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Treu bis in den Tod – Was Martyrium bedeutet
Hintergrund
Jahrelange Qualen Definition und Deutung
Eine Galerie der Gläubigen Moderne Märtyrer
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Jahrelange Qualen

Besonders hart traf es den heiligen Georg um das Jahr 300 n. Chr.. Sein Martyrium dauerte sieben Jahre und reichte für mehrere Leben – drei Mal war er dem Tod nahe. Bekannt sind sein Kampf mit einem Drachen und die Bekehrung einer ganzen Stadt zum christlichen Glauben. Doch selbst dieser glanzvolle Sieg bewahrte ihn nicht vor weiteren Qualen, zuletzt sollen ihm 60 Nägel in den Kopf geschlagen worden sein.

 
Definition und Deutung

Auch wenn Georgs Leiden Ausnahmen sind und zur Legendenbildung reizen, die Schicksale von Menschen, die ihren Leib opferten, um den Geist nicht zu verbiegen, berührt uns bis heute. In seiner ursprünglichen Bedeutung bezeichnet das Wort das "Blutzeugnis" für den Glauben. Leitbild der Christen war Jesus: durch die Prophezeiung von Verfolgung wie auch durch sein eigenes Ende (wobei diese Deutung womöglich den Tod am Kreuz instrumentalisiert und den Aspekt der Rettung der Welt aus Liebe nicht berücksichtigt). Jesu Anhänger waren also darauf gefasst, notfalls ihr Leben zu riskieren – eine Einstellung, die das römische Weltreich zunächst irritierte und später in seinen Grundfesten erschütterte. Mit der Unbedingtheit des Christenglaubens und seiner Intoleranz gegenüber der römischen Götterwelt kam das liberale Imperium nicht klar. Wie ließ sich der eigene Herrschaftsanspruch mit der Renitenz dieser neuen Sekte vereinbaren? Ob es systematische Verfolgungen in den ersten zwei Jahrhunderten nach Christus gegeben hat, ist schwer zu belegen. Polykarp, der Bischof von Smyrna, gilt als einer der ersten Märtyrer. Er wurde von den Römern um 155 verbrannt und erdolcht (in dieser Reihenfolge, weil ihm die Flammen nichts anhaben konnten).

Vermutlich aber lag den römischen Kaisern zunächst daran, das Thema nicht aufzubauschen. Doch mit der Zeit schien sich aus römischer Sicht das Problem auszuwachsen: Kaiser Decius forderte ein ausdrückliches Bekenntnis zur Staatsreligion, und unter Diokletian wurden Kirchen zerstört, Priester eingekerkert und Gläubige hingerichtet. Dem Zulauf zur neuen Lehre hat's nicht geschadet, denkbar ist, dass die christlichen Selbstopfer als eine Art öffentlicher Predigt sogar Heiden bekehrten. Hilfreich waren den standhaften Bekennern sicher zwei Annahmen: der Glaube, mit dem Tod die Nachfolge Jesu Christi anzutreten, und die Gewissheit des ewigen Lebens. Das Martyrium war eine "Bluttaufe", die die Seligkeit brachte.

 
Eine Galerie der Gläubigen

Enthauptet, erdrosselt, gekreuzigt, verbrannt, von wilden Tieren zerrissen – die Methoden, mit denen die frühen Märtyrer vom Leben zum Tode befördert wurden, waren vielfältig und wurden im Laufe der Jahrhunderte durch manche Grausamkeiten "bereichert". Waren es zunächst Heiden, die Märtyrer schufen, kamen bald Henker anderer Glaubensrichtungen hinzu: Muslime töteten Christen und umgekehrt. Doch Christen fügten sich auch untereinander Leid zu: Das selbsternannte Oberhaupt der Anglikanischen Kirche, Heinrich VIII., ließ Thomas More hinrichten, und russisch-orthodoxe Kosaken bereiteten dem polnischen Ordenspriester Andreas Bobola ein schreckliches Ende. Die Nationalsozialisten schließlich mordeten sich quer durch alle Bekenntnisse und Gesinnungen: Ihnen fielen Juden und Muslime, Zigeuner und Orthodoxe, Protestanten und Katholiken zum Opfer, und viele hielten bis in den Tod an ihrer Religion fest. Paul Schneider, Maximilian Kolbe und Dietrich Bonhoeffer sind Beispiele solch unumstößlicher Glaubensgewissheit. Bis heute gibt es das "Blutzeugnis", wenn Glauben auf Gewalt stößt. In den Kirchen Lateinamerikas oder auch im Konflikt mit der Mafia, bezahlen Priester und Prediger, die zu unbequem werden, nach wie vor mit ihrem Leben. Mit laut der "Kommission neue Märtyrer" über 12.600 Getöteten fällt die Bilanz des 20. Jahrhunderts darum sehr grausam aus: In den vergangenen 100 Jahren starben mehr Menschen unschuldig für ihren Glauben als in den 1900 Jahren davor.

 
Moderne Märtyrer

Über den christlichen Bezug hinaus, gibt es Martyrium und Märtyrer auch in anderen Religionen. Bricht man ihre Überzeugungen an unserem Weltbild, dann zeigt sich, wie schwierig die Bewertung (und erst recht die Bewunderung) des persönlichen Blutzolls ist. So gewinnen etwa die Selbstmordattentäter nach ihrer Überzeugung einen Platz im Paradies – durch eine Tat, die der Rest der Welt verabscheut. Im allgemeinen Sprachgebrauch wird der Begriff Märtyrer heute oft auch auf Opfer politischer Regimes und sogar auf ehemalige Machthaber ausgedehnt. Dabei wird er durch diese Erweiterung meist noch umstrittener, und die Frage, ob es sich um rechtmäßiges Vorgehen oder um eine ungerechte Aktion handelt, gerät ihrerseits zur Glaubenssache: War etwa Stephen Biko ein Märtyrer, weil er im Kampf gegen die Apartheid starb? Ist Benno Ohnesorg, der 1967 während einer Demonstration erschossen wurde, als Opfer bundesdeutscher Staatsgewalt ein Märtyrer der studentischen Bewegung? Und wie sieht es mit Saddam Hussein aus – schließlich ist auch er für seine und die Überzeugungen seiner Anhänger gestorben?