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Propaganda im "Dritten Reich"
1933 wurden alle Medien in Deutschland dem von Joseph Goebbels geleiteten
Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda
unterstellt. Dies war laut Reichsschriftleitergesetz zuständig
"für alle Aufgaben der geistigen Einwirkung auf die Nation".
Alle Massenmedien und Einrichtungen wurden von nun an gleichgeschaltet,
zentral gelenkt und verwaltet, und hatten allein die Aufgabe, für
den nationalsozialistischen Staat, seine Kultur und Wirtschaft zu
"werben" (mehr dazu Folge 1 Fakten
und Dichter & Denker).
Das wichtigste Propaganda-Instrument der Nationalsozialisten war
das Radio.
Goebbels verkündete: "Der Rundfunk ist das modernste, ich darf
wohl auch sagen, das erfolgreichste Massenbeeinflussungsmittel. Der
Rundfunk gehört uns und niemandem sonst. Und den Rundfunk werden
wir in den Dienst unserer Idee stellen und keine andere Idee soll hier
zu Wort kommen."
Das war nicht zu viel versprochen. Das Radio sorgte ab 1933 für
die Verbreitung der nationalsozialistischen Ideologie: Die deutschen
Haushalte wurden mit Volksempfängern ausgestattet, vielen ehemaligen
Intendanten wurde gekündigt, einige kamen ins KZ. SS-Männer
beherrschten die Radio-Redaktionen, nur noch nazifreundliche Ansichten
durften gesendet werden. Den BBC oder andere "Feindsender" zu hören
war strengstens verboten (mehr dazu Fakten).
Am 1. September 1939, zu einer Zeit, als große Teile der indoktrinierten
Bevölkerung schon kaum mehr fähig waren, zwischen Wahrheit
und propagandistischer Lüge zu unterscheiden, brachte das Radio
die Falschmeldung, mit der der Überfall auf Polen, also der Beginn
des Zweiten Weltkriegs gerechtfertigt werden sollte: Polnische Truppen,
so hieß es, hätten den auf deutschem Gebiet liegenden Radiosender
Gleiwitz überfallen.
Während das Fernsehen technisch noch zu unterentwickelt war, um
als Massenmedium zu dienen, mobilisierte das Propagandaministerium auch
die gesamte Presse (allen voran das Hetzblatt Der Stürmer),
sowie Schriftsteller und Filmemacher für seine Zwecke. Die strikte
Zensur war die Kehrseite der Propaganda. Das Propagandaministerium bestimmte
nicht nur, was zu hören, zu sehen und zu lesen war, sondern auch,
was nicht. Inszeniert wurde die absolute Diffamierung und Ausgrenzung
aller Andersdenkenden bereits am 10. Mai 1933 durch die Bücherverbrennung:
Auf dem Königsplatz in München gingen – wie in vielen anderen
Hauptstädten auch – Bücher der Regimegegner in Flammen auf
(mehr dazu: Folge 1 Kästner).
- Journalismus und Ethik
Journalismus heißt zunächst einmal: etwas öffentlich
machen, etwas mittels Bild, Schrift, Wort und Ton vielen anderen zeigen,
andere mit etwas bekannt machen. Darin liegen sowohl die Chancen
als auch die ruinösen Abwege des journalistischen Berufs: Man kann
etwas einseitig zeigen, oder etwas so erscheinen lassen, wie es in Wahrheit
nicht ist, also lügen. Man kann etwas einseitig preisen und zur
Schau stellen, also für etwas werben, sei es für ein Unternehmen
oder eine Regierung, im Dienste einer demokratischen Partei oder auch
eines Gewaltsystems.
Man kann zudem etwas zeigen, was die Öffentlichkeit nichts angeht,
was in die Privatsphäre der gezeigten Menschen gehört, ihre
Persönlichkeitsrechte verletzt, und was nur die niedrige Neugier
und Schaulust des Publikums befriedigt. Letzteres wird vor allem bei
Gewaltdarstellungen jeglicher Couleur relevant, etwa bei Bildern von
Kriegs- und Terroropfern. Wird hier nicht die Menschenwürde der
Dargestellten verletzt?
Wo findet die Aufgabe des Journalisten, die Öffentlichkeit
zu unterrichten, eine Grenze?
Prof. Dr. Heinz Pürer vom Institut für Kommunikationsforschung
der LMU München betont:
"Hier ist gut zu überlegen, wie nah man an eine gezeigte Person
herangeht, ob sie möglicherweise noch persönlich zu erkennen
ist. Hier wird ein Journalist sicherlich auf die Distanz achten, gleichwohl
müssen Journalisten insbesondere über Kriege berichten, das
gehört zu ihrer öffentlichen Aufgabe."
Der Pressekodex soll vor den abwegigen Möglichkeiten des Journalismus
bewahren, etwa der einseitigen und verfälschenden Berichterstattung
und der Verletzung der Menschenwürde (mehr dazu: Nachgefragt).
Aber wie verbindlich sind diese ethischen Grundsätze in der Realität?
Die Geiselnahme von Gladbeck im Jahr 1988 zeigte drastisch, wie unwirksam
sie zuweilen sind: In ihrem Kampf um die heißeste Story mischten
sich die Reporter aktiv ins Geschehen ein, stellten die Geiselnehmer
fast als Helden des Tages zur Schau, behinderten die Polizei an ihren
Ermittlungen und wurden mitschuldig am Tod von zwei Menschen.
Die journalistische Ethik ist hier dem gnadenlosen Wettbewerb um
die beste Story zum Opfer gefallen, der Tatsache eben, dass Information
heute eine Ware ist und dass – vor allem bei den kommerziellen Sendern
– nichts anderes zählt als die Einschaltquote. Weil die öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten vom Wettbewerb nicht so abhängig sind, gelten
bei ihnen grundsätzlich strengere ethische Maßstäben
als bei den privatwirtschaftlichen Sendern, wo allein der Wettbewerb
und die Quote regieren.
Ethisch fragwürdig, wenn auch nicht mit derartig ruinösen
Folgen, waren auch zahlreiche Berichte über die Geiselnahme der
Familie Wallert auf der philippinischen Insel Jolo und über die
Opfer des Concorde-Absturzes im Jahr 2000.
Der Pressekodex ist insofern nur eine sinnvolle Richtschnur für
einen anständigen Journalismus, nicht aber sein Garant. Ob
sich ein Journalist an ihn hält und halten kann, hängt nach
Heinz Pürer von vielem ab: Welche Ausbildung der Journalist wo
genossen hat, für welche Redaktion er arbeitet etc. Nicht selten
werden aber gerade durch ethisch fragwürdige Methoden, durch "unlautere
Mittel in der Recherche", wie Pürer zu denken gibt, "politische
und ökonomische Skandale aufgedeckt." D.h. nichts anderes, als
dass der Informationsauftrag des Journalisten stets im potenziellen
Widerstreit zur journalistischen Ethik steht und ein stetes Abwägen
notwendig macht: Was ist noch erlaubt und was geht unter die Gürtellinie?
In diesem Prozess des ethischen Abwägens und Beurteilens ist
auch das Publikum gefragt, die Medienkonsumenten, denen ebenfalls
eine kollektive Verantwortung zuzusprechen ist. Heinz Pürer: "Das
Publikum hat ja die Möglichkeit, Produkte anzunehmen oder auch
abzulehnen. Publikumsethik ist dann angesprochen, wenn das Publikum,
nicht zuletzt aus ethischen Gründen, gewisse Medienprodukte zurückweisen
würde, soll heißen, was sich nicht verkauft, was nicht konsumiert
wird, hat am Markt auch keine Chance, sich durchzusetzten." (Mehr dazu:
Gäste.)
Jeder kann Beschwerde beim Presserat einlegen, wenn er durch
einen Bericht oder durch Bilder die Würde und die Persönlichkeitsrechte
von Menschen verletzt sieht. Weniger aufwändig, aber als Massenhaltung
wirksamer ist es, einfach abzuschalten. Konsumverweigerung ist auch
ein Widerstand gegen unethischen Journalismus.
- Prominenz und Öffentlichkeitsarbeit
Das deutsche Gesetz zum Schutze der Persönlichkeit räumt
allen Menschen das Recht ein, sich zu weigern, in den Medien dargestellt
zu werden. Ausgenommen sind Persönlichkeiten des öffentlichen
Interesses, Prominente.
Für sie gilt nur, dass sie nicht beleidigend oder obszön dargestellt
werden dürfen, und dass ihre Kinder nicht ständig ins Rampenlicht
gezerrt werden. Ansonsten haben sie nur eingeschränkte Möglichkeiten,
sich vor der Presse zu schützen. Das prominenteste Beispiel hierfür
ist wohl Prinzessin Diana. Ihr Tod entfachte eine heftige Debatte über
die Paparazzi. Diana schien Opfer einer besonderen Art der Menschenjagd
zu sein, des Jagdfiebers einer ganzen Horde von Fotografen.
Die Kehrseite der Medaille: Die Prominenten brauchen die Massenmedien.
Ohne Massenmedien keine Publicity. Sie brauchen die von Rundfunk
und Presse erzeugte Öffentlichkeit für gemeinnützige
Zwecke, etwa um – wie Peter Maffay – karitative Aktionen anzukurbeln.
Sie brauchen die Öffentlichkeit für ihre eigenen Zwecke, ihre
Karriere z.B.: Die Gagen von Schauspielern steigen, je öfter sie
in den Medien erscheinen. Sie brauchen die Medien schließlich
für ihre Popularität und als Streicheleinheiten für ihr
Ego.
Die einen akzeptieren den Ansturm der Journalisten – wie Iris Berben
– als "part of the game", als Spielregeln, auf die sie sich sehenden
Auges eingelassen haben, als sie die Bühne der VIPs betreten haben.
Andere, wie etwa Caroline von Monaco, klagen (letztere gegen die BUNTE
schließlich erfolgreich) gegen den Ansturm und die Indiskretion
einiger Journalisten.
Unterschiede sind auch bei den Journalisten und Fotografen zu machen:
Die einen beherrschen das Spiel und haben ein Gespür dafür,
wer wie weit sein Privatleben zum Besten geben will. Sie respektieren
die Grenzenlosigkeit der einen und die Grenzen der anderen und haben
Erfolg damit: Die Promis kommen gern zu ihnen, die einen, um sich zu
outen, die andern um sich durch Diskretion interessant zu machen.
Was wären unsere Prominenten ohne die Presse? Was wäre
die Presse ohne Prominente? Zwischen Presse und Prominenz herrscht
ein "Geben und Nehmen". So Günther Reisp, erfolgreicher Fotograf,
der das Jagen nicht mehr nötig hat, sondern mit seinen Prominenten
in aller Ruhe Termine ausmachen kann.
Nur gut, wenn man als Medienkonsument dieses lukrative Tauschgeschäft
durchschaut!