie hauptsächlich für sportliche Wettbewerbe gehalten.

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