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Ursprung der Sternbilder - von der Antike bis heute

Sterne bilden am Himmel so auffällige Gruppierungen, dass sie schon seit Langem zu Sternbildern zusammengefasst werden. Diese Figuren haben nichts mit einer physikalischen Zusammengehörigkeit der jeweiligen Sterne zu tun, die oft Hunderte von Lichtjahren voneinander entfernt sind. Doch weil sie am Firmament scheinbar nahe beieinander liegen, finden sich erste Zeichnungen von Sternbildern schon in frühzeitlicher Höhlenmalerei.

altes nautisches Instrument nach dem Prinzip von Ptolemäus
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Nautisches Instrument

Sterne - Führer am Himmel

Viele Kulturen erkannten schon früh eine wichtige Rolle der Sternbilder: Mit ihrem steten Auftauchen zu bestimmten Jahreszeiten sind sie ein idealer Kalender, etwa für Aussaat und Ernte. Und auch der Zusammenhang mancher Sternbilder mit den Bahnen von Sonne, Mond und Planeten ist von alters her bekannt: Die Babylonier benannten vor über 4000 Jahren bereits die ersten Tierkreisbilder. "Waage" und "Skorpion" finden sich auch auf sumerischen Keilschrifttafeln, die vor 2200 v. Chr. entstanden. Auch zur Navigation dienten die Sternbilder lange Zeit: Seefahrer nutzten früher die Sterne, um sich zu orientieren. Nautische Instrumente machten es möglich, aus der Position der Gestirne die eigene zu ermitteln.

Griechische Gestalten am Firmament  

Ptolemäus und Aristoteles (Kupferstich)
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Ptolemäus mit Kollegen

In der griechischen Antike wurde astronomisches Wissen gesammelt, erweitert und vor allem verbreitet. Und damit auch Sternbilder: Etwa 150 n. Chr. veröffentlicht Ptolemäus einen Katalog mit Sternbildern. 48 von ihnen sind noch heute gültig, allerdings sehen sie etwas anders aus. Daher tragen so viele Sternbilder Namen aus der griechischen Mythologie, wie Kassiopeia und Perseus. Die ptolemäischen Sternbilder wurden sogar von arabischen Astronomen übernommen. Später gelangten die Sternbilder durch Übersetzung in die lateinische Welt und wurden von dort ins europäische Mittelalter weitergereicht. Eine so weite, lange Reise hinterlässt natürlich Spuren: Die verschiedenen Herrscher und Kulturen fügten immer wieder neue Sternbilder hinzu, von denen viele auch wieder verschwanden. Etwa der "Thron des Caesar", den der römische Kaiser Augustus an den Himmel setzte.

Astronomische Uhr von 1580 am Heilbronner Rathaus
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Astronomische Uhr von 1580

Eine neue Welt - der Südhimmel

Im 17. Jahrhundert tauchte durch die Seefahrt eine neue Welt auf: der Südhimmel. Für die Sternbilder, die man nur von der Südhalbkugel der Erde aus sieht, gab es noch keine Namen. Ab 1603 führten daher Petrus Plancius und Johann Bayer neue Bilder ein. Sie stützten sich auf die Beschreibungen niederländischer Seefahrer und hielten sich an die Tradition: Sie bevölkerten den Südhimmel mit Wasserwesen.
Im 18. Jahrhundert folgen noch einmal 13 Sternbilder, die der französischen Astronom Nicolas Louis de Lacaille benannte, um Lücken zwischen den bisherigen Sternbildern zu füllen. Er benutzte wissenschaftliche Geräte als Namensgeber - seither gibt es auch ein Lineal, einen Sextanten oder gar eine Pendeluhr am Himmel.

Nur kurz zu sehen

Es gab zwischendurch durchaus Versuche, die Sternbilder umzubenennen: 1627 wollte Julius Schiller die heidnischen Bilder loswerden und ersetzte sie durch biblische Gestalten. Der Tierkreis wurde bei ihm zur Runde der zwölf Apostel. Durchgesetzt hat er sich nicht. Auch in den folgenden zwei Jahrhunderten mühten sich Hofastronomen immer wieder, ihre Herrscher oder deren Insignien der Macht am Himmel zu verewigen. Die Macht verging - und mit ihnen diese Sternbilder.

Astronomische Uhr am Deutschen Museum in München
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Astronomische Uhr in München

Neue Sterne - neue Bilder

Doch die Entwicklung von Fernglas und Teleskop ließ das Firmament wachsen - zumindest die Anzahl der bekannten Sterne. Immer mehr Sterne sollten einem Sternbild zugeordnet werden und benannt werden - der Himmel wurde unübersichtlich. Wieder wurden neue Sternbilder eingeführt. Auf einem Kongress 1798 wurden dann erstmals die geltenden Sternbilder festgelegt. Unter diesen 99 Sternbildern, drei Jahre später in einem Katalog von Johann Elert Bode veröffentlicht, finden sich beispielsweise noch ein "Heißluftballon" und eine "Katze".

Die endgültigen Sternbilder

1922 schlug Henry Norris Russell 89 Sternbilder vor, jeweils mit der lateinischen Bezeichnung und dazugehörigen Abkürzung aus drei Buchstaben (UMa für Ursa Maior, den Großen Bären). Der Belgier Delporte zeichnete 1925 die Grenzen dieser Sternbilder. Die Liste wurde 1928 von der Internationalen Astronomischen Union um ein Bild gekürzt: Das riesige Segelschiff Argo, bei Russel noch als Ganzes und mit seinen Einzelteilen aufgeführt, zerfiel: in das Segel, das Hinterdeck (auch Achterschiff) und den Kiel. Benannt werden die Sterne aber alle nach dem Kiel Carina (α Car usw.). Die endgültigen Sternbildgrenzen wurden 1930 festgelegt - und sind bis heute gültig. Allerdings nicht überall: Andere Kulturen haben oft ihre eigenen Sternbilder. In China etwa sind sie viel kleiner: Unser Tierkreis ist dort in 28 "Xiu" eingeteilt, die der Mond Tag für Tag durchschreitet.