Medienkompetenz: 7. Verfälschung, Manipulation, Klischees
Zusammenfassung
"Wahrheit lässt sich nicht zeigen, nur erfinden." Mit diesem
Satz aus Max Frischs Tagebuch leitet Volker Matthies das Problem
ein, um das sich diese Sendung dreht: Es kommt zustande, wenn Journalisten
meinen, sie wären Künstler, d.h. sie dürften Wirklichkeit
erfinden, statt sie durch saubere Recherche zu finden und
möglichst zuverlässig wiederzugeben.
Themen
- Fälschung und Manipulation von Aussagen
- Fälschung und Manipulation von Bildern
- Konstruktion von Wirklichkeit: Klischees und
Soaps
- Fälschung und Manipulation von Aussagen
- Fälschung und Manipulation von Bildern
- Wir sind Augentiere, wir glauben, was wir sehen. Im Zeitalter
der digitalen Bildbearbeitung, durch die Wirklichkeit perfekt nachgebildet
und simuliert werden kann, sind wir der Täuschung noch stärker
ausgeliefert.
- Die verführerische Macht der Bilder begleitet uns von
Kindesbeinen an. Wer von etwas nur ein Bild hat, ohne es je real erfahren
zu haben, hält das Bild für das Reale: So kommt es vor,
dass Stadtkinder lila-gefleckte Kühe zeichnen.
- Die verführerische Macht von Fotos: Weil die Fotografie
– im Unterschied zur Malerei – als präzise Reproduktion des Wirklichen
gilt, eignet sie sich besonders zur Manipulation. Dies nutzte schon
Stalin gezielt aus: Er ließ unliebsame Personen aus seinen
repräsentativen Fotos herausretuschieren, damit sie aus dem öffentlichen
Bewusstsein verschwanden.
-
Mit der Manipulations- oder Montagtechnik spielen nicht nur viele Fotokünstler,
sondern auch die Sensationspresse. Das Problem bei letzterer ist:
Durch die Digitalisierung ist es kaum mehr möglich, den Wahrheitsgehalt
einzelner Bilder zu überprüfen, die Grenzen zwischen Original
und Fälschung sind fließend. Im Original hält unser
Bundeskanzler hier seine Ehefrau im Arm; durch digitale Bildbearbeitung
kann – wenn Sie die Maus über das Bild bewegen – aus ihr ganz
schnell Angelika Merkel werden.
- Dieselbe Möglichkeit zu lügen haben bewegte Bilder:
Wir lachen über den technisch einfachen Trick, durch den Tom
Hanks in Forrest Gump dem zur Drehzeit längst toten J.
F. Kennedy die Hand schüttelt. Aber bedrohlich wäre es,
wenn auch Nachrichtenfilme derart getürkt würden.
- Die technischen Möglichkeiten dazu stehen bereit, und der
Kampf der Medien um Exklusivität und Quote, als deren Opfer sich
der bekennende Fälscher Born versteht, tut das Seine, damit der
Markt der Fälschungen wächst.
- Konstruktion von Wirklichkeit: Klischees und
Soaps
Einblicke in unsere Daily Soaps, die Vorabendserien, die von 50
% der Mädchen zwischen 12 und 19 regelmäßig gesehen
werden:
- Der Stil dieser beliebten Soaps etablierte sich in den 80er Jahren
mit der Lindenstraße. Verbotene Liebe, wo sich alles
um Reichtum, Liebe und Freundschaft dreht, oder Marienhof,
wo irrwitzige Vorfälle und Krisen für stete Aufregung sorgen,
stehen heute ganz hoch im Kurs.
- Im modernen Singlemilieu (Marienhof) oder dem der Patchworkfamilien
und homosexuellen Lebensgemeinschaften (Verbotene Liebe) spielend,
bedienen sie längst nicht mehr das Klischee der heilen Familie.
- Stattdessen umso heftiger andere alte und neue Klischees: die attraktive
Frau, die spielend Familie und Beruf meistert, der erfolgreiche aufmerksame
Mann. Dazwischen tauchen die altbekannten Typen auf: die Verführerin,
der fiese Bösewicht, die Verständnisvolle, die nie nein
sagen kann, der Schüchterne mit seinen verschämten Reizen.
- Für den Soap-Macher "will die Serie realistisch sein"
und die Zuschauer emotional ergreifen mit Geschichten aus dem Alltag,
der ihnen vertraut ist. So Stephanie Heckner, Leiterin der Vorabendserien
der ARD.
- Für den Soziologen hingegen handelt es sich um "keine
Abbildung der Wirklichkeit", sondern um "eine Konstruktion von
Wirklichkeit" (Udo Göttlich). Propagiert werde den jungen
Zuschauern hier ein Lifestyle, der Fun verspricht und von materiellen
Werten geleitet wird – das ideale Umfeld für die, oder gar: das
Feld der Werbung schlechthin.
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