Eines voraus: der heutige Siebenschläfertag ist nicht dem Säugetier namens Siebenschläfer gewidmet, auch Bilch genannt: lateinisch Glis glis. Das muss man heutzutag schon extra sagen. Denn wer tippt bei "Siebenschläfer" gleich auf sieben Heilige. Wo viele höchstens den Heiligen Georg vom Georgiritt her kennen. Und der war mehr eine Sagenfigur als ein...also damit können wir uns jetzt nicht aufhalten.
Die sieben heiligen Siebenschläfer brauchen unsere Zeit vollauf. Zumal sie vielleicht sogar acht waren. Was wiederum insofern nicht viel bedeutet, als sie ja wegen ihrer langen Schlafdauer zu Ruhm und Ehren gekommen sind. Während aber die tierischen Siebenschläfer nur sieben Monate schlafen, haben die Heiligen Siebenschläfer 187 Jahre geschlafen. Oder 193. Bei Legenden gehts nicht so genau. Der lange Schlaf ist ein altes Märchenmotiv. Immer aber hat er einen wahren Kern. Der liegt hier beim römischen Kaiser Decius: Regierungszeit 249 - 251. Die nützt er unter anderm für eine Christenverfolgung nach dem Motto: Entweder öffentlich den alten Göttern opfern - dann ist die Sache erledigt. Oder als Christ die Konsequenzen tragen: Folter bis Hinrichtung. Also verstecken sich unsere Christenjünglinge in einer Höhle, vielleicht in der Hoffnung, den Decius zu überleben. Die Chance ist gut. Kaiser-sein ist damals ja sehr gefährlich. Die Römer verbrauchen einmal sogar vier Kaiser in einem Jahr. Und der Decius ist sowieso nur auf der Durchreise von einem Schlachtfeld zum andern, bis er mitsamt Sohn ermordet wird. Aber diese kurze Zeit reicht ihm, um die glaubenstreuen Jünglinge in ihrer Höhle einfach einmauern zu lassen. Worauf sie in Schlaf versinken und vergessen werden. Als nach rund 200 Jahren die Höhle wieder geöffnet wird, erwachen sie, freilich nur vorübergehend, um Zeugnis abzulegen für die leibliche Auferstehung der Toten. (So heißt es im theologischen Lexikon: eine anrührende Legende über Glaube, Hoffnung, Treue und ewiges Leben. Die Legende ist weit verbreitet und schon im fünften Jahrhundert notiert worden: lateinisch und in vielen orientalischen Sprachen. Sogar in einer Sure des Korans ist sie nachzulesen.)
Und die Namen der Heiligen? (Im Griechischen heißen sie Achillides, Diomedes, Eugenios, Stephanos, Probatos, Sabbatios und Kyriakos; bei uns nach der syrischen Überlieferung) Maximianus, Malchus, Martinianus, Dionysius, Johannes, Serapion und Constantinus. Logischerweise gelten sie als Helfer gegen Schlaflosigkeit.(Falls Sie also grad einen Taufnamen suchen und wo man doch weiß, wie einem ein plärrendes Baby zur Verzweiflung treiben kann: Wie wärs mit Maximin? Eugen? Dionys war früher in Bayern häufig. Oder...No, wie Sie meinen.) Obendrein helfen die Siebenschläfer auch gegen Fieber. Risiken und Nebenwirkungen sind nicht bekannt. Das allein ist ja schon viel wert.
Ob die Heiligen Siebenschläfer allerdings als Wetterpropheten zuverlässig sind? Als Lostag ist der heutige 27.Juni schon deswegen fragwürdig, weil sie auch am 27.Juli Namenstag feiern. Und am 2.August. Und am 22. und 23.Oktober, je nach Land. Und manchmal gilt die Vorhersage nur für sieben Tage, manchmal für sieben Wochen, manchmal für den ganzen Sommer. Die Meteorologen sagen zwar, dass sich im Juni gern eine Grundwetterlage herausbildet, die möglicherweise fast beinah beständig ist; wenn aber wechselnde Tiefs mit zunehmenden Niederschlägen plus Aufheiterungen kommen, irgendwie wegen El Nino oder polarer Eisschmelze oder so, ist eine gewisse Unbeständigkeit oder wie oder was... Jedenfalls ist auf den Lostag kein Verlass. Ist ja auch kein Wunder! Aber so hätt'ma's gern: Erst die ganze Atmosphäre versauen und dann auf die heiligen Siebenschläfer als Wetterpropheten rechnen! Die wern uns was husten! - Trotzdem eine zuverlässige Wettervorhersage als speziellen Kundendienst für unsere treuen Hörer. Bitte sehr: "Kräht der Gockel auf dem Mist, ändert sich's Wetter oder es bleibt wie's ist." Jetzt müssen Sie bloß noch schaun, dass Sie einen echten krähenden Gockel auf einem echten Misthaufen finden...