09.02.2010
Direkt zu ...
Wie Astrologen Horoskope erstellen und deuten, ist beeindruckend. Deshalb hinterfragen nur wenige, wie die Stellung von einigen Himmelskörpern die Persönlichkeit eines Menschen überhaupt beeinflussen kann. Ist das tatsächlich möglich?
Stand: 03.08.2009
Erste Ungereimtheiten ergeben sich bereits beim logischen Nachdenken: In der Astrologie ist vor allem der Zeitpunkt entscheidend, in dem ein Mensch das Licht der Welt erblickt. Dann könnte ein vorzeitiger Kaiserschnitt das Leben eines Menschen komplett umkrempeln, während viel gewichtigere Faktoren wie das Genmaterial der Eltern und die spätere soziale Prägung unbeachtet bleiben.
Bildunterschrift: Dank Kaiserschnitt jetzt Widder und ein anderer Mensch?
Natürlich gehen von Himmelskörpern bestimmte Anziehungskräfte aus - auf der Erde sind sie sogar so stark, dass wir auf ihr haften bleiben. Die astrologisch relevanten Planeten sind jedoch hunderttausende Kilometer weit von uns entfernt. Wie sollte die Kraft, die dann gegebenenfalls noch bei uns ankommt, auf unser Schicksal wirken?
Bildunterschrift: Der rote Planet: Dank seiner Farbe steht Mars für Krieg und Kraft.
Noch dubioser ist, dass die Bedeutungen der Himmelskörper nur von oberflächlichen Beobachtungen und Assoziationen herrühren: Der Mars leuchtet rot - und steht deshalb für Kampf und Kraft. Tatsächliche Größen wie die Oberflächentemperatur werden vernachlässigt. Auch die Winkel, in denen die Planeten zueinander stehen, und erst recht deren Bedeutung, existieren nur auf dem Papier.
Einig sind sich die Astrologen auch nicht, wie sie die zuletzt entdeckten Planeten behandeln sollen: Uranus, Neptun und Pluto wurden im Nachhinein einfach in die vorhandenen Modelle integriert - obwohl sie die Horoskope ja eigentlich schon immer beeinflusst haben müssten. Eine astro-logische Erklärung: Sie sind so weit weg, dass ihr Einfluss verschwindend gering ist - die Astrologie ist deshalb vorher nicht falsch gewesen, jetzt aber doch richtiger. Andere Sterndeuter sprechen den Planeten Funktionen zu, die im Altertum eben noch nicht bekannt waren, "Mutation" etwa. Pluto hat seinen Planetenstatus übrigens im Jahr 2006 wieder verloren ...
Auch die bereits seit der Antike bekannte Präzession wird in der Astrologie ausgeklammert: Wenn sich die Erde um sich selbst dreht, lassen sie die Anziehungskräfte von Sonne und Mond ein wenig taumeln. Pro Jahr bleibt sie so auf ihrer Bahn um die Sonne um 0,01 Grad zurück. Seit der Festlegung des Tierkreises vor zweitausend Jahren, als die Positionen von Sternbild und Sternzeichen noch übereinstimmten, hat sich diese Abweichung auf ein Zwölftel des Jahreskreises summiert. Das entspricht etwa einem Sternbild: Wer zum Beispiel zwischen dem 21. März und dem 20. April geboren wurde, ist laut Astrologie Widder - eigentlich steht die Sonne aber erst im Sternbild Fische.
Bildunterschrift: Physikalische Erklärung Fehlanzeige. Astrologie funktioniert einfach. Oder?
Physikalisch lässt sich nicht erklären, warum Astrologie überhaupt funktionieren sollte. In den Naturwissenschaften werden ihre Annahmen deshalb schon seit Jahrhunderten nicht mehr diskutiert und gelten als endgültig widerlegt. Natürlich könnten hinter der Astrologie auch übernatürliche Kräfte stecken. Prinzipiell lässt sich das nicht wiederlegen - dann könnte man aber alles dem Übersinnlichen zuordnen. Genauso schwammig heißt es oft, die Erfahrung habe gezeigt, dass Astrologie eben einfach funktioniere. Das lässt sich überprüfen - mit statistischen Methoden.
Weiter mit: Mit Zahlen gegen Behauptungen