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Medienkompetenz:
11. Medienveränderung – gesellschaftliche Veränderung

Zusammenfassung Fakten Nachgefragt Dichter & Denker
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Zusammenfassung

Volker Matthies: "Mit der Zeit gehen, gerne. Aber wohin?" Das ist die große Frage, um die es in der 11. Folge geht. Sie nimmt die Medienveränderung in eins mit der gesellschaftlichen Veränderung näher unter die Lupe.

Gast im Studio: Dr. Petra Grimm

Themen:

  1. Der Yettie oder was man können muss, um in der New Economy gefragt zu sein
  2. Medienzukunft oder was aus unserer Identität und Arbeit wohl wird
  3. Zukünftiges aus dem Medienlabor oder die Digital-Nomaden
  1. Der Yettie oder was man können muss, um in der New Economy gefragt zu sein
  2. Yettie steht für young, entrepreneurial, tech-based, also für den jungen technikversierten Unternehmer. Stets flexibel und mobil, einfallsreich, teamfähig, schnell und arbeitswütig sollten die Yetties auch noch sein, eine 70-Stunden-Woche ist für sie normal.

    Yettie Peter Schmandt
    Einen Yettie finden wir z.B. in Peter Schmandt, der mit seinem jungen Team neue Werbestrategien für das Internet entwickelt. Er erklärt, wie seine Arbeit bzw. sein Leben aussieht:
    "Es ist eben kein Nine-to-five-Job, sondern man muss eben nicht nur Fragen stellen, sondern auch Probleme lösen – beides gehört zusammen – und nicht neue Probleme aufwerfen. Jeder ist für seinen Bereich verantwortlich. Und wenn man ein kleines Team ist, dann muss man sich aufeinander verlassen können und sich seiner Aufgabe richtig widmen. Und das bedeutet, Zeit und Leidenschaft zusammenzubringen und natürlich auch Professionalität."

    Immer mehr Schulen versuchen ihre Zöglinge auf die modernen Erfordernisse des Berufslebens, die der Yettie so vollendet zu verkörpern scheint, vorzubereiten: Auf Gruppendenken und Eigeninitiative und vor allem auf einen kompetenten Umgang mit PC und Internet.
    Die Gerhart-Hauptmann-Schule in München-Neuperlach etwa fördert gezielt beides: Die Schüler lernen hier in Streitschlichtergruppen Konfliktlösungsstrategien und am Computer die gezielte Informationssuche im Netz sowie die Sprache des WWW.
    Wo bleibt aber da die klassische Bildung? Ist sie überflüssig geworden?

    "Nein, überflüssig würde ich auf keinen Fall sagen. Im Gegenteil: Humanistische Ausbildung bedeutet, dass sich Grundkardinaltugenden Gültigkeit verschaffen lassen, und mir ist besonders wichtig, einen Sinn in meiner Arbeit zu sehen", meint Yettie Peter Schmandt. Der verbindet noch abends im Biergarten das Angenehme mit dem Nützlichen und verteilt seine Visitenkarten.

  3. Medienzukunft oder was aus unserer Identität und Arbeit wohl wird
  4. Wie der Mensch sich selbst und seiner Welt begegnet, dies wird sich durch die rasend schnelle, fast alle Bereiche umfassende, oder gar mit sich reißende Digitalisierung unserer Arbeits- und Lebenswelt verändern.

    Tom Lamberty
    Die Arbeitswelt wird künftig veränderte Anforderungen stellen: Vor allem interdisziplinäres, fächerübergreifendes Denken ist dann gefragt. Tom Lamberty von der Personalentwicklung der Siemens AG:
    "Es gibt heute immer noch einen hohen Spezialisierungsgrad. Es wird sicherlich eine Tendenz dazukommen, breiter zu generalisieren, dass die Leute auch im Sinne der Interdisziplinarität ein Überblickswissen bekommen und dann gegebenenfalls Spezialisten dazuholen können." Bei dem exponentiellen Wachstum unserer Wissensbestände komme es, so Lamberty vor allem darauf an, "dass die Leute in der Lage sind, in einer vernünftigen Weise damit umzugehen. Das heißt, sie werden zu Knowledge-Managern oder zu Wissens-Managern."

    Verspricht die moderne Verbindung von Mensch und digitaler Technik ein besseres Leben? Wir schauen uns einmal bei modernen Künstlern um, denn Künstlern eignete immer schon ein recht feines Gespür dafür, was kommt (mehr dazu: Dichter & Denker).
    Netzkünstler, die an dem Münchener Kulturprojekt Lothringer 13 arbeiten, experimentieren an Mensch-Maschine-Kreationen. Sie machen Online-Süchtige zu Objekten der Kunst.

    Die frühere Scheidung zwischen Kunst und Technik wird für die Netzkünstler obsolet. Sie benötigen für ihre Web-Auftritte viel technisches Know-how und können sich auch nicht mehr wie die früheren Künstler mit nur einem Medium – einem Botschaftsträger – begnügen , d.h. nur mit Farbe, nur mit Ton, nur mit Bildern und Grafiken oder nur mit Text.

    Dr. Julian Nida-Rümelin
    Oft schließen sie sich für ihre Projekte mit anderen Künstlern in Netzen zusammen und leben uns so bereits vor, was künftig für viele Menschen erforderlich wird:
    Nötig wird nach Julian Nida-Rümelin: "Kooperation, dass sich Menschen zusammensetzen und gemeinsam etwas entwickeln. Der Eine hat bestimmte technische Fähigkeiten, die andere nicht haben. Der Andere hat Ideen usw." Die Zusammenarbeit ist, so der ehemalige Kulturreferent Münchens und jetzige Staatsminister für Kultur, "auch im Hinblick auf Spartenübergreifendes wichtig. Dass Grenzen zwischen Bildender Kunst, Musik, Videokunst, Film, zum Teil sogar Literatur, fließend werden, ist – glaube ich – charakteristisch." D.h. es handelt sich nicht um eine vorübergehende Erscheinung, sondern um eine fällige Auflösung erstarrter Strukturen. Nida-Rümelin: "Darin steckt viel Faszinierendes, für manche auch Beängstigendes. Ich finde, das Faszinierende überwiegt."

    Umgekehrt wird auch von den Technikern künftig mehr "Künstlertum", mehr Kreativität verlangt: In unseren High-Tech-Betrieben wird die Differenz von Kunst und Technik immer kleiner: "Weil auch Techniker stärker aufgefordert werden, in Positionen oder Rollen reinzuschlüpfen, die genuin künstlerische Techniken erfordern: Kreativitätstechniken, Innovationstechniken usw.", so Tom Lamberty von Siemens. Da kann man ja mal gespannt sein, wohin uns diese geballte Innovationskraft der neuen Technologien und Medien bringt.

  5. Zukünftiges aus dem Medienlabor oder die Digital-Nomaden
  6. Mit UMTS wird’s möglich: Die Steckdosen und Kabel werden samt unseren fest installierten PCs bald dem mobilen drahtlosen Netz weichen. Was heute per WAP noch viel Geduld und Nachsicht kostet, nämlich das Abrufen von Internetseiten per Handy, das wird durch UMTS zum so mobilen wie virtuellen Vergnügen: Ob Videos, ob Datenbank-Infos oder E-Mails, in fünf Jahren werden uns die Schätze des WWW schnurlos, jederzeit und überall zur Verfügung stehen.
    "UMTS bietet die Flexibilität, einfach nicht ortsgebunden zu sein und auch auf meine Informationen oder irgendwelches Arbeitsmaterial auch später zuzugreifen, nicht nur von meinem Büro aus, sondern auch wenn ich zu Hause bin. Das sind natürlich Voraussetzungen, mit denen man umgehen muss, aber die das Leben flexibler und angenehmer gestalten können", erklärt Torsten Drzisga vom Siemens-Projekt UMTS.

    In unseren Medienlaboren wird noch kräftig an der Optimierung unseres flexiblen Daseins laboriert:
    Damit auch unsere Hände künftig frei bleiben, wenn wir unterwegs und zugleich im Netz sein wollen, integriert man die Schalt- und Bedienelemente der mobilen Geräte in Kleidungsstücke. Im Idealfall soll der moderne Anzug alle Geräte des Digital-Nomaden steuern.

    Auch die Universität Stuttgart versucht den Digital-Nomaden noch besser in Trab zu halten, und zwar in der "realen Welt": Mit einem mit Modem ausgestatteten Laptop kann der mobile Nutzer in einem "Nexus-System" via GPS (Global Positioning System) über Satellit alles über seine aktuelle Umgebung erfahren.
    "Wenn Sie den heutigen Informationsraum im Internet anschauen, dann ist es primär das World Wide Web. Und Sie haben heute im World Wide Web eigentlich keinen Ortsbezug. Das heißt, durch das Nexus-System bekommen Sie eine weitere Dimension, sie können Information, die wir heute im Netz haben, verknüpfen mit Örtlichkeiten. Das ist eine Erweiterung des Webs um die Dimension Ort" , erläutert Kurt Rothermel vom Lehrstuhl für Informatik an der Universität Stuttgart.

    Unterdessen sorgt Microsoft für "intelligentere" Suchmaschinen, damit sich der digitale Nomade künftig auch besser in der virtuellen Welt zurechtfindet. Informatiker laborieren zusammen mit Sprachforschern an neuen Suchmaschinen, "wo tatsächlich der Computer eine Art Metasprache – Objekt, Prädikat und Subjekt in einem Satz verstehen kann und dann natürlich viel, viel bessere Suchergebnisse liefert", verspricht Thomas Baumgärtner von Microsoft.

    Alles wird also künftiger noch einfacher und schneller zugänglich. Nur das Studieren der Gebrauchsanleitung unserer künftigen Geräte wird vermutlich noch ein bisschen mehr Zeit in Anspruch nehmen als bei den jetzigen. Das ist unvermeidlich, wie Dr. Sascha Vogel vom Lehrstuhl für Informatik der TU München sagt:
    "Da ist keine Entwicklung abzusehen, die sozusagen eine Vereinfachung mit sich brächte, die es einem ermöglicht, sich hinzusetzen und direkt eine Applikation zu nutzen."

    Sich hinsetzen? Nein wir wollen doch mobil bleiben, und ganz mobil und flexibel das Studium dieser mobilen Geräte auf uns nehmen, denn keiner weiß, was wir ohne sie alles verpassen!

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Stand: 03.07.2010