Medienkompetenz: 3. Hörfunk und Fernsehen - Nutzung und Informationsgewinn
Zusammenfassung
Gäste im Studio: Barbara Sichtermann und Dr. Walter Flemmer
Themen:
- Hörfunk heute und morgen
- Bildung: der Auftrag der Dritten Fernsehprogramme
- Kultur: Wo wir sie im Fernsehen (nicht) finden
- Hörfunk heute und morgen
Kaum ein Medium scheint das schon 1913 formulierte berühmte Gesetz
des Altphilologen und Jornalisten Wolfgang Riepl besser zu bestätigen
als das Radio: Neue Kommunikationsmittel bringen die etablierten
alten nicht zum Verschwinden, sondern ergänzen sie in ihren Funktionen
und zwingen sie, sich auf ihre eigenen Stärken zu konzentrieren.
Heute hören die Bundesbürger wieder doppelt so lange Radio
wie 1960, als das Radio wegen des Fernsehens in eine Krise geriet. Die
tägliche Hördauer beträgt fast dreieinhalb Stunden (mehr
dazu Fakten) Das Radio hat die Krise überlebt,
allerdings verwandelt:
- An Schnelligkeit und Direktheit der Informationsübermittlung
ist das Radio bisher unübertroffen. Ein Pluspunkt, der in den
siebziger Jahren auch durch den neu eingerichteten Service aktueller
Verkehrsnachrichten zu einer Renaissance des Radios führte.
- Statt für alle ein abwechslungsreiches Programm zu bieten,
das nacheinander für jeden etwas bereithält, vervielfältigten
die elf Landesfunkanstalten ihr Programmangebot (siehe auch Fakten
Folge 1). Jeder Sender ist mit drei bis fünf unterschiedlichen
Programmen vertreten.
- Damit können zum einen verschiedene Hörergruppen und Interessen
gleichzeitig bedient werden, zum anderen gibt es neue Freiräume
für Experimente mit Sprache, Ton und Musik. Der Rundfunk ist
zum "Medium für Entdeckungen, für Phantasie im Kopf" geworden,
so Christoph Lindenmeyer, Leiter der Kulturabteilung des BR.
-
Experimentelle und traditionelle Hörspiele sind die Stärken
des Radios: Statt Bilder zu liefern, lässt es Bilder im Kopf
entstehen, stärkt die Konzentration und regt die Phantasie an.
Hier sehen wir, wie in Venedig Hörspielaufnahmen für die
prominenten Krimis von Donna Leon gemacht werden.
- Das kreative Kulturradio hat indes nach Lindenmeyer nur Zukunft,
wenn es sich den neuen Möglichkeiten weiterhin öffnet, insbesondere
denen des Internets. Dort haben sich bereits reine Webcasting-Stationen
etabliert, die den herkömmlichen Sendern mit Sendelizenz Konkurrenz
zu machen drohen.
- Die anbrechende Digitalisierung des Hörfunks, DAB (Digital
Audio Broadcasting), wird zu enormen Veränderungen führen:
Der Empfang via Satellit wird störungsfreier; niemand ist mehr
fixiert auf einen Programmablauf, sondern kann sich jederzeit und
überall nach Bedarf alle Informationen abrufen. Noch ist unklar,
wie das ökonomisch geregelt wird, will sagen: wer für was
an wen wie viel bezahlen muss.
- Bildung: der Auftrag der Dritten Fernsehprogramme
Die Bildungskatastrophe der 60er Jahre (mehr dazu Nachgefragt)
veranlasste die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten zur
Gründung der Dritten Fernsehprogramme: Der Bildungsauftrag stand
im Vordergrund.
-
Das damals ins Leben gerufene Telekolleg, das mit seinen vielfach
preisgekrönten Sendungen Zehntausenden von Zuschauern die Chance
bot, ihre Fachschulreife nachzuholen, demonstriert, wie die Dritten
mit viel Phantasie und Engagement den Bildungsauftrag erfüllten.
Hier Telekollegiaten der 60er Jahre, die sich alle drei Wochen mit
einem Lehrer trafen, um den Stoff gemeinsam aufzuarbeiten.
- Die Dritten Programme wurden seit Anfang der 70er Jahre nach und
nach zu Vollsendern ausgebaut. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt
von der Bildung weg zu einem breiten abwechslungsreichen Kulturangebot.
- Mit der Gründung des Bildungssenders BR-Alpha, der 1998 startete,
reagiert der Bayerische Rundfunk auf das gewandelte, doch keineswegs
geringere Bildungsbedürfnis in unserer zunehmend digitalisierten
Welt.
- Kultur: Wo wir sie im Fernsehen (nicht) finden
Die Suche nach Kultursendungen im Fernsehen fördert ernüchternde
Ergebnisse zutage: Der Anteil an Kultursendungen ist vor allem bei
den privaten Sendern erschreckend gering (mehr dazu Fakten).
- Kulturmagazine haben in der Regel ungünstige Sendeplätze.
- Es entsteht der (trügerische?) Anschein, dass die großen
öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten ARD und ZDF ihren Bildungsauftrag
mitsamt den quotenschwachen Kultursendungen an Arte und 3-sat abschieben,
die Nebenprogramme, an denen sie beteiligt sind.
- Die notorischen Fernseh-Kritiker der großen Feuilletons
verkennen in der Regel, wie schwierig der Balanceakt zwischen Niveau
und Quote für die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten
ist.
- Hinzu kommt der wachsende Druck durch die private Konkurrenz,
der zur Optimierung der öffentlich-rechtlichen Programme oder
aber auch zu deren Verfall beitragen kann (mehr dazu Kontrovers).
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