10.02.2010
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Der Volksmund sagt: "Geld macht nicht glücklich." Stimmt nicht, sagen Glücksforscher: Mammon, Münzen und Moneten können unsere Lebenszufriedenheit sehr wohl steigern! Psychologen und Soziologen haben den mathematischen Zusammenhang zwischen Geld und Glück präzise gemessen - und wissen jetzt, wie viel Zaster uns zufrieden macht.
Dagobert Duck badet jeden Tag in seinem Geldspeicher. Gleichzeitig ist der Milliardär von Entenhausen aber für seine chronisch schlechte Laune bekannt. Dabei gehört die Rechnung "reich = unglücklich" genauso ins Reich der Mythen wie sprechende Enten: In Wirklichkeit kann ein dicker Geldbeutel die Zufriedenheit seines Besitzers sehr wohl steigern.
Bildunterschrift: "Reich = mies gelaunt" gilt nur für Onkel Dagobert.
Psychologe Stefan Poppelreuter von der Uni Bonn hat zum Beispiel 1.000 Deutsche zu Geld und Glück befragt – und herausgefunden: "Je höher das Einkommen ist, umso höher ist auch das subjektiv erlebte Glück. Wir sind bei der Befragung vom Nettohaushaltseinkommen ausgegangen; die niedrigste Kategorie war unter 500 Euro, und die höchste war alles, was über 2.500 Euro lag."
Amerikanischen Glücksforschern zufolge macht noch mehr Einkommen übrigens keinen Unterschied mehr: Bei zunehmendem Gehalt wird die Glückskurve immer flacher. Pi mal Daumen hat der Einzelne mit ungefähr 20.000 Euro Nettoeinkommen pro Jahr die finanziellen Voraussetzungen für ein glückliches Leben erreicht. Bleibt festzuhalten: Wer wenig hat, den macht eine Steigerung seines Einkommens glücklich. Wenn Größtverdiener aber jedes Jahr mehrere Millionen scheffeln, nimmt ihre Lebensqualität dadurch nicht mehr wesentlich zu.
Ein finanzielles Polster macht übrigens nicht nur Einzelne froh, sondern auch ganze Nationen. Umfragen zeigen, dass das Wohlstandsniveau eines Landes eng mit dem subjektiven Wohlbefinden seiner Bevölkerung zusammenhängt. Nicht umsonst stehen die Skandinavier und die Schweizer weltweit auf dem Glückstreppchen ganz weit oben, während etwa Rumänen, Bulgaren und Afrikaner mit ihrem Leben wirklich unzufrieden sind. Der Zusammenhang ist ziemlich eindeutig: Wohlstand steigert die Lebensqualität. Das hängt auch damit zusammen, dass Gesundheit Geld kostet - so gesehen kann man sich einen Teil des Glücks wirklich kaufen.
Nicht kaufen kann man sich dagegen Freunde. Großverdiener kennen den Effekt: Ihr finanzielles Polster schafft Abstand. Nicht, weil man durch die Milliönchen unbeliebt wird – sondern weil der Gedanke an Geld unser Verhalten ändert. Dazu gibt es viele Untersuchungen, zum Beispiel das "Interview-Experiment": Hier steht die Testperson in einem Raum, in dem entweder ein Bild mit Geldscheinen oder eines mit einer Blumenwiese an der Wand hängt. Dann kommt der Versuchsleiter mit zwei Stühlen herein und sagt: "Stellen Sie die Stühle auf, ich hole in der Zwischenzeit Ihren Interviewpartner." Die Forscher messen daraufhin heimlich den Abstand, in dem die Testperson beide Stühle aufstellt.
Bildunterschrift: Wissenschaftlich bewiesen: Viel Geld = wenige Freunde.
Die Studienlage ist eindeutig: Unter dem Geld-Bild stellen Menschen die Stühle automatisch weiter auseinander. "Jemand, der gerade an Geld denkt, der möchte die anderen also ein bisschen weiter weg haben", erklärt Neurobiologe Professor Manfred Spitzer von der Universität Ulm. "Denn Geld sorgt dafür, dass wir lieber alleine sind und weniger gemeinschaftlich denken, fühlen und handeln. So macht Vermögen einsam, und Einsamkeit macht unglücklich."
Bildunterschrift: ... wie viel verdienen wohl die Kollegen?
Der Mensch misst seine Zufriedenheit übrigens auch am Finanzstatus seiner Mitmenschen. Entscheidend ist nicht die absolute Höhe des eigenen Gehalts, sondern der soziale Vergleich mit den eigenen Altersgenossen: Erst das Gefühl, finanziell schlechter dazustehen als die Mit-Rentner, Mit-Mütter oder Mit-Studenten, schafft Frust. Dieses Verhalten erklärt vielleicht auch, warum die Amerikaner in den letzten 50 Jahren kaum glücklicher geworden sind, obwohl ihr Wohlstand stark zugenommen hat. Weil der allgemeine Aufschwung mehr Geld für alle brachte, konnte Otto Normalverbraucher seine Position in der Hierarchie nicht verbessern.
Bildunterschrift: Wer verheiratet ist, lebt laut Statistik glücklicher.
Ist der Sprung über den materiellen Glückspegel geschafft, rücken jedoch andere Dinge in den Vordergrund. Psychologe Stefan Poppelreuter: "Geld ist definitiv nicht der wichtigste Glücklichmacher für die Menschen, das hat unsere Studie sehr schön ergeben. Wichtiger sind eine harmonische Familie oder Partnerschaft, ein guter Freundeskreis und Zukunftssicherheit." Und falls Sie es doch aufrechnen mögen: Britische Soziologen zufolge entspricht verheiratet zu sein auf der Glückskurve einem Jahreseinkommen von 100.000 Dollar.
Finnische Forscher empfehlen eine Art Dreiklang der Lebensqualität: Haben, Lieben und Sein. Zu Deutsch: Wer glücklich werden will, sollte nicht nur Geld horten, sondern auch Freund- und Liebschaften pflegen und sich eine Tätigkeit suchen, in der er wirklich aufgeht. Das erklärt übrigens, warum glückliche Lottogewinner und Erben auch nicht 365 Tage im Jahr auf den Bahamas weilen, sondern Stiftungen gründen oder ganz normal arbeiten gehen ...
Ein weiterer anerkannter Glücklichmacher ist übrigens Spenden oder Stiften, das haben Studien gezeigt. So können sehr reiche Menschen, die eigentlich schon die Sättigungsgrenze überschritten haben, ihren Glückspegel weiter anheben. Denn die Dankbarkeit der Empfänger mehrt das eigene Glück. Womit bewiesen wäre: Geld kann durchaus glücklich machen. Es kommt nur darauf an, was man damit macht!
Dass es besser sein kann, nur fast und nicht ganz glücklich zu sein, das haben amerikanische Psychologen festgestellt. Die Forscher analysierten Daten über ökonomische, politische und religiöse Einflüsse auf das subjektive Glücksempfinden und das Verhalten von knapp 200 Studenten. In manchen Bereichen schnitten diejenigen besser ab, die vom absoluten Glück ein kleines Stück entfernt waren: Beim Einkommen, der Ausbildung oder in der Politik waren die am erfolgreichsten, die sich bei ungefähr acht auf einer zehnteiligen Glücksskala einstuften.
Die Forscher erklärten, absolut glückliche Menschen würden ihr Verhalten selten ändern und sich nur ungern an äußere Veränderungen anpassen, sie seien oft zu optimistisch und sorglos. Nur in sozialen Bereichen, bei freiwilligen Aktivitäten und in persönlichen Beziehungen schnitten die Glücklichsten am besten ab. In manchen Bereichen kann das totale Glück also sogar hinderlich sein.