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Medienkompetenz:
6. Objektivität, Subjektivität, Wahrheitsgehalt

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Gast im Studio: Thomas Morawski

Thomas Morawski
Thomas Morawski, Jahrgang 1951, ist Auslandsreporter des Bayerischen Fernsehens und Sonderkorrespondent der ARD.

Der studierte Geschichts-, Politik- und Kommunikationswissenschaftler ist seit seinem 16. Lebensjahr als Journalist tätig. Seit 1976 arbeitet er für das Bayerische Fernsehen, vor allem als Krisenberichterstatter aus Nahost und dem Balkan.

Was ist das Erfolgsgeheimnis der Tagesschau? Dies wollte Volker Matthies im Telekolleg von dem ARD-Sonderkorrespondenten wissen.

"Das Erfolgsgeheimnis ist, dass wir uns die Arbeit ziemlich schwer machen." Die ARD hat ein weit gespanntes Netz von Korrespondenten in aller Welt, erläuterte Morawski. Hinter jedem Korrespondenten stehen zahlreiche andere Menschen, Übersetzer und viele Informanten, die stets auf ihre Glaubwürdigkeit überprüft werden müssen. Ständige Wachsamkeit und Kritikfähigkeit bei der Übermittlung von Informationen sind so anstrengend wie entscheidend für die ARD-Korrespondenten; sie gewährleisten die Verlässlichkeit der Berichterstattung.

Kann man im Krieg noch objektiv berichten? fragte Volker Matthies den erfahrenen Krisenberichterstatter. "Kaum, im Krieg kann man sich immer nur auf einer Seite der Front aufhalten", erläuterte Thomas Morawski. Mehr Objektivität könne man allein dadurch erreichen, dass man auch mal die Schauplätze wechsele und immer wieder versuche, auch die andere Seite zu Wort kommen zu lassen. Aber das wird den Korrespondenten oft nicht erlaubt, wie im Kosovo-Krieg. Da ihnen der Aufenthalt im Land von den Serben verboten wurde, konnten die Korrespondenten die andere Seite nur durch eine Analyse der serbischen Fernsehberichterstattung mit einbeziehen.

Ein weiteres Problem bei der Berichterstattung aus dem Krieg im Kosovo war:
Alles Bildmaterial wurde von einem der Kriegspartner, eben der NATO, geliefert. Das macht eine objektive Berichterstattung fast unmöglich.
Anhand einer eingeblendeten Reportage, die ihn bei seiner Arbeit als Sonderkorrespondent in einem Krisengebiet in Süd-Albanien 1996 zeigt, bringt Morawski im Gespräch mit Volker Matthies die Schwierigkeiten eines Krisenberichterstatters auf den Punkt:

"Es besteht immer die Gefahr, dass man konkreten politischen und militärischen Interessen auf den Leim geht. Dessen muss man sich ständig bewusst sein. Man ist immer Bestandteil eines Geflechtes von interessegeleiteten Informationen, die auf einen zuströmen."

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Stand: 03.07.2010