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Kalenderblatt 22.06.2009
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Rembrandt van Rijn heiratet Saskia van Uylenburgh
Autorin: Anja Mösing
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Gemeinhin würde man sagen, Paare haben einen enorm großen Ermüdungsfaktor. Jeder, der ab und zu auf einer Party ist, zu der ausnahmslos Paare eingeladen sind, weiß, dass sie zanken oder schweigen. Das ist nicht unterhaltsam, sondern langweilig, denn das kennt man selber von daheim.

Unterhaltsam werden Paare erst dann, wenn sie die Party verlassen haben. Das ist jetzt nicht boshaft gemeint, sondern eine bittere Tatsache. Sie ergibt sich aus einem Charakterzug, der vielen Menschen zueigen ist und als "Lust an der Spekulation" umschrieben werden könnte. Und der lässt eben noch aus dem ungeselligsten Paar Gesprächsstoff werden: Was für eine Art von Leben haben diese Zwei wohl miteinander? Wie haben die sich nur gefunden? Und vor allem: Wie geht es bloß mit denen weiter? Das ist es, worüber sowohl geübte wie ungeübte Paarbetrachter lustvoll spekulieren.

Und wo könnte man sich dieser Lust hemmungs- und gefahrloser hingeben, als bei der Betrachtung eines Gemäldes? Ein recht reizvolles, aber schon seit mehreren hundert Jahren verstorbenes Paar, hängt in der Dresdner Gemäldegalerie und trägt den Titel "Der verlorene Sohn im Bordell". Darauf sitzt ein bierseeliger Mann mit dem Rücken zu uns, auf seinem Schoß eine junge Frau in prächtiger Tracht, die er mit einem Arm um die Hüften fasst. Beide drehen sich zu uns Betrachtern um und schauen uns direkt ins Gesicht. Die Frau wirkt dabei ein bisschen amüsiert, der Mann prostet uns sogar leutselig und mit hoch erhobenem Bierglas zu. Ein schönes Paar, zweifellos!

Jetzt aber zur Spekulationslust: Ein bisschen ist es schon erstaunlich, dass Rembrandt Harmenszoon van Rijn, also DER Rembrandt, sich ausgerechnet in so einer Szene zusammen mit seiner Frau Saskia van Uylenburgh dargestellt hat.
Schließlich waren beide zur Entstehungszeit des Gemäldes angesehene Bürger der Stadt Amsterdam. Und sie waren seit dem 22. Juni 1634 verheiratet. Also bereits mehr als drei Jahre. Er, der Sohn eines Müllers, sie die jüngste Tochter eines Beamten. Vielleicht hat Rembrandt ihr Doppelportrait in so einer Szenerie gemalt, weil er das gemeinsame, überschäumende Glück festhalten wollte? Könnte sein. Könnte aber auch sein, dass er einfach die Kosten für die Modelle sparen wollte und deshalb seine Frau und sich selbst genommen hat. Und auch sich selbst als negativen Helden darzustellen, war damals ganz üblich, Dürer und Rubens hatten das schon vor ihm gemacht.

Rubens war es auch, der für Paarbetrachter ein mindestens ebenso reizvolles Doppelporträt geschaffen hatte: "Peter Paul Rubens und Isabella Brant in der Geißblattlaube", das lebensgroße Gemälde hängt in der Alten Pinakothek in München. Ein bisschen erhöht und mit übereinander geschlagenen Beinen sitzt der Mann, einen Kopf unter ihm die Frau, beide haben den Kopf leicht zueinander geneigt und schauen uns Betrachter sehr interessiert und klug ins Gesicht. Ganz zart aber liegen im Zentrum des Bildes ihre rechten Hände. Also da hat Rubens doch irgendwie die stilvollere Szenerie für sein Doppelporträt ausgesucht. Er war einfach ein Mann von Welt, nicht nur ein gefeierter Maler, sondern auch tätiger Diplomat. Und der schenkt so ein Meisterwerk dann eben der Familie seiner Frau zur Hochzeit. Während also das Ehepaar Rubens ein aufwändiges Leben führte, weit reiste, an vielen Adelshöfen lebte und arbeitete, sah das Leben des Ehepaars van Rijn weniger lustbetont aus, als es auf dem Doppelporträt den Eindruck macht. Rembrandt war zwar als Maler nicht weniger angesehen, führte aber mit Saskia das Leben eines zünftigen Malermeisters, und kam mit ihr kaum je über die Stadtgrenze von Amsterdam hinaus.

Welches Paar nun das schönere Leben miteinander hatte, darüber lässt sich wirklich nur spekulieren. Aber auf einer Party wären Rubens und seine Isabella vermutlich das unterhaltsamere Paar gewesen - jedenfalls bis sich
herumgesprochen hätte, dass sich die Rembrands gerne in Bordellkulissen
herumtreiben.

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