Vorarbeit
Beispiele aus dem Alltag An der Tafel oder über Overheadprojektor an der Wand steht der alttestamentarische Satz: "Auge für Auge, Zahn für Zahn". Die Schüler werden aufgefordert, Beispiele aus ihrem Alltag zu nennen, in denen dieser Satz - das Prinzip von Rache und Kreislauf der Gewalt - praktiziert wird. Im Gespräch soll bewusst werden, wie häufig dieses Vergeltungsprinzip im täglichen Umgang miteinander angewendet wird.
Einsatz im Unterricht
Hörauftrag Die Klasse hört sich den Radiobeitrag etwa bis zur Hälfte an. Im Manuskript am Ende der Seite 4 statt (nach "…der Täter geheilt wird.") wird unterbrochen, damit die Schüler sich allgemein Notizen zu den genannten Fakten und den zitierten Personen machen können. Die im Arbeitsblatt 1 "Psalmen" gestellte Frage nach der Sinnhaftigkeit von "Hasstiraden und Rachewünschen" wird an dieser Stelle als Zwischenergebnis bearbeitet. Dabei werden die drei Argumentationslinien festgehalten. Auf dem Arbeitsblatt 2 finden sich die drei Lösungsformulierungen zum Arbeitsauftrag 1.
Im Anschluss wird die Sendung zu Ende gehört.
Arbeitsauftrag zum Gehörten Im zweiten Teil der Sendung wird eine Entwicklung bzw. ein religiöser Reifungsprozess vorgestellt. Dieser sollte von der Klasse nachvollzogen und in seiner Struktur schrittweise festgehalten werden. Ein Vorschlag hierfür findet sich auf dem Arbeitsblatt 3 "Entwicklungslinien". Der Lehrer kann das Blatt auf dem Overhead verdeckt halten und danach zeilenweise aufdecken, wenn die Schüler sich die einzelnen Ergebnisse gemeinsam erarbeitet haben.
Am Schluss werden anhand der beiden Arbeitsblätter und der Notizen, die die Schüler gemacht haben, die Ergebnisse zusammengetragen. Die Schüler können dazu entweder an der Tafel die Ergebnisse schriftlich zusammenfassen oder in Gruppen mündlich das Erarbeitete wiederholen.
Nacharbeit
Gruppendiskussion Die Schüler diskutieren über das Thema: - "Der oder die ist auch so ein Opfer", heißt es in der Jugendsprache. Sie besprechen in Gruppen, was damit gemeint ist und wie sich ihrer Meinung nach dieses punktuelle Opferbild zur großen Opferthematik in Beziehung setzen lässt.
- Ausgehend von den besprochenen Meinungen vertiefen die Schüler nun das Thema "Opfer/Sündenbock", dessen Schuld oder Unschuld und dessen Funktion für das Kollektiv. Zur weitergehenden Diskussionsgrundlage dient dazu auf dem Arbeitsblatt 4 "Diskussion" ein Hinweis auf ein Interviewhinweis mit dem Religionsphilosophen René Girard, das die Schüler im Internet nachlesen und anschließend besprechen.
- Hinter den beiden großen Unrechtsregimen im Europa des 20. Jahrhunderts, der NS-Diktatur und der Sowjet-Diktatur, standen religionsferne Ideologien. Wie denken die Schüler darüber, ob Religionsfeindlichkeit - bzw. ein als Religionsersatz errichteter Staat – Gewalt produziert?
- Die Trennung von Staat und Kirche gilt als "Frieden sichernde Maßnahme". Diese These diskutieren die Schüler, auch im Hinblick auf den Islam.
Ergebnissicherung und Gruppenarbeit 1993 hat der Theologe Hans Küng das "Projekt Weltethos" gegründet, das zum Dialog der Weltreligionen aufruft. Es geht nicht um theoretische Konzepte, sondern um die Anwendung einer ethischen Grundhaltung in Politik und Wirtschaft. Das Projekt bietet sich für eine längere Gruppenarbeit innerhalb der Klasse an. - Ein Schüler gibt eine Einführung in Problemstellung und Handlungsbedarf, so wie Hans Küng dies 1993 gemacht hat. - In verschiedenen Arbeitsgruppen werden dann Vorschläge erarbeitet und mit den Ergebnissen der "Stiftung Weltethos" verglichen. S. dazu die Literaturtipps, den Link zur Stiftung und den Link zum Schulserver der Stiftung.
Referate
Für Referate bieten sich folgende Themen an: - Die Blutspur des Christentums: Inquisition, Hexenverfolgung, Kreuzzüge und Gewalt-Mission (s. dazu den radioWissen Beitrag über Hexenverfolgung) - Gewaltloser Kampf? Mahatma Gandhi (s. dazu den radioWissen Beitrag über Ghandi) - "Heiliger Krieg". Rückkehr zu archaischer Gewalt?
Fächerübergreifende Referatsmöglichkeiten - Religion und Krieg bei Sigmund Freud - Die Kritik der griechischen Dramendichter an den gewaltverhafteten Göttern
Lehrplanbezug
Lehrplan für die bayerische Realschule:
Katholische Religionslehre, 8. Jgst. Auf der Suche nach Orientierung: biblische Weisungen, KR 8.2 Katholische Religionslehre, 9. Jgst. Sich entscheiden können: Gewissen und Verantwortung, KR 9.3 Katholische Religionslehre, 10. Jgst. Dürfen wir alles, was wir können? – Chancen und Gefahren für ein menschenwürdiges Leben, KR 10.3 Katholische Religionslehre, 10. Jgst. Schuld erfahren, frei werden durch Vergebung und Versöhnung, KR 10.4
Evangelische Religionslehre, 8. Jgst. Anderen Menschen begegnen: Bereicherung durch Verschiedenheit, EvR 8.5 Evangelische Religionslehre, 9. Jgst. Jesus Christus: Perspektive für das Leben – Hoffnung darüber hinaus, EvR 9.1 Evangelische Religionslehre, 10. Jgst. Die Frage nach Gott, EvR 10.1
Lehrplan für das bayerische Gymnasium:
Katholische Religionslehre, 8. Jgst. Herausforderungen an die Kirche der Neuzeit, S. 1447f. Katholische Religionslehre, 9. Jgst. Grundeinsichten des Glaubens, S. 1449 Katholische Religionslehre, 9. Jgst. Sich entscheiden: Was ist gut – was ist böse?, S. 1452 Katholische Religionslehre, 10. Jgst. Erlösung und Befreiung durch Jesus Christus, S. 1453 Katholische Religionslehre, 11. Jgst. Die Bibel als Urkunde des Glaubens, S. 1458 Katholische Religionslehre, 11. Jgst. Kirche unter dem Anspruch Jesu, S. 1459
Evangelische Religionslehre, 9. Jgst. Der Glaube an Jesus Christus, S. 20 Evangelische Religionslehre, 10. Jgst. Herausforderung an die Kirche im 20. Jahrhundert, S. 27 Evangelische Religionslehre, 11. Jgst. Die Bibel als Grundlage des Glaubens, S. 28 Evangelische Religionslehre, 11. Jgst. Friede und Gerechtigkeit, S. 29
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