10.02.2010
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Sie ist winzig, hat Stummelbeine, einen breiten Hintern und völlig überdimensionierte Brüste. Trotzdem ist diese Frau eine Sensation: Die in einer Höhle in Tübingen gefundene geschnitzte Venus ist die älteste Menschenfigur der Welt.
Stand: 13.05.2009
Tübinger Wissenschaftler haben die aus Mammut-Elfenbein geschnitzte Frau mit den markanten Geschlechtsmerkmalen in der Höhle "Hohle Fels" bei Schelklingen gefunden. Sie ist rund 40.000 Jahre alt, berichtet der Archäologe Nicholas Conrad. Damit sorgt die sechs Zentimeter kleine "Venus" für großes Aufsehen: Sie ist die älteste bislang bekannte Menschenfigur und wirft ein völlig neues Licht auf die Entstehung der Kunst.
Bislang waren aus dieser Phase der Altsteinzeit nur Tierdarstellungen bekannt. Die Statuette zeigt nun, dass unsere Vorfahren früher als angenommen menschliche Körper abgebildet haben - und zwar ziemlich geübt: "Dieses Stück ist mit Energie geladen und sehr ausdrucksvoll", meint Archäologe Conard. Die kleine Figur ist extrem detailliert geschnitzt, die Geschlechtsorgane sind überbetont, Arme und Beine dagegen stark verkürzt. Eine winzige Öse am Kopf zeigt, dass die Figur um den Hals getragen wurde. Möglicherweise wurde sie als Fruchtbarkeitssymbol geschaffen.
Bildunterschrift: Der Archäologe Nicholas Conrad hat die Venus gefunden.
Jetzt wurde die sogenannte "Venus" erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, auf sie gestoßen waren die Wissenschaftler bereits im vergangenen September. Zwanzig Meter vom Eingang der Höhle "Hohle Fels" entfernt lag sie unter der Erde, zerbrochen in sechs Teile. "Wir alle waren sprachlos", erzählt Archäologe Conard. Mit Kunstharz sind die Fragmente verbunden worden, bis auf den linken Arm und die Schulter ist die Statuette nun komplett. Conard hofft, die fehlenden Fragmente noch zu finden. Die Chancen stehen gut: Die "Venus" hatte sich ganz am Rand des im vergangenen Jahr bearbeiteten Ausgrabungsgebiets befunden. Ab September soll sie im Stuttgarter Kunstgebäude öffentlich ausgestellt werden.
Auf der Schwäbischen Alb wurden in den vergangenen 150 Jahren sehr viele Elfenbein-Schnitzereien gefunden - darunter nach Angaben der Wissenschaftler auch das weltweit älteste Musikinstrument. Archäologe Conard hält es deshalb durchaus für möglich, dass auf der Schwäbischen Alb das erste Kulturvolk der Welt gelebt hat. Auf jeden Fall seien von der Alb wesentliche Impulse für die Entwicklung der Musik und der figürlichen Kunst ausgegangen.