- Der Yettie oder was man können muss,
um in der New Economy gefragt zu sein
Yettie steht für young, entrepreneurial, tech-based, also
für den jungen technikversierten Unternehmer. Stets flexibel und
mobil, einfallsreich, teamfähig, schnell und arbeitswütig
sollten die Yetties auch noch sein, eine 70-Stunden-Woche ist für
sie normal.
Einen Yettie finden wir z.B. in Peter Schmandt, der mit seinem jungen Team
neue Werbestrategien für das Internet entwickelt. Er erklärt,
wie seine Arbeit bzw. sein Leben aussieht:
"Es ist eben kein Nine-to-five-Job, sondern man muss eben nicht nur
Fragen stellen, sondern auch Probleme lösen – beides gehört
zusammen – und nicht neue Probleme aufwerfen. Jeder ist für seinen
Bereich verantwortlich. Und wenn man ein kleines Team ist, dann muss
man sich aufeinander verlassen können und sich seiner Aufgabe richtig
widmen. Und das bedeutet, Zeit und Leidenschaft zusammenzubringen und
natürlich auch Professionalität."
Immer mehr Schulen versuchen ihre Zöglinge auf die modernen Erfordernisse
des Berufslebens, die der Yettie so vollendet zu verkörpern scheint,
vorzubereiten: Auf Gruppendenken und Eigeninitiative und vor allem auf
einen kompetenten Umgang mit PC und Internet.
Die Gerhart-Hauptmann-Schule in München-Neuperlach etwa fördert
gezielt beides: Die Schüler lernen hier in Streitschlichtergruppen
Konfliktlösungsstrategien und am Computer die gezielte Informationssuche
im Netz sowie die Sprache des WWW.
Wo bleibt aber da die klassische Bildung? Ist sie überflüssig
geworden?
"Nein, überflüssig würde ich auf keinen Fall sagen.
Im Gegenteil: Humanistische Ausbildung bedeutet, dass sich Grundkardinaltugenden
Gültigkeit verschaffen lassen, und mir ist besonders wichtig, einen
Sinn in meiner Arbeit zu sehen", meint Yettie Peter Schmandt. Der verbindet
noch abends im Biergarten das Angenehme mit dem Nützlichen und
verteilt seine Visitenkarten.
- Medienzukunft oder was aus unserer Identität
und Arbeit wohl wird
Wie der Mensch sich selbst und seiner Welt begegnet, dies wird sich
durch die rasend schnelle, fast alle Bereiche umfassende, oder gar mit
sich reißende Digitalisierung unserer Arbeits- und Lebenswelt
verändern.
Die Arbeitswelt wird künftig veränderte Anforderungen stellen:
Vor allem interdisziplinäres, fächerübergreifendes Denken
ist dann gefragt. Tom Lamberty von der Personalentwicklung der Siemens
AG:
"Es gibt heute immer noch einen hohen Spezialisierungsgrad. Es wird
sicherlich eine Tendenz dazukommen, breiter zu generalisieren, dass
die Leute auch im Sinne der Interdisziplinarität ein Überblickswissen
bekommen und dann gegebenenfalls Spezialisten dazuholen können."
Bei dem exponentiellen Wachstum unserer Wissensbestände komme es,
so Lamberty vor allem darauf an, "dass die Leute in der Lage sind, in
einer vernünftigen Weise damit umzugehen. Das heißt, sie
werden zu Knowledge-Managern oder zu Wissens-Managern."
Verspricht die moderne Verbindung von Mensch und digitaler Technik
ein besseres Leben? Wir schauen uns einmal bei modernen Künstlern
um, denn Künstlern eignete immer schon ein recht feines Gespür
dafür, was kommt (mehr dazu: Dichter & Denker).
Netzkünstler, die an dem Münchener Kulturprojekt Lothringer
13 arbeiten, experimentieren an Mensch-Maschine-Kreationen. Sie
machen Online-Süchtige zu Objekten der Kunst.
Die frühere Scheidung zwischen Kunst und Technik wird für
die Netzkünstler obsolet. Sie benötigen für ihre
Web-Auftritte viel technisches Know-how und können sich auch nicht
mehr wie die früheren Künstler mit nur einem Medium – einem
Botschaftsträger – begnügen , d.h. nur mit Farbe, nur mit
Ton, nur mit Bildern und Grafiken oder nur mit Text.
Oft schließen sie sich für ihre Projekte mit anderen Künstlern
in Netzen zusammen und leben uns so bereits vor, was künftig für
viele Menschen erforderlich wird:
Nötig wird nach Julian Nida-Rümelin: "Kooperation, dass sich
Menschen zusammensetzen und gemeinsam etwas entwickeln. Der Eine hat
bestimmte technische Fähigkeiten, die andere nicht haben. Der Andere
hat Ideen usw." Die Zusammenarbeit ist, so der ehemalige Kulturreferent
Münchens und jetzige Staatsminister für Kultur, "auch im Hinblick
auf Spartenübergreifendes wichtig. Dass Grenzen zwischen Bildender
Kunst, Musik, Videokunst, Film, zum Teil sogar Literatur, fließend
werden, ist – glaube ich – charakteristisch." D.h. es handelt sich nicht
um eine vorübergehende Erscheinung, sondern um eine fällige
Auflösung erstarrter Strukturen. Nida-Rümelin: "Darin steckt
viel Faszinierendes, für manche auch Beängstigendes. Ich finde,
das Faszinierende überwiegt."
Umgekehrt wird auch von den Technikern künftig mehr "Künstlertum",
mehr Kreativität verlangt: In unseren High-Tech-Betrieben wird
die Differenz von Kunst und Technik immer kleiner: "Weil auch Techniker
stärker aufgefordert werden, in Positionen oder Rollen reinzuschlüpfen,
die genuin künstlerische Techniken erfordern: Kreativitätstechniken,
Innovationstechniken usw.", so Tom Lamberty von Siemens. Da kann
man ja mal gespannt sein, wohin uns diese geballte Innovationskraft
der neuen Technologien und Medien bringt.
- Zukünftiges aus dem Medienlabor
oder die Digital-Nomaden
Mit UMTS wird’s möglich: Die Steckdosen und Kabel werden
samt unseren fest installierten PCs bald dem mobilen drahtlosen Netz
weichen. Was heute per WAP noch viel Geduld und Nachsicht kostet, nämlich
das Abrufen von Internetseiten per Handy, das wird durch UMTS zum so
mobilen wie virtuellen Vergnügen: Ob Videos, ob Datenbank-Infos
oder E-Mails, in fünf Jahren werden uns die Schätze des WWW
schnurlos, jederzeit und überall zur Verfügung stehen.
"UMTS bietet die Flexibilität, einfach nicht ortsgebunden zu sein
und auch auf meine Informationen oder irgendwelches Arbeitsmaterial
auch später zuzugreifen, nicht nur von meinem Büro aus, sondern
auch wenn ich zu Hause bin. Das sind natürlich Voraussetzungen,
mit denen man umgehen muss, aber die das Leben flexibler und angenehmer
gestalten können", erklärt Torsten Drzisga vom Siemens-Projekt
UMTS.
In unseren Medienlaboren wird noch kräftig an der Optimierung
unseres flexiblen Daseins laboriert:
Damit auch unsere Hände künftig frei bleiben, wenn wir unterwegs
und zugleich im Netz sein wollen, integriert man die Schalt- und Bedienelemente
der mobilen Geräte in Kleidungsstücke. Im Idealfall soll der
moderne Anzug alle Geräte des Digital-Nomaden steuern.
Auch die Universität Stuttgart versucht den Digital-Nomaden noch
besser in Trab zu halten, und zwar in der "realen Welt": Mit einem mit
Modem ausgestatteten Laptop kann der mobile Nutzer in einem "Nexus-System"
via GPS (Global Positioning System) über Satellit alles über
seine aktuelle Umgebung erfahren.
"Wenn Sie den heutigen Informationsraum im Internet anschauen, dann
ist es primär das World Wide Web. Und Sie haben heute im World
Wide Web eigentlich keinen Ortsbezug. Das heißt, durch das Nexus-System
bekommen Sie eine weitere Dimension, sie können Information, die
wir heute im Netz haben, verknüpfen mit Örtlichkeiten. Das
ist eine Erweiterung des Webs um die Dimension Ort" , erläutert
Kurt Rothermel vom Lehrstuhl für Informatik an der Universität
Stuttgart.
Unterdessen sorgt Microsoft für "intelligentere" Suchmaschinen,
damit sich der digitale Nomade künftig auch besser in der virtuellen
Welt zurechtfindet. Informatiker laborieren zusammen mit Sprachforschern
an neuen Suchmaschinen, "wo tatsächlich der Computer eine Art Metasprache
– Objekt, Prädikat und Subjekt in einem Satz verstehen kann und
dann natürlich viel, viel bessere Suchergebnisse liefert", verspricht
Thomas Baumgärtner von Microsoft.
Alles wird also künftiger noch einfacher und schneller zugänglich.
Nur das Studieren der Gebrauchsanleitung unserer künftigen Geräte
wird vermutlich noch ein bisschen mehr Zeit in Anspruch nehmen als bei
den jetzigen. Das ist unvermeidlich, wie Dr. Sascha Vogel vom Lehrstuhl
für Informatik der TU München sagt:
"Da ist keine Entwicklung abzusehen, die sozusagen eine Vereinfachung
mit sich brächte, die es einem ermöglicht, sich hinzusetzen
und direkt eine Applikation zu nutzen."
Sich hinsetzen? Nein wir wollen doch mobil bleiben, und ganz mobil
und flexibel das Studium dieser mobilen Geräte auf uns nehmen,
denn keiner weiß, was wir ohne sie alles verpassen!