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Wer ist die Frau aus Magdala? Gedanken zur Bedeutung von Maria Magdalena
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Sünderin ? Apostolin der Apostel
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Sünderin ?

Maria Magdalena - in der Überlieferung gilt sie immer noch als das Ur- und Vorbild der büßenden Sünderin. So wird sie in der bildenden Kunst dargestellt, ebenso in Dichtung und Musik. Sie ist die Frau unter dem Kreuz Jesu, wobei sie meist in Tränen und mit aufgelösten Haaren gleichzeitig über den Verlust ihres Herrn wie über ihren sündhaften Lebenswandel zu weinen scheint. Denn auch unter dem Kreuz ist sie in erster Linie das ihr Vorleben bereuende und büßende Weib. Wie selbstverständlich kommt der Betrachter dabei auf den Gedanken, ihre Schuld müsse mit ausschweifender Sexualität zu tun haben, denn Magdalena, als attraktive Frau dargestellt, könnte man ein Dasein als Dirne durchaus zutrauen.

Dieses Bild zu korrigieren, haben sich viele heutige Exegeten zur Aufgabe gemacht. Sie halten einerseits an jenen Texten fest, die deutlich davon sprechen, dass Magdalena (vielleicht mit anderen Frauen zusammen) vorrangige und erste Zeugin der Auferstehung Jesu war. Andererseits suchen sie nach den Ursachen für die merkwürdige Umdeutung der Rolle dieser Frau in der Überlieferung. Der Evangelist Lukas hat, kurz bevor er die Frauen nennt, die Jesus mit ihrem Vermögen unterstützten und womöglich sogar begleiteten, zuvor (im 7. Kapitel) eine Szene beschrieben, bei der eine reuige Sünderin Jesus begegnet. Sie trifft ihn beim Mahl eines Pharisäers, bei dem Jesus zu Gast ist, fällt vor ihm nieder, beweint ihre Schuld, benetzt seine Füße mit ihren Tränen und trocknet sie, bevor sie den Herrn mit kostbarem Öl salbt. Wie selbstverständlich wurde diese Szene zum Vorbild für die Rolle Maria Magdalenas, noch dazu, wo sie, bevor sie sich Jesus anschloss, – wie es im Evangelium heißt – von "sieben Dämonen“ geheilt worden war.

 
Apostolin der Apostel

Aber nicht nur Männer haben sich als Exegeten dieses Problems angenommen, sondern vor allem Frauen selbst. Sie sehen in den Texten der Schrift nicht nur den Beweis dafür, dass Jesus gleichermaßen Frauen als Jüngerinnen akzeptierte (was damals für einen Rabbi einmalig war), unter ihnen Maria aus Magdala, die in allen Evangelien an erster Stelle genannt wird. Sie ist es auch gewesen, die den Männern, den Aposteln nämlich, die wichtigste Botschaft zu bringen hatte – die der Auferstehung Jesu. Die so genannte "feministische Theologie“, also eine von und für Frauen, sieht in dieser Erkenntnis einen Beweis für die frühe Gleichstellung der Frauen im Umkreis Jesu. Auch was das Amt der Verkündigung angeht. Gerade in dieser herausragenden Funktion scheinen sie sich auf den großen Kirchenlehrer Augustinus berufen zu können, der Magdalena "Apostolin der Apostel“ genannt hat.