Medienkompetenz: 8. Propaganda und journalistische Ethik
Gast im Studio: Herbert Riehl-Heyse
Der 2003 verstorbene Journalist Herbert Riehl-Heyse war leitender Redakteur der Süddeutschen Zeitung.
Eigentlich hätte er nach seinem Staatsexamen in Jura auch Richter werden können. Doch der 1940 in Altötting geborene Jurist lebt seine Leidenschaft für eine gerechte Wahrheitsfindung offenkundig lieber in der Presse aus.
Profitieren davon können seit 1971 die Leser und die SZ.
Herbert Riehl-Heyse trug mit seinem so engagierten wie differenzierten
Journalismus wesentlich zum Erscheinungsbild dieses liberalen Blattes
bei. Obwohl er 1987 schließlich zum Chefreporter und stellvertretenden
Chefredakteur der SZ avanciert war, wechselte er 1989 überraschend
zum Stern. Als gleichberechtigter Chefredakteur (neben M. Jürgs)
arbeitete Riehl-Heyse indes nur 4 Monate bei dem Magazin und kehrte wieder
zur SZ zurück. Während er dafür nur persönliche Gründe
angibt, wusste die Welt am 1.11.89 zu berichten: "Gern auch als
Querdenker aktiv, war Riehl-Heyse kein Blattmacher, war ohne jeden ausgeprägten
Sinn für die optischen Wirkungen, ohne die ein Magazin wie der stern
im beinharten Konkurrenzkampf der Bilderblätter nicht bestehen
kann."
Volker Matthies befragt Herbert Riehl-Heyse zu den Themen Propaganda, PR
und Ethik im Journalismus
V. M.: "Man redet von Propaganda meist im historischen Kontext, heißt dass, das sich die Problematik heute nicht mehr stellt?"
H.R-H.: "Ich glaube, Propaganda ist ein Begriff, der in der Tat nur für
totalitäre und autoritäre Staaten passt. Goebbels hat (wie wir
gerade im Beitrag sahen) gesagt, da darf keine andere Idee propagiert
werden, wir haben alles in der Hand. Und so war es ja auch umgekehrt.
Die Kehrseite der Propaganda ist die Zensur: Da darf keine Zeile geschrieben
werden, die nicht vom Propagandaministerium gebilligt wird, da darf kein
Film gemacht werden, der nicht vom Propagandaministerium abgenommen ist.
Dies alles gibt es in einem Staat wie unserem Gott sei Dank nicht mehr.
Jetzt gibt es viele subtilere und auch weniger gefährliche Methoden,
Werbung zu machen, aber Propaganda nenne ich das nicht."
V. M.: "Wie nennen wir es aber heute, wenn ein Politiker oder Wirtschaftsführer seine Ideen durchbringen will?"
R.-H.: "Mit einem amerikanischen Wort: PR, Public Relations. Das ist
der Versuch, Verbindungen in der Öffentlichkeit herzustellen."
Das Verhältnis von Journalist und PR-Arbeit schildert Riehl-Heyse als
ein zwiespältiges: Einerseits können sich die Journalisten kaum
noch wehren gegen die Flut von Anrufen und Informationen, die von allerorts
aus den florierenden PR-Abteilungen auf sie zuströmen. Sie alle versuchen,
sich Gehör zu verschaffen, für ihre Idee, ihr Unternehmen, ihr
Programm zu werben, sich zu artikulieren. Und das ist für sie zunehmend
schwieriger geworden, z.B. für die Kirchen.
Andererseits sind Journalisten auf die PR-Informationen auch angewiesen.
Riehl-Heyse: "Es gibt ja oft genug Dinge, die Wert sind, mitgeteilt zu
werden." Die Kunst des Journalisten bestehe eben darin, diese herauszufinden,
bei all den Pressemitteilungen die Spreu vom Weizen zu trennen. "Aber
Propaganda würde ich sie nicht nennen."
V. M.: "Kann man darauf vertrauen, dass der moralische Zuschauer einfach abschaltet, wenn er etwas sieht, das die Würde des Menschen verletzt, wie Heinz Pürer in dem eingeblendeten Bericht meint?"
R.-H.: "Ich würde die Hoffnung des Professors hier nicht teilen,
dass sozusagen das an sich ethische Volk angewidert sich abwendet von
dieser unethischen Sache in den Zeitungen und dann diese Zeitungen oder
Fernsehstationen zugrunde gehen. Das stimmt ja alles leider nicht. In
Wahrheit ist es eben so, dass in jedem von uns bessere und schlechtere
Eigenschaften stecken. Eine der sicherlich schlechtesten Eigenschaften
ist die Neugier, der Voyeurismus, und den kann man bedienen. Und man kann,
das denke ich, dafür ist so eine Diskussion auch eben notwendig,
man kann aber den Leuten klar machen, dass sie ein schlechtes Gewissen
dabei haben müssten, wenn sie so voyeuristisch sind."
Wie die Leser und Zuschauer für einen besseren Journalismus sorgen können,
diese Tipps von Herbert Riehl-Heyse können Sie in der Zusammenfassung von
Folge 13 nachlesen.
|