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31.01.2003 |
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31.01.1754: |
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Schuh & Gentleman |
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London, im 18. Jahrhundert – also ungefähr zwischen Queen Anne und Jane Austen – wer regiert, wer hält sie heimlich zusammen, die große Stadt?
Eine Frage, auf die wir gleich zurückkommen.
In London jedenfalls kursiert ein neues Zauberwort und das heißt – Höflichkeit. Und alle, die jetzt Männer sind, wollen nur noch eines werden – Gentlemen: ob bei der Konversation, die leicht und klar ist; oder im Verhalten gegenüber der jungen Miss, die und deren langen Petticoat man vor dem Schmutz der Straßen in Sicherheit bringt; und treffen muss Gentleman den neuen Ton auch in der Kleidung. Bei der, nicht anders wie heute, alles auf den Schuh ankommt, den sauber geputzten, versteht sich.
Womit wir sie endlich beim Namen nennen, die heimlichen Helden und Herren der Hauptstadt, die shoeblackers, wie Samuel Johnson sie nennt, die shoeshine boys, die Schuhputzjungen von London. Denn ohne sie keine Schuhe in schwarzem Hochglanz; ohne Schuhe in schwarzem Hochglanz keine höflichen Gentlemen; ohne höfliche Gentlemen kein elegantes London; ohne elegantes London kein blühendes Königreich; und ohne Königreich keine Zivilisation.
So einfach war das, und so einfach haben das auch die Zeitungen gesehen. Am 31. Januar 1754 bekennt etwa die Londoner World (ein tonangebendes Lifestyle Blatt würde man heute sagen), dass sorgfältige Schuhputzjungen wichtiger sind als geistreiche Journalisten. Bingo! Das haben die Dichter immer schon gesagt! Vor allem John Gay in seinem Werk Trivia oder die Kunst, durch die Straßen von London zu gehen von 1716. Hier empfiehlt John Gay nicht nur beschwingtes Zufußgehen – weil die Kutschen immer umkippen, die Boote auf der Themse meist untergehen und die Sänftenträger, da ewig betrunken, stolpern und fallend die ihnen Anvertrauten mit sich in den Schlamm reißen; hier singt John Gay auch das Lob der, wie er sie nennt, „schwarzen Söhne der Fleet Street“. Denn wer, außer ihnen, besaß das Geschick, die Kraft und die Geduld, aus schmutzverkrusteten Klumpen wieder ein Paar schimmernde Schuhe zu zaubern?
Eine Frage, die auch beim Asphalt von heute nichts an Bedeutung verloren hat. Als Beweis James McGowan, Polizist in West Yorkshire. „Immer und überall“, sagt er, „haben mich die Leute gefragt, wie ich den unglaublichen Glanz auf meinen Schuhen hinkriege. Selbst in fish and chips Buden bin ich bedrängt worden. Einfach alle sind an glänzenden Schuhen interessiert. Besonders Frauen finden Männer mit klasse Schuhen sehr attraktiv.“
Und so hat Police Constable McGowan auf die mächtige Nachfrage reagiert und die Geheimnisse seiner Schuhputzkunst einer 32-seitigen Broschüre anvertraut – die vor allem in einem zeit- und kraftaufwändigen, von ihm als Double Polish Act Stage One und Duoble Polish Act Stage Two bezeichneten zweimaligen Einkremen besteht.
Für 5 Pfund ging sie, man darf sagen: glänzend weg in den feinen Herrengeschäften rund um die St. Jamses´s Street.
Doch wer Sterne, Straßenlampen und Discolichter auf seinem gepflegten Oberleder glitzern sehen will, der muss nicht unbedingt so weit gehen. Auch in einem feinen Münchner Schuhgeschäft bei Oper und Residenz wird sie oder er eine – noch dazu gratis abgegebene – Fibel finden, die, besonders auf den Seiten 12 bis 18, verrät, wie man, mit Gruß an die Jungen von London, aus einem schmutzigen wieder einen funkelnden Schuh zaubert.
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