Nun haben die Kasperl, Seeräuber, Cowgirls und Haremsdamen wieder einmal ihr G'wand abgelegt und sich in ganz normale Handwerker, Beamte, Büroangestellte oder Sekretärinnen zurück verwandelt. Vorbei ist es mit Humba Humba täteräh, Allaf, Hellau, Narri-Narro... oder wie die Karnevalsrufe auch immer heißen mögen. Und der sinnvolle Gesang über jene Marie, die einen toten Fisch doch bitte mal hin machen soll, bleibt uns erst einmal bis zum nächsten 11.11, 11 Uhr 11 erspart.
An den konfettibunten Trubel der vergangenen Tage erinnert nur noch ein Muskelkater in den Wadeln, schmerzhaftes Pochen unter dem Haardach und ein reibeisenähnliches Scheuern der überstrapazierten Stimmbänder. Der eine oder andere wird auch einen erhöhten Mineralwasserbedarf verspüren und sich bei der traditionellen Geldbeutelwäsche darüber wundern, dass nicht mal mehr die Fischschuppe vom Silvesterkarpfen vorhanden ist. Dabei sollte doch gerade dieses Hornstückchen leichtsinnige Geldausgaben im neuen Jahr verhindern. Nun, wie auch immer, es ist vorbei!
Gestern, Punkt 24 Uhr, hat Prinz Karneval sein närrisches Szepter aus der etwas erschlafften Hand gelegt. Und damit begann um Null Uhr Null die 40-tägige Fastenzeit des österlichen Festkreises. Stichwort: Asche. Sie wird seit alters her als Symbol endgültiger Zerstörung und tiefster Erniedrigung betrachtet. Die Parolen der verbrannten Erde sind noch nicht vergessen. Und erst kürzlich haben wir auf dem Balkan erleben müssen, wie abziehende Armeen ganze Landstriche in "Schutt und Asche" hinterließen.
Aber Asche gilt auch als Zeichen der Reue. Und weil es bestimmt viele gibt, die nach den närrischen Tagen einiges zu büßen und zu bereuen haben, steht heute zum Fastenbeginn das so genannte "Einascherln" auf dem Programm. Offiziell wurde der fromme Brauch, bei dem man sich von einem Priester etwas Asche auf die Stirn stäuben lässt, nach der Synode von Benevent im Jahr 1091 in die Liturgie aufgenommen. Doch wird bereits in Schriften des siebten Jahrhunderts ein dies cinerum - ein Tag der Asche erwähnt.
Kirchenhistoriker hegen daher keinen Zweifel daran, dass schon Papst Gregor, der Heilige, diesen Tag der Buße eingeführt hat. Der römische Patriziersohn auf dem Stuhl Petri gilt schließlich als einer der bedeutendsten Reformer des ersten christlichen Jahrtausends. Berühmt sind vor allem seine "gregorianischen Gesänge", die für Jahrhunderte zum Maßstab aller geistlichen Musik wurden. Aber er war auch ein bedeutender Schriftsteller. Und die Idee für einen gesonderten Bußtag zu Beginn der Fastenzeit dürfte er seinem Werk "moralia in Job" entnommen haben; das auf dem biblischen Buch Hiob basiert. Hier wird mehrmals auf die Asche als Zeichen der Reue hingewiesen. So heißt es beispielsweise von den über Hiobs Elend entsetzten Besuchern:
"Ein jeder zerriss sein Kleid und sie warfen Asche gen Himmel auf ihr Haupt." Ganz so dramatisch geht es heute natürlich nicht mehr zu, aber immer noch lassen sich bei uns viele gläubige Katholiken geweihte Asche auf die noch faschingstrübe Stirn stäuben und nehmen demütig die Worte des Priesters auf: "Gedenke Mensch, dass du aus dem Staube hervorgegangen bist und zum Staube zurückkehren wirst"
Eines wäre allerdings noch interessant zu wissen.... ob unsere Politiker bei ihren groß tönenden Aschermittwochsreden wenigstens manchmal ein bisschen auch an so etwas wie Staub und Asche denken? Also ehrlich gestanden, meist schaut's eher nicht danach aus.