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Medienkompetenz:
2. Printmedien - Nutzung und Informationsgewinn

Zusammenfassung Fakten Nachgefragt Dichter & Denker
Kontrovers Übung Literatur Links
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Zusammenfassung

Gäste im Studio: Sigrid Löffler und Dr. Reinold Neven Du Mont

Themen:

  1. Das Zeitungs- und Zeitschriftenwesen von der Lizenzpresse bis zum Focus
  2. Die Fusionsbewegung im Verlagswesen: Auswirkungen auf den Buchmarkt
  3. Orientierung in der Bücherflut
  1. Das Zeitungs- und Zeitschriftenwesen von der Lizenzpresse bis zum Focus
    • Bereits 1945 begannen die Alliierten Lizenzen an Deutsche mit "politisch sauberer Weste" und mit unterschiedlicher Orientierung zu vergeben. Nach den verheerenden Erfahrungen mit der Nazipropaganda lautet die Grundforderung an das neue Pressewesen, Information und Meinung strikt zu trennen (mehr dazu Folge 5). Die kontrollierte Lizenzpresse sollte aus der ideologisch fehlgeleiteten Bevölkerung überzeugte Demokraten machen.
    • Ein Zeichen dafür setzte die Süddeutsche Zeitung: "Die ersten Druckplatten der SZ wurden am 6. Oktober 1945 aus dem eingeschmolzenen Originalsatz von Hitlers Mein Kampf gegossen." (50 Jahre Süddeutsche Zeitung. Katalog zur Ausstellung 1995 S.4)
    • Das Ideal der demokratischen Presse war fortan, als "vierte Gewalt" im Staat zu agieren und ein Gegengewicht zu Judikative, Exekutive und Legislative zu bilden. Sie wirkt an der öffentlichen Meinungsbildung mit, indem sie Nachrichten beschafft und verbreitet, Stellung nimmt und Kritik übt.
    • Die 68er-Generation sah die im Grundgesetz (Artikel 5) verankerte Pressefreiheit und damit die Demokratie gründlich aufs Spiel gesetzt. Hintergrund ihrer Proteste war die enorme Pressekonzentration: Seit Mitte der 50er Jahre erlagen immer mehr kleine Zeitungen und Verlage dem Wettbewerb mit den immer mächtigeren Konzernen (mehr dazu Fakten). Die Presse, so die 68er, könne unter diesen Umständen ihren aufklärerischen Anspruch nicht mehr erfüllen. Der Pluralismus der Meinungen stehe auf dem Spiel.
    • "Enteignet Springer" lautete die Losung der 68er.
    • Der Konzentrationsprozess im Bereich der Tageszeitungen stagniert inzwischen fast, die Marktanteile der Tagespresse sind unter den großen Konzernen verteilt. Obwohl dies für die Meinungsvielfalt nicht förderlich ist: Der Protest dagegen ist heute verstummt.
    • Erhebliche Bewegungen gibt es indes noch auf dem Zeitschriftenmarkt. Er hat sich derartig vervielfältigt, dass es kaum noch ein Interesse gibt, das noch nicht von einer Spezialzeitschrift bedient wird.
    • Genaue Marktanalysen erforschen die Wettbewerbslage und die Interessen und Gewohnheiten von Zielgruppen. Diese Arbeit der Marktforschungsinstitute fließt entscheidend in die Konzeption neuer Blätter ein, wenn sie ihr nicht gar vorausgeht.
    • Beispiel Focus. 1993 gelang es diesem Nachrichtenmagazin des Burdakonzerns, die 35-jährige Monopolstellung des Spiegel ins Wanken zu bringen. Ausgiebige Markt- und Zielgruppenanalysen gingen dem voraus. Herausgeber Helmut Markwort aber betont: Das publizistische Konzept war das Erste und Entscheidende: die Idee, einer "Info-Elite" keine langen Artikel, sondern "news to use" zu bieten.
    • Focus macht dem Spiegel weniger die Leser als die Anzeigenkunden streitig. Helmut Markwort: "Eine Zeitschrift lebt nicht nur vom Journalismus allein, jede Zeitschrift braucht Anzeigen, sie könnte natürlich auch ohne Anzeigen erscheinen, aber dann würde der Focus 15 Mark kosten zum Beispiel." (mehr dazu: Kontrovers)
    • Kritisch wird dieses Geschäft mit den Anzeigenkunden nach Andreas Lebert, Medienentwickler, wenn diese (zu viel) Macht über die Berichterstattung erhalten. Wenn sie bestimmen, welche Berichte gebracht oder nicht gebracht werden, oder wenn eine Redaktion aus Rücksicht auf ihre Anzeigenkunden bestimmte Informationen nicht bringt.

     

  2. Die Fusionsbewegung im Verlagswesen: Auswirkungen auf den Buchmarkt
    • Ein Ende der Konzentration ist bei den Buchverlagen immer noch nicht in Sicht, immer mehr kleine Verlage werden von den großen Verlagshäusern aufgekauft (mehr dazu Fakten). Branchenriesen wie Bertelsmann, Springer und Holtzbrinck machen es mittelständischen und kleinen Verlagshäusern schwer, literarische Experimente mit einem namenlosen Autor zu wagen.
    • Unternehmensberater trimmen die Verlage auf maximale Effizienz. All das führt dazu, dass es die jungen, noch unbekannten Schriftsteller heute besonders schwer haben. Das Marketing für No-name-Autoren ist viel aufwändiger als für bekannte: Innerhalb von sechs Monaten muss ein neues Buch sich durch teure Werbeaktionen und Rezensionen in prominenten Medien bewährt haben, sonst fällt es unweigerlich durch die nachdrängenden Neuerscheinungen der Vergessenheit anheim.
    • Matthias Praxenthaler
      Der studierte Betriebswirt und Buchautor Matthias Praxenthaler, Jahrgang 1971, hat diese Hürden des Verlagswesens erfolgreich umschifft: Er hat sein Erstlingswerk, Horst der Held, selbst verlegt. Seine Begründung:
      "Im Grunde war's so, dass ich mit dem Buch fertig war und dann habe ich mir überlegt, was machste? Es gab zwei Möglichkeiten, entweder an einen Verlag oder selber verlegen und ich fand das 'ne spannende Idee, dein eigenes Baby auf den Markt zu bringen und zu schauen, wie weit du kommst. Ich wollte keine perforierten Absagebriefe und wollte nicht den normalen Weg gehen. Außerdem habe ich mal BWL studiert und damit mal gleich ausprobiert, wofür das nutze war, habe ich das selber verlegt und bin auf die Straße gegangen."
      Heute bietet er sein Buch und andere Horst-Artikel auf seiner witzigen Homepage Praxvalley im Internet an.
    • Inzwischen ist Praxenthalers Opus bei dtv erschienen und steht in den Regalen der Buchhandlungen, die in Deutschland im Vergleich zum Ausland ein dichtes Netz bilden: Rund 5.000 Läden bringen die etwa 950.000 lieferbaren Titel an den Leser. Gesamtumsatz: mehr als 9 Milliarden Euro ((Zahl aktualisieren)).
    • Die Buchläden bekommen indes zunehmend Konkurrenz durch den Internetbuchhandel, dessen großes Angebot besonders junge Menschen nutzen. 1999 haben Anbieter via Internet einen Umsatz von rund 83 Millionen Euro erzielt.
    • Konkurrenz droht dem traditionellen Buchhandel auch durch das E-Book, das elektronische Buch. Im März 2000 hat zum Beispiel Stephen King eine Geschichte entgeltlich im Internet vertrieben. Experten gehen davon aus, dass die Stärken des elektronischen Buches vor allem bei Lexika und Sachbüchern zum Zuge kommen. Unwahrscheinlicher scheint es, dass es sich im Bereich der Belletristik durchsetzt.

     

  3. Der Buchmarkt
  4. Bücherflut im Hugendubel
    Auf der Frankfurter Buchmesse 2000 stieg die Zahl der Neuerscheinungen auf 91.407 an. Allein gut 7.500 neue belletristische Titel erscheinen pro Jahr. Wie soll man sich in dieser Bücherflut noch orientieren und ein gutes Buch finden? Das Telekolleg präsentiert ein paar Möglichkeiten:

    • Engagierte BuchhändlerInnen, ob in großen oder kleinen spezialisierten Buchläden, geben individuelle Tipps.
    • Buchbesprechungen im Radio, im Fernsehen oder in der Zeitung informieren über Neuerscheinungen.
    • Bestsellerlisten machen auf das aufmerksam, was gerade en vogue ist.
    • Verlage schicken auf Anfrage Broschüren über ihr Programm.
    • Man kann sich auch an bewährte Buchgemeinschaften halten, die Inhalt und Qualität garantieren. Regina Moths, Inhaberin von Literatur Moths, eines so kleinen wie engagierten Buchladens in München, empfiehlt z.B. die Büchergilde. In den 20er Jahren von der Gewerkschaft gegründet, bestimmt Qualität und nicht unbedingt die Bedienung des großbürgerlichen Geschmacks ihr Programm.

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Stand: 03.07.2010