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Medienkompetenz:
12. Wie orientiere ich mich in der Informationsflut?

Zusammenfassung Fakten Nachgefragt Dichter & Denker
Kontrovers Übung Literatur Links
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Zusammenfassung

"Zwar weiß ich viel, doch möchte’ ich alles wissen." Mit diesem Zitat aus Goethes Faust (mehr dazu Übung) leitete Volker Matthies die 12. Folge ein. Die Sendung beleuchtet, was der Weimarer Dichterfürst noch nicht ahnen konnte: dass die exponentiell steigende Flut von Informationen schon heute kaum mehr zu bewältigen ist.

Themen:

  1. Information und Zeit
  2. Orientierung in der Informationsflut
  3. Verweigerung. Alternativen zur Medienflut
  1. Information und Zeit
  2. Immer schneller wird uns immer mehr Information verfügbar, immer mehr Reize strömen unausgesetzt aus immer mehr Kanälen auf uns ein.

    Verschwindet das Wissen in dieser Datenflut? Welche Strategien sind nötig, um das zu verhindern?

    Tom Lamberty
    "Wir leben in einem hochspezialisierten Zeitalter, das gleichzeitig dabei ist, die klassischen Disziplinen aufzulösen. Wir werden an dieser Stelle auch neue Unsicherheiten kriegen, weil keine Grenzziehungen mehr möglich sind. Und wir werden das Zeitalter des Enzyklopädismus, wo sich ein allumfassendes Weltwissen in einer Person konzentriert, endgültig hinter uns lassen", prophezeit Tom Lamberty, Personalentwicklung Siemens.

    Zuverlässige Informationen sind das A und O jeglicher freier Entscheidungsfindung. Welche Informationen legen z.B. Topmanager ihren Handlungen zugrunde? Auf welche Weise bereiten sie sich auf wichtige Entscheidungen vor?

    Darüber bestehen laut Lamberty falsche Vorstellungen. "So als hätte ein Topmanager Heerscharen von Zuliefern – wie früher ein König Berater –, und als würde er seine Entscheidung auf dem Grunde wohl aufbereiteter Informationen gründen. Es scheint aber so zu sein, dass die Entscheidungen anders getroffen werden. Aufgrund einer zufälligen Lektüre im Flugzeug oder durch Gespräche. Die Entscheidungsfindung passiert offenbar weniger nachvollziehbar und weniger steuerbar als man das bisher dachte."

  3. Orientierung in der Informationsflut
  4. Die Redakteure von Presse und Hörfunk nehmen uns zum großen Teil die Entscheidung ab, welche Neuigkeit wichtig ist, und welche nicht. Von den Agenturmeldungen, die in den Redaktionen täglich eingehen, erreicht uns nur die Spitze:

    "Über die Agenturen kommen am Tag so etwa 2000 Meldungen aus ungefähr 100 verschiedenen Themengebieten. Davon bleiben im Nachrichtensender bestenfalls 15 übrig. Das heißt also, die Kunst des Nachrichtenmachens ist auch die des Wegwerfens", erläutert Günter Scharff, Nachrichtenredakteur beim Bayerischen Fernsehen.

    Weil die rapide anwachsende Informationsflut auch jede Menge Infomüll enthält, ist es zunehmend schwieriger geworden, gezielt an die gewünschte, vertiefende Information zu kommen. Da Journalisten und Redakteure von Haus aus im Auswählen und Wegwerfen geübt sind, spannen inzwischen viele Unternehmen Mediendienste ein, um die gewünschten Inhalte zu erhalten.

    Was den Umgang mit den neuen Medien so erschwert, ist, dass von außen kaum zu erkennen ist, was sie bieten. Walter Reithmayer, Medienexperte bei Siemens:
    "Ein in Leder gebundenes Buch vermittelt uns eine gewisse Wertigkeit. Eine CD, vielleicht sogar eine gebrannte, sagt uns von ihrem Aussehen her nichts: ist da Musik, ist da probehalber eine Demonstration von einem Spiel oder ist da ein wertvolles Lexikon drauf. Wir müssen lernen bei den neuen Medien die Wertigkeit zu erkennen und schnell auszusuchen."

    Wer sich orientieren und gezielt recherchieren will, sollte sich für alle Medien offen halten und von Fall zu Fall entscheiden, welches am effektivsten ist (mehr dazu: Fakten).

    Da Information noch lange nicht Wissen ist, sind Strategien gefragt, die einem helfen, die gefundenen Informationen in Wissen zu transformieren, d.i. zu strukturieren und sich anzueignen. Ulrich Müller, Privatdozent an der Universität Eichstätt, hat mit seinen Studenten eine fruchtbare Methode zur Strukturierung erprobt, das Mind-Mapping:
    Das ist eine Gehirnlandkarte, die zunächst recht unübersichtlich wirkt, aber organisch aufgebaut ist: wie ein in der Mitte der Krone durchschnittener Baum, auf den man von oben sieht. Das zentrale Thema bildet dabei den Stamm, fortführende Gedanken werden wie Äste platziert, die aus dem Stamm herauswachsen, sich verzweigen etc.
    "Diese Methode hilft einem, in einem Wissensgebiet die wichtigen Aspekte auszuwählen und Detailinformationen dann diesen Grundstrukturen zuzuordnen", so Ulrich Müller.

    Doch trotzt aller Strategien zur Auswahl, gezielter Suche und Strukturierung der Informationen, stößt unsere Aufnahmefähigkeit an Grenzen:
    "Nebenbei Informationen so aufzunehmen, dass sie auch hängen bleiben, das gelingt nur sehr partiell und sehr dürftig. Das heißt, wenn ich mir wirklich Zeit nehme und sage o.k., jetzt lese ich diesen Fachartikel, dann gehe ich da auch aktiv ran. Dann bleibt sicherlich viel mehr hängen, als wenn ich viele Dinge so nebenbei mache, parallel laufen lasse", erklärt Reinhilde Beck, Professorin für Sozialpädagogik in München. Man kann zwar jeden Artikel diagonal lesen, dabei womöglich noch im Radio Nachrichten hören und noch etwas drittes tun, aber das bringt nichts: "Das Gehirn nimmt auch Informationen viel besser auf, wenn ich entspannt und aufmerksam bin."

    Wichtig ist also, ein Gefühl dafür zu entwickeln, welche Informationen uns unentbehrlich sind. Dazu gehört auch: mal Pause machen, abschalten und der Abschied nehmen von der Illusion, dass wir Herr über die Informationsflut werden könnten (mehr dazu: Nachgefragt und Kontrovers).

  5. Paul Müller
    Verweigerung. Alternativen zur Medienflut
  6. Immer mehr Menschen hängen sich von morgens bis nachts gleich mit mehreren Kabeln (PC, Radio, Fernsehen, Telefon) an den Nabel der Welt, wie z.B. Paul Mülller. Er steht morgens mit Radiowecker auf, liest gleich zwei abonnierte Zeitungen beim Frühstück quer und lässt nebenbei das Radio dröhnen. Im Büro telefoniert er, während er gleichzeitig die Börsennachrichten liest und den PC bedient. Da fragt es sich doch, ob die Verweigerung der Medien nicht eine echte Alternative ist.

    Das Telekolleg besuchte Familie Bowler und ihre Nachbarn, Familie Schremp. Sie gehören zu den rund zwei Millionen Menschen in der BRD, die bewusst auf den Fernseh- und Internetkonsum verzichten. Ein Grund dafür ist die Angst, durch das Fernsehen Zeit zu verlieren, ein anderer Grund sind die Kinder.

    Lisa und Paul Bowler
    Frau Bowler: "Ich glaube, die Gefahr, dass die Kinder zu viel Fernsehen und damit unkreativ werden und verlernen zu spielen, ist größer als die Gefahr, dass sie später nicht lernen, mit dem Fernseher umzugehen."
    Familie wird bei den Bowlers großgeschrieben: Während andere allein surfen oder zappen, wird in der Familie gemeinsam gebastelt, gemalt und gelesen.

    Ein Besuch bei einem Fernseh- und PC-Kurierten: Michael Träupel weiß, warum er keinen Fernseher besitzt: Früher hat er über PC und Fernsehen seine Freundschaften und alles mögliche vernachlässigt. Heute lebt er mit seiner Freundin zusammen ohne Internet und Fernsehen. An Informationen mangelt es ihnen trotzdem nicht: Sie hören viel Radio und haben eine Tageszeitung abonniert. Auch an Vergnügen nicht: Wie sie, so bezeichnen die meisten Medien-Asketen ihr Leben ohne Fernbedienung als fröhlich und erfüllt.

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Stand: 03.07.2010