- Fernsehdesign
Um sich im Kampf um das Publikum durchzusetzen, um unverwechselbar
und gut wiedererkennbar zu sein, braucht man ein einprägsames und
ansprechendes Design. Seitdem das öffentlich-rechtliche Fernsehen
durch die kommerziellen Sender Konkurrenz bekommen hat, gilt dieser
Grundsatz, der für Printmedien immer schon zutraf, auch für
den TV-Markt.
Welches Design ein Sender wählt, um damit attraktiv und
gut wiedererkennbar zu sein – es geht dabei um das unverwechselbare
Profil, die Corporate Identity – , hängt zum einen von
seiner Zielgruppe ab.
Beispiel Kabel 1: Dieser Sender kaufte in den USA ein ganzes Designpaket,
um eine junge Zielgruppe anzusprechen und sich als neuer Spielfilmsender
auf dem Markt zu positionieren. Ein Designpaket kann alles umfassen,
angefangen vom Logo des Senders und sonstigen Grafikelementen
über den Trailer, der als Vorspann vor den Sendungen oder
den Werbeunterbrechungen läuft, und ausgesuchte Musik bis zum kompletten
Studiodesign.
Um die Corporate Identity eines Senders zu wahren, darf man das
Design nicht ständig ändern. Etwa alle fünf Jahre braucht
ein Sender, wie Henriette von Hoessle (Kabel 1) sagt, einen "ganz neuen
look".
Das Design soll zum anderen "die Philosophie" einer Sendung wiedergeben.
Es wird bestimmt durch das, was in den jeweiligen Sendungen vermittelt
werden soll.
Beispiel: die ZDF-Show für junge Familien: Jede Sekunde zählt.
Um gleichzeitig die Eltern und die Kinder anzusprechen, wählten
die Grafiker für diese Show einen "Game-Look wie in einem Computerspiel".
So Martin Sambauer von der zuständigen Agentur Alles wird gut.
Jedes Erfolg versprechende Design gehorcht außerdem der Mode,
schon deswegen braucht es von Zeit zu Zeit ein neues Gesicht.
- Printdesign
Bei der Gestaltung von Zeitungen, Zeitschriften und Büchern gelten
dieselben Grundsätze wie beim TV:
Das Design soll auf die Produkte aufmerksam machen und die Corporate
Identity der Hersteller wahren. Es wird bestimmt durch den zu vermittelnden
Inhalt, die Zielgruppe und den Zeitgeist.
Die Zielgruppe bestimmt das Verhältnis von Text und Bild:
"Wenn ich eine Zielgruppe oder einen Inhalt habe, die oder der sehr
leseintensiv ist, muss ich eine textorientierte Gestaltung fahren, habe
ich eine Zielgruppe, die sehr emotional ausgerichtet ist, muss ich sehr
viel mit großen Bildern oder mit Farben arbeiten und entsprechend
dann mit weniger Text." So Eberhard Wolf, Art Director der Süddeutschen
Zeitung.
Bemerkbar macht sich der Zeitgeist inzwischen selbst bei seriösen
Tages- und Wochenzeitungen, die hauptsächlich vom Text leben. Das
tägliche Layout ändert sich kaum, aber Farbe ist bei vielen
kein Tabu mehr – man denke an die SZ oder die ZEIT. Die konservative
FAZ verzichtet allerdings noch auf Farbe.
Auf dem übersättigten Zeitschriftenmarkt kommt es besonders auf
eine verführerische Gestaltung des Titelblatts an: Auf das
Logo, das besonders wichtig ist für den Wiedererkennungswert, –
die Signalfarbe Rot ist dafür sehr beliebt – und auf die gestalterische
Umsetzung des Titelthemas. Gezielt werden hier manipulierte Bilder als
Eyecatcher eingesetzt, aber so, dass die gezielte Manipulation des
Bildmaterials sofort erkennbar ist. Horst Moser, Zeitschriftengestalter
erläutert, wie hier die Zusammenarbeit von Redakteuren und Grafikern
funktioniert:
"Die Redaktion setzt sich zusammen und sagt, wir möchten das Thema,
und der Grafiker muss sich dann überlegen, welche Formen gibt es,
um das dann sehr gut umzusetzen. Ist es Fotografie, ist es Illustration,
sind es Mischformen usw. Und das scheint mir jetzt für dieses Thema
eine gelungene Umsetzung zu sein, die auch sofort erkennbar macht, dass
es um Manipulation geht."
Das Cover ist auch beim Buch zum Werbeträger geworden. Auch wenn
Bücher vor allem wegen des Inhalts gekauft werden, verwenden Grafiker
viel Mühe darauf, das Cover ansprechend zu gestalten, um unschlüssige
Käufer zu gewinnen. Hier sehen wir z.B Entwürfe für den
belletristischen Spitzentitel des Hanser Verlags im Herbst 2000: Rose
Tremain. Melodie der Stille. Bevor das Buch seinen endgültigen
Titel und seine endgültige Gestalt bekam, durchlief es viele Phasen.
(Mehr zur Gestaltung von Büchern: Gäste).
- Webdesign
Bei den neuen Medien Internet und Multimedia scheint die Zukunft
zu liegen. Fast alle Massenmedien und großen Unternehmen sind
schon längst im Netz.
"Keine Firma der Welt kann es sich mehr leisten, im Web nicht vertreten
zu sein. Es wird immer wichtiger werden, dass man dort eine Plattform
hat." So Markus Mathieu, Art-Director BR-Online.
Wichtig ist ein gutes Webdesign, das sowohl für eine leichte Orientierung
sorgt als auch ansprechend ist.
"Wenn ich im Web bin, sind es zwei Klicks maximal und ich bin beim direkten
Konkurrenzunternehmen und fühle mich da unter Umständen wohler",
so Mathieu.
Design fürs Web zu machen, ist eine neue und recht schwierige
Herausforderung. Anders als in den Printmedien und im Fernsehen
hat der Designer dabei nicht in der Hand, was und wie etwas beim Benutzer
erscheint. Denn das hängt von vielen Faktoren des Anwenders ab:
- Von dessen Hardware: Welche Grafikkarte benutzt er, wie groß
ist der Monitor, wie viel Arbeitsspeicher hat der Rechner?
- Von der Software: Mit welchem Browser (Marke, Version) ruft er die
Webseiten auf? Verfügt er über die nötigen Audio- und
Videoprogramme?
- Von den individuellen Einstellungen des Rechners: Hat er die Java-
und Grafikfunktionen aktiviert oder nicht? Welche Schriftgröße
hat er auf seinem Monitor eingestellt etc.
Einen allgemeinen Standard für das Gestalten und Empfangen
von Webseiten gibt es nicht.
Markus Mathieu, Art-Director des BR erläutert, wie er mit diesen
Schwierigkeiten umgeht. Will er komprimiert für den schnellen Gebrauch
die wichtigsten Nachrichten zusammenstellen, dann lässt er sich
auf keine grafischen Experimente ein, sondern konzentriert sich darauf,
die Inhalte möglichst schlicht zu präsentieren, damit auch
ein Rechner mit wenig Kapazitäten sie schnell laden kann.
Anders bei Unterhaltungsangeboten wie z.B. dem Herzblatt: Da
wird viel mit Farbe gearbeitet und mit lustigen Animationen und Videosequenzen
eine virtuelle Unterhaltungswelt geschaffen.
Die Hypertextstruktur, also die Möglichkeit, durch Links auf andere
Dokumente im Netz zu verweisen, erfordert auch neue Gestaltungsprinzipien
für Informationen im Netz. Um dem Benutzer Orientierung und einen
Überblick über das Informationsangebot zu verschaffen, muss
der Webdesigner vor allem für eine benutzerfreundliche Navigation
sorgen (mehr dazu: Kontrovers).
Bereits Schüler versuchen sich als Webdesigner; so etwa die Teilnehmer
des von Siemens ausgeschriebenen Wettbewerbs Join Multimedia.
Ein guter Webdesigner braucht allerdings – so Markus Mathieu – mehr
als ein gestalterisches Talent.
"Darüber hinaus muss er in komplexen Zusammenhängen denken
können und auch im Team arbeiten" – zusammen mit Redakteuren, Programmierern
–, er muss verstehen, worum es bei seinen Seiten geht und lernwillig
sein, "denn nicht nur das Medium ändert sich ständig, sondern
auch das Umfeld, in dem ich arbeite."