BR-online (zur Startseite)
Bayerischer Rundfunk

BR-Navigation

Informationen Anmeldung Lernen Fächer Kollegtage Prüfungen Kommunikation
>
>
>
>
>
>
>
>
>
>
>

Medienkompetenz:
4. Internet - Nutzung und Informationsgewinn

Zusammenfassung Fakten Nachgefragt Dichter & Denker
Kontrovers Übung Literatur Links
zur Übersicht "Medienkompetenz"

Zusammenfassung

Gast im Studio: Professor Dr. Peter Schlobinski

Datenflut

Themen:

  1. Recherche im Internet
  2. Kommunikation im Internet
  3. Das Buch im Internet
  1. Recherche im Internet
    • Am häufigsten aufgerufen werden im weltweiten Netz die Suchmaschinen und Webkataloge, nicht etwa die Erotik-Sites.
    • Man unterscheidet zwischen Suchmaschinen, wozu Google, Altavista oder Fireball gehören, und Katalogen. Der berühmteste Katalog weltweit ist Yahoo, von dem auch eine deutsche Version vorliegt: Yahoo. Bekannt sind auch Lycos oder Dino-online.
    • Kataloge treffen eine Vorauswahl aus allen Dokumenten, die bei ihnen indiziert wurden. (Jeder, der will, dass seine Homepage gefunden wird, muss sie bei den relevanten Suchmaschinen und Katalogen anmelden). Diese Vorauswahl wird nach Themen und Sachgebieten gegliedert, die wiederum nach bestimmten Kategorien in differenzierte Verzeichnisse untergliedert sind. Durch das ausgeklügelte Verzeichnissystem können Kataloge wie Yahoo differenzierte Suchergebnisse zutage fördern.
    • Suchmaschinen wie Google oder Altavista durchsuchen das weltweite Netz der indizierten Dokumente im Volltextmodus. Ihr Vorteil gegenüber den Katalogen ist, dass sie nicht durch fixe Kategorisierungen filtern; sie verweisen per Link auf alles, was den gesuchten Namen oder Begriff enthält. Der Nachteil ist, dass sie meist zu viele Dokumente anzeigen und vor allem solche, die mit dem gesuchten Begriff nicht mehr viel zu tun haben.
    • Inzwischen gibt es so viele Suchmaschinen und -kataloge, dass es sich für eine Recherche lohnt, gleich eine Metasuchmaschine aufzurufen, die verschiedene Suchmaschinen und -kataloge aktiviert, z.B. Metager oder klug-suchen.
    • Für eine gezielte Recherche muss man sich vorher unbedingt eine klare Suchstrategie zurechtlegen und die Begriffe möglichst präzisieren, sonst verliert man sich leicht im gigantischen Informationspool des WWW.
    • Durch Kombination von Begriffen erzielt man die genauesten Treffer. Sucht man z.B. gezielt nach einem Sportverein für Kinder in München, dann verknüpft man alle drei Begriffe mit UND. Weiß man nicht so recht, ob man eine gesuchte Information über die Konzentration im Verlagswesen besser unter Verlagsfusionen oder Verlagskonzentrationen finden kann, verknüpft man beide Begriffe mit ODER, so dass man die Seiten mit beiden Kategorien erhält. Sucht man gezielt nach einem Eigennamen wie "Siemens AG" oder "Peter Schlobinski", dann kann man ihn bei vielen Suchmaschinen und Katalogen (z.B. bei Yahoo) einfach in Anführungszeichen setzen.
    • Welches Zeichen Sie für die beiden Verknüpfungsmodi (UND, AND, + bzw. ODER, OR etc.) eintippen oder anklicken müssen, geben die Suchmaschinen oder Kataloge jeweils an, das variiert. Die Operation und Logik der Suche ist aber immer dieselbe: Die Verknüpfung UND fördert die Schnittmenge aller Sites zutage, auf denen beide Begriffe vorkommen. Die Verknüpfung ODER zeigt die Vereinigungsmenge der Sites an, auf denen der eine oder andere gesuchte Begriff vorkommt.
    • Aber auch bei präzise eingeschränkten Begriffen gibt es oft so viele Treffer, dass man gar nicht weiß, wo anfangen. Dies demonstriert die Suche nach "Literaturkritik" mit Metager, die auch präzisiert mit "objektive Kriterien der ..." noch 50 Treffer meldet.
    • Hinter unscheinbaren Beschreibungen verstecken sich oft die solidesten und informativsten Sites und umgekehrt, viel versprechende Ankündigungen führen einen zu hohlem Gewäsch oder Werbung.
    • Das eigene kritische Urteilsvermögen ist bei der Internetrecherche noch mehr gefragt als bei der traditionellen Suche nach Information. Nicht zuletzt, weil oft nicht klar ist, wer mit welcher Kompetenz die Information ins Netz stellt.
    • Enttäuschend ist zuweilen, wenn sich nach langer Suche herausstellt, dass man sich doch per pedes zur Bibliothek bewegen muss, weil das gesuchte Buch oder der gesuchte Aufsatz (noch) nicht im Netz ist.

     

  2. Kommunikation im Internet
    • Internetcafe
      Das Internet wird als das Medium der Interaktivität gepriesen. Was hat es damit auf sich, welche Formen der Kommunikation generiert es? (mehr dazu: Kontrovers)
    • Eine Party der ganz anderen Art: Wer ins Münchener Night Flight kommt, betritt einen Raum, der vernetzt ist mit zahlreichen anderen Hallen Deutschlands. Da gilt es besonders aufs Outfit zu achten, möglicherweise schauen Millionen andere jetzt beim Tanzen zu!
    • Schauplatz Internet-Cafe: Heraklits Spruch "anwesend sind sie abwesend" scheint hier Realität geworden zu sein. Lauter Menschen, die mithilfe des Netzes mit lauter Abwesenden kommunizieren, anstatt miteinander.
    • Hilmar Hoffmann
      Für Hilmar Hoffmann, Präsident des Goethe-Instituts bergen die neuen Kommunikationsmöglichkeiten viele Gefahren:
      • dass unsere Kommunikation immer anonymer wird.
      • dass der Trend zur Kurzmittelung, zu Anglizismen und zu Symbolen unsere Sprache verändert und verhunzt.
      • dass die deutschen geisteswissenschaftlichen Werke untergehen im Netz, in dem das Angloamerikanische dominiert; Übersetzungen sind zu kostspielig.
      Trotz aller Gefahren für unser kulturelles Erbe, erblickt Hoffmann auch Chancen für die Kultur durch das Internet, man muss sie nur zu nutzen wissen und auf den Schulen lehren:
      • Wer etwas zu sagen und zu zeigen hat, dem bietet das Internet ein leicht zugängliches großes Forum.
      • Künstler können ihre Werke nun weltweit präsentieren und sich viel einfacher als früher miteinander austauschen.
      • Die virtuelle Welt bietet nicht nur ein gigantisches Angebot an Informationen, sie generiert auch neue Kunstformen: Stücke, die nur für das Netz geschrieben und live im Internet aufgeführt werden.

     

  3. Das Buch im Internet. Neue Freiheiten tun sich auf
    • Der Buchhandel im Internet (z.B. Libri) bietet allen Büchernarren rund um die Uhr Gelegenheit zum Schmökern, Stöbern und Bestellen.
    • Digitalisierte Bibliotheken, wie das in Deutschland nach amerikanischem Vorbild von Gunter Hille ins Leben gerufene Projekt Gutenberg, bieten Hunderte von Klassikern von Goethe bis Kafka zum Lesen und zum Herunterladen an. Damit machen sie zugleich die blitzschnelle Volltextsuche nach Zitaten und konkreter Information möglich.
    • Via Internet bekommen Sehbehinderte wieder die Möglichkeit, zu lesen: entweder durch enorme Vergrößerung der Schrift auf dem Bildschirm oder durch digitale Leseapparate.
    • Buchbörsen im Netz wie z.B. BoD - Libri Books on Demand bieten sowohl neue als auch vergriffene Bücher "on demand" an. Damit werden die traditionellen Verlags- und Vertriebsmühlen für Schriftsteller und Verbraucher umgangen. Das Angebot an Büchern übertrifft so noch das des aktuellen Buchmarkts.
    • Schriftsteller und solche, die es gerne werden wollen, können ihre Werke durch Buchbörsen oder selbst direkt im Netz verkaufen. So umgehen sie die Verlage, die sonst nicht nur den Kaufpreis bestimmen, sondern auch filtern, was erscheint.
    • Eine neue Freiheit zu schreiben und anders zu schreiben entsteht: Hypertext löst das lineare Kompositionsprinzip ab, Bilder, Töne, Videosequenzen, Animation, kurz multimediale Elemente ergänzen die Texte im Internet. Ein Beispiel bietet Susanne Berkenhegers Hyperfiction Zeit für die Bombe. Aber Vorsicht, benutzen Sie Netscape, der Internet-Explorer stürzt angesichts dieser Bombe leicht ab. Mehr dazu Susanne Berkenheger im Gespräch.
    • Die Hypertexte generieren auch ein anderes Lesen, denn der Leser bestimmt nun die Abfolge des Textes entscheidend mit. Ob dies das Lesen ruiniert, weil zerfasert, oder zum aktiven Verstehen befreit, darüber streiten sich die Geister (mehr dazu Dichter & Denker).

weiterGäste

 
Stand: 03.07.2010