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Das Judentum und die Sehnsucht nach einer gerechten Welt
Glossar
aramäische Sprache
Semitische Sprache der seit dem 14. Jahrhundert v. Chr. genannten Aramäer, Nomaden in Nordarabien, die sich in den benachbarten Städten ansiedelten und in die Verwaltungen der akkadischen und persischen Reiche eindrangen. Die aramäische Sprache wurde in Vorderasien Amts- und Handelssprache und behauptete sich gegen das Griechische. Aramäische Texte finden sich im Alten Testament; Jesus sprach einen aramäischen Dialekt. Seit 650 wurde die aramäische Sprache vom Arabischen verdrängt. (wissen.de)

 
Auschwitz
Polnische Mittelstadt, 50 km von Krakau entfernt. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkriegs Ort des größten nationalsozialistischen Vernichtungslagers, in dem ungefähr eine Million Menschen, zumeist Juden und Sinti und Roma, ermordet wurden.

 
Babylonisches Exil
Das Babylonische Reich war zwischen 1830 und 1530 n. Chr. das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum Vorderasiens. 587 n. Chr. gab es eine erste Aussiedlung der Oberschicht und eines großen Teils der Mittelschicht des unterworfenen Reiches Juda nach Babylonien durch den neubabylonischen Großkönig Nebukadnezar II. Während dieser Zeit bildeten sich die Grundlagen des Judentums heraus.

 
Bar Mizwa
Hebr.: „Sohn des Gesetzes“. Fest für jüdische Jungen nach Vollendung des 13. Lebensjahres. Ab dem Zeitpunkt ist der Knabe für seine Taten selbst verantwortlich, zur Beachtung der religiösen Gebote verpflichtet und darf während des Gottesdienstes aus der heiligen Schrift (Thora) vorlesen.

 
Bat Mizwa
Hebr. „Tochter des Gesetzes“. Fest der religiösen Mündigkeit für jüdische Mädchen nach Vollendung des 12. Lebensjahres, seit 1922 in reformierten Gemeinden üblich.

 
Beduinen
Arabisch: Wüstenbewohner. Hirtennomaden, die mit ihren Herden die Halbwüsten durchstreifen.

 
Berit Mila
Beschneidung männlicher Säuglinge acht Tage nach der Geburt. Beschneidung (Kürzen der Vorhaut des männlichen Gliedes) ist aus rituellen, aber auch medizinisch-hygienischen Gründen weit verbreitet, vor allem bei islamischen Völkern und bei orthodoxen Juden.

 
Chanukka
Tempelweihefest, zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels unter Judas Makkabäus im Jahr 165 v. Chr nach erfolgreichem Widerstand gegen den zwangsweise verordneten griechischen Götterkult. Achttägiges Lichterfest am 25. Tag des jüdischen Monats Kislev (im Dezember, der dunkelsten Zeit des Jahres). Geht auf die rabbinische Zeit zurück, hat seinen Ursprung nicht in der Thora, sondern in den Apokryphen Makkabäer I und II.)

 
Davidstern
Sechsstrahliger Stern aus zwei gekreuzten gleichseitigen Dreiecken. Der gelbe Davidstern („Judenstern“) war in der Zeit des Nationalsozialismus Zwangskennzeichen der Juden; blau auf weißem Grund ist er Emblem des Staates Israel.

 
Exodus
Altgriechisch: exodos, Auszug. 2. Buch Mose, erzählt vom Auszug der Israeliten aus Ägypten.

 
Genozid
Völkermord. Systematischer und geplanter Massenmord an einem Volk oder einer Volksgruppe mit dem Ziel seiner/ihrer Auslöschung.

 
Israel
1.) Religiös-sakraler Verband der 12 Stämme Israels, die zwischen 1400 v. Chr. und 1200 n. Chr. in Palästina einwanderten. 2.) Moderner jüdischer Staat, gegründet 1948

 
Israelit
Angehöriger der 12 Stämme Israels, die zwischen 1400 v. Chr. und 1200 n. Chr. in Palästina eingewandert sind

 
Jerusalem
Hauptstadt und größte Stadt Israels, Mittelpunkt des nationalen und geistigen Lebens des jüdischen Volkes, auch für Christen und Muslime eine heilige Stadt

 
Juda
1.) Einer der israelistischen Stammesverbände, führende Rolle bei der Rebellion der Israeliten gegen die Versklavung durch die Ägypter, benannt nach Juda, dem Sohn von Jakob und Lea. 2.) Juda, auch Judäa war zunächst ein von Rom abhängiges Königreich, ab 6 n. Chr. eine Provinz des römischen Reiches.

 
Kaaba
Arab.: „Würfel“, Hauptheiligtum des Islams in Mekka und würfelförmiges Gebäude, enthält den schwarzen Stein, einen Meteoriten, der schon vor Muhammad den Arabern als heilig galt. Zur Wallfahrt nach Mekka, einer religiösen Pflicht der Muslime, gehört die siebenmalige Umrundung der Kaaba.

 
Kanaan
bezeichnet in der Bibel das gesamte Land westlich des Jordans und einen Teil des heutigen Palästina, in das die Israeliten eingewandert sind

 
koscher
jiddisches Wort, von Hebr.: kaser, „einwandfrei“; nach den jüdischen rituellen Speisegesetzen rein, erlaubt

 
Laubhüttenfest
Hebr. „Sukkot“ („Hütten“). Wallfahrtsfest im Oktober, erinnert an das Schlüsselerlebnis des jüdischen Volkes, den Auszug aus Ägypten. Feier der Gemeinschaft des jüdischen Volkes und seiner Beziehung zu Gott. Zur Erinnerung an den Auszug der Israeliten aus Ägypten und an die Hütten (hebr. Sukka, die Hütte), in denen sie während ihrer Wanderung durch die Wüste wohnten (3. Mose 23, 42f.), werden Hütten gebaut.

 
Messias
Hebr. „Der Gesalbte“, in den Prophetenbüchern wird er angekündigt als Friedensbringer und gerechter König. Fromme Juden warten auf sein Kommen am Ende der Zeiten.

 
Mesusa
Eine am rechten Türpfosten befestigte Kapsel mit einer kleinen Pergamentrolle, auf der zwei Abschnitte aus der Bibel stehen. Geht zurück auf ein biblisches Wort: „Du sollst die Worte, die ich dir heute sage, schreiben an die Pfosten deines Hauses und an deine Türe (5. Moses 6,9 und 11,20)“. Heiligt das Haus und erinnert an die Gegenwart Gottes und an die Verantwortung vor ihm in der Außenwelt.

 
Palästina
Historische Region an der südöstlichen Küste des Mittelmeeres, umfasst ungefähr das Gebiet des heutigen Staates Israel, den Gazastreifen, das Westjordanland (heute: Palästinensische Autonomiegebiete) und den heutigen Staat Jordanien. Der Name wurde nach 135 n. Chr. von den Römern für die ehemalige Provinz Judäa eingeführt.

 
Pessach
auch Passa, 15. - 22. Nissan (April); Fest der Erinnerung des Auszugs aus Ägypten. Pessach bedeutet „Übersprung“, geht zurück auf die von Gott befohlene Familienversammlung (2. Mose 12, 1-14), als Gott die Häuser der Israeliten übersprang und nur die Ägypter strafte. Wird noch heute als Familienfest begangen, mit dem Seder, der Familienandacht. Ist auch ein Frühlingsfest, ein Fest der Natur, wie das christliche Ostern.

 
Pharao
Ägypt: „großes Haus“; bezeichnete im alten Ägypten ursprünglich den königlichen Palast, seit der Mitte des 2. Jahrtausends n. Chr. auch den König.

 
Pogrom
Russ.: „Verwüstung, Zerstörung“. Gewaltsame Ausschreitung gegen Mitglieder von religiösen, nationalen oder ethnischen Minderheiten, häufig Juden, verbunden mit Plünderungen und Mord.

 
Ritual
feststehende Ordnung für bestimmte regelmäßig wiederkehrende Abläufe des Lebens, häufig religiöser Natur

 
Rosch Haschana
“Tag des Gerichts“, jüdisches Neujahrsfest, wird nach dem jüdischen Kalender am ersten Tag des Monats Tischri gefeiert (September, Oktober). Tag der inneren Einkehr, Gewissensprüfung und Buße.

 
Schechina
„Einwohnung Gottes“ „göttliche Gegenwart“, „göttliche Herrlichkeit“, oft auch als weiblicher Aspekt Gottes verstanden; Begriff aus der jüdischen Mystik, der das Innewohnen Gottes in der Welt beschreibt.

 
Schofar
Ein zum Blasinstrument geformtes Widderhorn mit durchdringendem Ton. Ruft an Rosch Haschana dazu auf, den Alltag hinter sich zu lassen und sich Rechenschaft über das Leben abzulegen.

 
Simchat Tora
„Tag der Freude am Gesetz“, letzter Tag des Laubhüttenfestes, an dem der Zyklus der Lesungen aus der Tora ausläuft und eine neue beginnt. Die Schriftrollen werden in einer Prozession getragen, Kinder laufen mit und bekommen Süßigkeiten.

 
Sinai
1.) Halbinsel im Nahen Osten, gelegen zwischen dem afrikanischen Kontinent und der arabischen Halbinsel, 2.) Berg auf dieser Halbinsel. Gilt in der Bibel als Ort der Offenbarung Gottes, bes. der Offenbarung der Zehn Gebote

 
Spiritualität
Lat.: Spiritus, Geist, Hauch. Ausrichtung auf eine vielfältig erfahrbare transzendente, geistige, göttliche Dimension des menschlichen Lebens, auf eine höhere Wirklichkeit.

 
Synagoge
Griechisches Wort, bedeutet ungefähr dasselbe wie Hebräisch „Beth haKneseth“: "Haus der Versammlung", "der Zusammenkunft". Jüdisches Gotteshaus, Begegnungs- und Unterrichtsstätte.

 
Tallit
Gebetsmantel, Gebetsschal, traditionell von Männern getragen, zu allen Morgenandachten der Woche, sowie am Sabbat und an den Festtagen

 
Talmud
Hebr.: „Lehre“. Sammlung der überlieferten Lehren, religiösen Vorschriften, Auslegungen, Diskussionen, Geschichtserzählungen, Anekdoten des Judentums; besteht aus zwei Teilen, der 'Mischna', der mündl. Überlieferung von Generation zu Generation, und dem Kommentar zur Überlieferung, der 'Gemara'.

 
Treblinka
Dorf in Polen; ab 1942 befand sich dort ein großes nationalsozialistisches Konzentrationslager, das niemand lebend verlassen hat und in dem fast so viele Menschen ermordet wurden wie in Auschwitz.

 
Weltreligion
Bezeichnung für eine Religion, die universelle Geltung besitzt und weit verbreitet ist. Die am weitesten verbreiteten Weltreligionen sind Christentum, Islam, Hinduismus und Buddhismus.

 
Zehn Gebote
2. Mose 20, 1-17, 5. Buch Mose, 5, 6- 21. Laut Überlieferung von Gott selbst auf zwei steinerne Gesetzestafeln geschrieben und Mose übergeben, von höchster Bedeutung und Heiligkeit für das Judentum, aber auch für das Christentum und den Islam.

 
Personen
 
Abraham
Zentrale Figur der Hebräischen Bibel (im Christentum: Altes Testament), genauer der Genesis, des 1. Buch Mose. Von Gott berufen und ins Land Kanaan geschickt. Gehört mit Isaak und Jakob zu den Erzvätern, aus denen die zwölf Stämme des Volks Israel hervorgegangen sind. Auch das Christentum und der Islam (dort heißt er Ibrahim) berufen sich auf ihn.

 
Ijob
auch Hiob, biblische Gestalt (Das Buch Hiob, Altes Testament), der von Gott geprüft und ins Unglück gestürzt wird, der mit Gott ins Gericht geht

 
Isaak
einer der drei Erzväter, Sohn des Abraham, Vater von Jakob und Esau

 
Jakob
einer der drei Erzväter, Sohn des Isaak, Bruder des Esau

 
Judas Makkabäus
Führer eines jüdischen Volksaufstandes gegen Antiochos IV. Epiphanes (175-164 v. Chr.), König von Syrien, dem Juda unterworfen war, der den griechischen Götterkult als Staatsreligion einführen wollte und deswegen jüdische Tempel schändete. Scheiterte am Widerstand der Aufständischen. An die Ereignisse erinnert das Chanukkafest.

 
Jud Süß
Eigentlich Joseph Süß-Oppenheimer (1698-1738). Finanzpolitiker am Hof des Herzogs Karl Alexanders von Württemberg. Aus niedrigen Beweggründen nach dem Tod des Herzogs des Hochverrats angeklagt und hingerichtet. Gilt völlig zu Unrecht als Ausbund des bösen, habgierigen Juden (vgl. den Film von Veit Harlan „Jud Süß“, der unter der Schirmherrschaft von Goebbels entstand). Auch die Darstellung im gleichnamigen Roman von Lion Feuchtwanger gilt, was die historischen Tatsachen anbelangt, als fragwürdig.

 
Mendelssohn, Moses (1729-1786)
Deutsch-jüdischer Philosoph der Aufklärung, der für die politische und soziale Gleichstellung der Juden mit den Christen kämpfte und die jüdische Religion mit den Begriffen der aufklärerischen Philosophie interpretierte.

 
Mose
Führer der Israeliten aus der ägyptischen Knechtschaft, Mittler zwischen Jahwe und Israel. Gesetzgeber und höchst wichtige Gestalt im Judentum, historisch allerdings nicht fassbar. Nach ihm wurden die ersten fünf Bücher der Bibel benannt (der Pentateuch). Sie bilden die Thora, das jüdische „Gesetz“.

 
Ramses II. (1290-1224 )
Ägyptischer König der 19. Dynastie, Mann von Nofretete; führte Kriege mit den Hethitern.

 
Wiesel, Elie (*1928)
Rumänischer Talmudgelehrter und Romancier, Auschwitz-Überlebender, heute Professor für Judaistik in Boston. Erhielt 1986 den Friedensnobelpreis für seinen Kampf um Verständigung und Frieden. Sein Werk bewahrt die Erfahrungen der Opfer der Judenvernichtung und die untergegangene Welt des Ostjudentums.