Medienkompetenz: 1. Medien im gesellschaftlichen und historischen Kontext
Zusammenfassung
Die erste Sendung gibt einen Überblick über die Geschichte der Massenmedien von Gutenberg bis heute und wagt einen Ausblick auf die veränderte Medienlandschaft von morgen.
Themen:
- Ein Meilenstein auf dem Weg zur modernen Kommunikationsgesellschaft:
Johannes Gutenbergs Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern
Die neue Drucktechnik veränderte die Welt:
- Die Alphabetisierung immer breiterer Volksschichten wird in Gang
gesetzt.
- Die Reformationsbewegung wird zur Massenbewegung.
- Flugblätter und Flugschriften, sowie ab 1609 Wochen- und Tageszeitungen
führen zu einem Wandel der Öffentlichkeit (mehr dazu: Wandel).
- Vom modernen Musikprogramm der Goldenen 20er zum Informationsdschungel
heute
Geschichte des Radios in Deutschland:
- Mit Ausschnitten aus den regionalen Radioprogrammen der Weimarer
Zeit fängt es an.
-
Albert
Einstein begrüßt bei der Funkausstellung 1932 das neue
Medium. Seine Rede wendet sich an die Anwesenden und die zugeschalteten
abwesenden Hörer zugleich: "Verehrte An- und Abwesende. Wenn
ihr den Rundfunk höret, so denkt auch daran, wie die Menschen
in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeugs gekommen sind. Der Urquell
aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier
und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und
nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders."
- Das ruinöse Potenzial des Massenmediums Rundfunk unter einer
Diktatur kommt ab 1933 zum Tragen: Joseph Goebbels macht den Rundfunk
zur mächtigsten staatlichen Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten.
- Von 1945 bis 1949 bauen die Alliierten (mehr dazu: Nachgefragt)
die Rundfunksender regional wieder auf. Sie wollen Goebbels
Propaganda-Instrument vor allem dezentralisieren. Der spätere
NWDR, der BR, der HR, der SWR, RB und SWF werden zunächst als
Militärregierungssender gegründet und lizenziert. Damit
legen die Alliierten den Grundstein für die öffentlich-rechtlichen
Rundfunkanstalten wie sie trotz aller veränderten Zusammensetzung
und Programmvielfalt bis heute existieren.
- 1950 gründen der NWDR, der BR, der HR, der SWR , RB und
SWF die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
der Bundesrepublik Deutschland (ARD) (mehr dazu: Fakten).
- Mit den ersten "Kabelpilotprojekten" löst sich ab 1984 die
Monopolstellung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten
auf. Das "duale Rundfunksystem", das Nebeneinander von öffentlich-rechtlichen
und privaten Rundfunksendern entsteht.
- Heute scheint der Informationsdschungel perfekt zu sein. Im Internet,
wo keine Sendelizenz nötig ist, machen sich neben den privaten
und öffentlich-rechtlichen Radioprogrammen zusätzlich reine
Webcasting-Stationen breit.
- Vom Lachen über den bellenden Hund zum Teleflaneur.
Entscheidende Stationen in der Geschichte des Fernsehens von 1935 bis
heute
- Der erste regelmäßige Fernsehprogrammdienst beginnt
als Versuch in Berlin 1935. Ursula Paschke bringt mit einem bellenden
Hund die Zuschauer zum Lachen.
- 1936 wird mit großem Aufwand die Olympiade übertragen.
Im Krieg stagniert die Weiterentwicklung des Mediums.
- Von seinem Hamburger Hochbunker aus strahlt der NWDR 1948 die
ersten Fernsehsendungen aus.
- Pünktlich zu Stalins 73. Geburtstag wird am 21.12.1952 in
der DDR die "Aktuelle Kamera", die erste öffentliche Nachrichtensendung,
ausgestrahlt.
- Das Gemeinschaftsprogramm der ARD, das Erste Deutsche Fernsehen
geht am 1. November 1954 auf Sendung.
- Zwischen 1957 und 1965 verzehnfacht sich die Zuschauerzahl in
der BRD auf 10 Millionen.
-
Auch in der DDR überschreitet das Fernsehen 1960 bereits die Millionengrenze.
Durch die offensichtliche ideologische Einfärbung verliert die
Berichterstattung der staatlichen Fernsehanstalt an Glaubwürdigkeit.
Fernsehspiele und Unterhaltungssendungen mit Kabaretteinlagen, wie
die von Heinz Quermann ins Leben gerufene Sendung "Da lacht der Bär",
erfreuen sich wachsender Beliebtheit.
- 1963 geht das ZDF auf Sendung.
- Mit dem Anspruch, den Bildungsauftrag wahrzunehmen, starten
1964 die Dritten Programme der ARD, als erstes der BR.
- Das Farbfernsehen wird 1967 offiziell vorgestellt.
- In den 80er Jahren machen die privaten Fernsehsender den öffentlich-rechtlichen
Fernsehanstalten den Markt streitig. Das TV-Programm wird schriller,
hektischer und voyeuristischer.
- Im Herbst 1989 beweisen die staatlichen Rundfunksender der DDR
noch einmal ihre Linientreue: Die Fernsehsender verschweigen die
Protestbewegungen im Land oder geben sie verzerrt wieder (mehr dazu:
Übung).
- Am 31.12.1991 verabschiedet sich das DDR-Fernsehen, nur einzelne
Serien wie der "Polizeiruf 110" überleben die Wende.
4000 Mitarbeiter des DFF werden in der Wendezeit entlassen.
- Zum Schluss eine ambivalente Impression: Der zappende Zuschauer
als "Teleflaneur". Ist er auf der Suche nach bloßer Zerstreuung
oder ist er seinem individuellen Programm auf der Fährte in dieser
schönen neuen, vielseitigen Fernsehwelt, die für jeden jederzeit
etwas zu bieten hat?
- Ausblick auf die Medienlandschaft von morgen
- Computer, Internet, E-Mail ersetzen immer häufiger Tinte,
Papier und alle traditionellen Spielarten der Informations- und Wissensvermittlung.
Wie soll das weitergehen?
- Dr. Helmuth Steckenbiller, Abteilungsleiter der Fraunhofer-Einrichtung
für Systeme der Kommunikationstechnik in München blickt
in die Zukunft. "Mobilität und Interaktivität" sind für
ihn die Faktoren, die die Entwicklung der Kommunikation im 21. Jahrhundert
so grundlegend verändern werden, dass "wir uns heute noch gar
nicht vorstellen können", was es alles geben wird.
- Von beiden Entwicklungsfaktoren gibt das Internet einen Vorgeschmack:
Mobilität heißt: Jeder kann sich zu jeder Zeit und
an jedem Ort die Informationen beschaffen, die er braucht. Niemand
ist mehr angewiesen und fixiert auf ein vorgegebenes Programm, das
ihm zu fremdbestimmten Zeiten etwas anbietet.
Interaktivität findet nicht nur beim Chat im Netz statt
– eine neue Kommunikationsform, die nach Steckenbiller die Menschen
weniger vereinsamt als der passive und rein rezeptive Konsum von Fernsehen.
Interaktivität findet schon statt im individuellen Umgang
mit und in dem globalen Austausch von Datenmaterial: Jeder kann
nach Belieben und Bedarf aus dem schier endlosen Datenpool selektieren,
sich etwas ausschneiden, kopieren, neu zusammenstellen und all dies
wieder ins globale Netz stellen.
- Trotz der immens wachsenden Bedeutung des elektronischen Austausches
ist der Zukunftsforscher Steckenbiller zuversichtlich: Auch in Zukunft
werden "alle wichtigen Abschlüsse und Geschäfte immer
noch persönlich geführt." Wenn es wirklich um etwas
geht, werden Videokonferenzen und Internet den unmittelbaren persönlichen
Kontakt also nicht ersetzen.
- Fragt sich nur, ob wir bis dahin den "persönlichen Kontakt"
über lauter elektronischem Austausch nicht verlernt haben. Die
weiteren Folgen sollen helfen, darauf eine Antwort zu finden.
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