Medienkompetenz: 5. Analyse journalistischer Darstellungsformen
Zusammenfassung
Gast im Studio: Axel Buchholz
Themen:
- Ein Fernsehtag: Exemplarisches Zapping durch die Programme der öffentlich-rechtlichen und privaten Sender
- Demonstration journalistischer Darstellungsformen am Beispiel der Sendungen zu Queen Mums 100. Geburtstag
- Funktion und Definition journalistischer Darstellungsformen
1. Ein Fernsehtag
Im Schnitt können die Deutschen über 30 Fernsehprogramme empfangen,
die meisten laufen rund um die Uhr. Die Frage ist nur, ob die Masse an Programmen
auch Vielfalt verspricht. Das Telekolleg schaut genauer hin:
Ein verregneter Urlaubstag des Ehepaars Schauer vor dem Fernsehen zeigt die
unterschiedlichen Programmstrukturen der öffentlich-rechtlichen und
der privaten Fernsehprogramme.
Verglichen wird das Angebot von ARD, ZDF, PRO 7 und SAT 1. Das Ganze wird
analysiert von Udo Michael Krüger, Medienforscher am Kölner Institut
für Medienforschung IFEM.
- Seit sich die privaten Sender etabliert haben, hat sich das Talkshow-Angebot
nach O.M. Krüger verzwanzigfacht.
- Talkshows den ganzen Tag lang: Während es im Ersten vormittags z.B. ein
Programm für Kinder gibt, laufen bei RTL und SAT 1 Talkshows über Kinder,
verantwortungslose Väter- und Spielshows.
- Nach Krüger sorgen vor allem Hausfrauen für die hohen Einschaltquoten
der Shows.
- Immer mehr Beziehungs- statt Sachthemen beherrschen die Talkshows und Daily-Talks
auch am Nachmittag und Abend.
- Boulevardmagazine mit Reizthemen (Schicksal, Tierisches, Unglücke)
und Sendungen mit Sex und Crime beherrschen das Programm (auch der öffentlich-rechtlichen)
bis zum Abend, wohin man auch zappt.
- Erst ab 21 Uhr laufen sachbezogene und politische Hintergrundinformationen
im Fernsehen und zwar bei den öffentlich-rechtlichen Sendern, z.B.
im Auslandjournal des ZDF oder beim ARD-Magazin Monitor.
Das Fazit Krügers: Die Programmprofile der öffentlich-rechtlichen und kommerziellen Sender unterscheiden sich dadurch, dass erstens das Informationsangebot mehr als doppelt so groß ist.
Dabei werden zweitens, z.B. bei den Talkshows und den Nachrichten, die
Gewichte anders gesetzt: Es überwiegen bei den öffentlich-rechtlichen
Sendern die politikorientierten Themen und "hard news" vor den alltagsbezogenen
Beziehungsthemen und den "soft news".
Drittens ist der Anteil an Fiction und Werbung bei den kommerziellen
Sendern viel größer als bei den öffentlich-rechtlichen
(mehr dazu Folge 3 Fakten).
2. Demonstration journalistischer Darstellungsformen am Beispiel der Sendungen zu Queen Mums 100. Geburtstag
Gezeigt wird
- der Kurzbericht mit Ausschnitten über das Ereignis in den Nachrichten
der ARD
- der klassische Bilderbericht in den Nachrichten mit aktuellen Aufnahmen
- der Live-Bericht mit Live-Schaltung zum Reporter vor Ort, mit Statements
und Interviews von Zeitzeugen der Queen
- die ausführliche Dokumentation des Ereignisses, die quasi mit
dramatischen Elementen die Zuschauer fesseln muss.
Dasselbe Ereignis stellt sich im Boulevardmagazin "Brisant" anders dar:
Der Journalist bastelt einen bunten Beitrag aus Anspielungen auf die legendären Hutschachteln der Queen und Mutmaßungen darüber, wie viele Gläschen Gin die ehrwürdige Dame so alt werden ließen.
Eine "Renaissance der neuen Sachlichkeit" sieht indes Alexander von Sobeck heraufkommen.
Der Programmgeschäftsführer von Phönix, dem Ereignis- und Dokumentationskanal,
setzt nach wie vor auf das bewährte journalistische Handwerkszeug: das Interview,
das Statement und den Kommentar. Sie werden neben den Nachrichten, die in der
nächsten Folge gründlich analysiert werden, nach Sobeck "die Säulen
in einer Fernsehberichterstattung" bleiben.
3. Funktion und Definition journalistischer Darstellungsformen
Axel Buchholz analysierte im Gespräch mit Volker Matthies zwei kommentierende
Formen: einen exemplarischen Fernsehkommentar (mehr dazu Nachgefragt)
und eine Glosse über Gewaltdarstellungen im Film.
Die eingeblendete Glosse erzielt ihre beißende Kritik dadurch, dass sie
gezielt die Bilder mit extremen Gewaltszenen gegen den verharmlosenden Kommentar
über diese Bilder ausspielt.
Der Kontrast zwischen Text und Bild ist ein bewährtes Stilmittel
der Fernsehglosse. Die Glosse ist, darüber sind sich wohl alle
Journalisten einig, die schwierigste journalistische Darstellungsform.
Axel Buchholz: "Nicht jeder, der eine Meinung hat, kann daraus auch eine
Glosse machen."
(mehr zu den journalistischen Darstellungsformen
und zur Glosse)
|