Literaturkompetenz: 35. Lyrik heute
Literatur
Volker Hage (Hg.). Lyrik für Leser. Deutsche Gedichte der 70er Jahre.
Stuttgart 1980. Christoph Meckel, Peter Handke, Rolf Dieter Brinkmann,
Wolf Biermann und Hans Magnus Enzensberger sind die prominentesten Autoren,
die in dieser repräsentativen und trefflich eingeleiteten Anthologie
der 70er Jahre vertreten sind. Aber es gibt hier auch unbekanntere Lichter
zu entdecken.
Christoph Buchwald und Ludwig Harig. Jahrbuch der Lyrik 2001. München
2001. "Die aktuelle deutschsprachige Poesie singt und klingt in
einer Vielfalt und Formenfülle, daß es eine Freude ist",
schreibt der engagierte Lektor Christoph Buchwald und sein Jahrbuch
der Lyrik 2001 zeigt, wie recht er hat. Seit 1979 gibt er bei C.H. Beck
gemeinsam mit einem wechselnden Dichter jährlich das Jahrbuch der
Lyrik heraus. 100 neue, bislang unpublizierte Gedichte von Debütanten
wie auch von bekannten Dichtern (im Jahrbuch 2001 sind u.a. Kunert, Rühmkorf,
Mayröcker und Brendel vertreten) geben einen guten Einblick in die
zeitgenössische Lyrikszene. Da die nicht mehr im eigenen Saft schmort,
sind im Jahrbuch 2001 auch ein paar Kostproben von polnischen und amerikanischen
Kollegen vertreten.
Gottfried Benn. Probleme der Lyrik. in: ders. Das Hauptwerk. 4 Bände.
Wiesbaden und München 1959ff. Bd. 2, S. 317-355. Diese grundlegende
Schrift zur modernen Lyrik prägte entscheidend die Produktion und
Rezeption der deutschsprachigen Lyrik nach dem Zweiten Weltkrieg.
Ernst Jandl. Laut und Luise. Stuttgart 1976. An diesen herrlich mit
der Sprache spielenden, aber dabei niemals in bloßen Nonsens abdriftenden
Gedichten können Sie bestens Ihre Artikulationskünste trainieren. Lesen
Sie die Gedichte laut, dann erschließen sie sich Ihnen.
Raoul Schrott. Tropen. Über das Erhabene. München
1998. Tropen der Titel ist Programm dieser beeindruckenden Gedichtsammlung.
Denn Tropen heißt "1. Zone beiderseits des Äquators zwischen
den Wendekreisen. 2. bildliche Ausdrucksweisen; Worte, die im übertragenen
Sinn gebraucht werden; Stil und Denkfiguren der Poesie" (Schrott).
Schrotts Tropen bringen die Gegensätze zusammen, Geologisches, Naturwissenschaftliches
und Gegenwärtiges erscheint in Wendungen des vergangenen Mythischen
und Poetischen und umgekehrt.
Robert Gernhardt. Lichte Gedichte. München 1997. Seit Mitte
der 80er Jahre hat sich der geistreiche Nonsens-Dichter dem Megasinn zugewandt:
den traditionellen Themen der Lyrik wie Liebe, Ich, Natur und Kunst. Das Bestechende
daran ist, dass er dabei seinen heiteren Sinn bewahrt hat, was selbst der nun
hervortretenden Erdenschwere und Ernsthaftigkeit eine verblüffende Leichtigkeit
verleiht.
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