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"Der Herr brüllt vom Zion her" - Die Propheten: Gottes zornige Boten
Hintergrund
Was sind Propheten? Prophetie als Institution
Textgeschichte
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Was sind Propheten?

Prophetie wird heute meist damit in Verbindung gebracht, dass jemand in die Zukunft schauen könne. Ein Prophet weist, nach diesem Sprachgebrauch, darauf hin, was sich in der Zukunft ereignen wird. Schaut man sich die Propheten der Hebräischen Bibel, des "Alten Testaments", wie man traditionell sagt, genauer an, dann sind Propheten eher Diagnostiker, die den Menschen aufzeigen, wohin ihr Tun führen wird. Sie wollen eine Veränderung des Handelns der Menschen bewirken.

Interessant ist ein Blick auf die Etymologie des Begriffs. Unser Wort Prophet ist dem Griechischen entlehnt. Es meint ursprünglich einen „Sprecher im Namen eines Gottes, der göttlichen Willen und Rat im Orakel verkündet“ (H. Krämer, Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament). In der Septuaginta wird mit prophätäs das hebräische Nomen nabi` übersetzt. Dieses Wort kann entweder "Sprecher" oder "Berufener" bedeuten. Heute geht die Forschung davon aus, dass wohl eher "Berufener" gemeint ist. Es handelt sich also um Menschen, die in Ekstase Visionen oder Auditionen empfangen und diese dann durch symbolische Handlungen oder prophetisches Sprechen weiter vermitteln. Fasst man das bisher Gesagte zusammen, sind Propheten im Sinne der Hebräischen Bibel also Menschen, die von Gott den Auftrag erhalten haben, die Gesellschaft, in der sie leben, von ihrem zerstörerischen Handeln abzubringen.

 
Prophetie als Institution

In Israel hat es seit Moses bis in die nachexilische Zeit Propheten gegeben. Von der Vielzahl dieser Berufenen sind uns aber nur wenige bekannt, da ihre Tätigkeit in der Hauptsache das Verkündigen und nicht das Aufschreiben war. Manche Forscher, wie z.B. Bernhard Lang, gehen davon aus, dass das Prophetentum eine feste institutionalisierte Einrichtung in Israel war, um gesellschaftliche und religiöse Fehlentwicklungen aufzudecken.

Kenntnis haben wir nur von den drei so genannten „Großen Propheten“ Jesaja, Jeremia und Ezechiel und von den elf "Kleinen Propheten" Hosea, Joel, Amos, Obadja, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja und Maleachi. Die Unterscheidung zwischen "Großen" und "Kleinen" Propheten bezieht sich im Übrigen nur auf den Umfang der Bücher und nicht auf ihre Bedeutung. Das Buch Daniel, als apokalyptische Schrift, und das Buch Jona, als Prophetenlegende, können nicht zu diesen prophetischen Schriften gezählt werden.

 
Textgeschichte

Wichtig ist es zudem herauszustellen, dass nicht, wie es zunächst den Anschein hat, etwa die hier namentlich benannten Propheten einfachhin als Autoren der prophetischen biblischen Schriften angesehen werden können. Nahezu alle Prophetenbücher enthalten Passagen, die von anderen geschrieben wurden. Meist war es ohnehin so, dass Schüler des jeweiligen Meisters dessen Gelegenheitsschriften und Notizen sammelten und gegebenenfalls ergänzten.

Beim Buch Jesaja ist z.B. davon auszugehen, dass die Kapitel 40 bis 66, also der gesamte zweite Teil, nicht Jesaja selbst zugeschrieben werden können. Hier muss man sogar feststellen, dass dieser Teil, den man selbst noch einmal in Deuterojesaja (Kapitel 40 – 55) und Tritojesaja ( Kapitel 56 – 66) aufteilen kann, wohl erst 200 Jahre später, Jesaja wirkte etwa von 740 – 701 v. Chr., verfasst wurden. Die Verfasser der späteren Texte haben eben festgestellt, dass die Botschaft des Jesaja auch in ihrer Zeit dringlich ist und sie deshalb auch auf ihre Zeit angewandt. Dies schmälert keineswegs ihre Bedeutung, sondern zeigt nur, dass die Botschaft des Jesaja eine überzeitlich Aktualität besitzt.

Auch andere prophetische Bücher sind, wie viele Texte der Hebräischen Bibel, ein Produkt jahrhundertlanger Entwicklung. Das zeigt auch, dass Propheten nicht singuläre Phänomene waren, sondern in einen institutionellen Rahmen eingebettet waren.