- Eröffnung des Suezkanals 1869
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„Hier, wo sich Asien und Afrika von jeher begegneten, ohne sich zu berühren, findet heute eine erhabene Feier statt. Das Kreuz steht neben dem Halbmond.“ Mit diesen Worten entsprach der französische Prälat Monseigneur Bauer als Abgesandter des Vatikans der Stimmung der illustren Festgäste. Die französische Kaiserin Eugénie, der österreichische Kaiser Franz Joseph, der deutsche Kronprinz Friedrich von Preußen und der Bruder des Zaren, Großfürst Michael - sie alle waren auf Einladung des ägyptischen Vizekönigs nach Port Said gekommen. Nur der Sultan von Konstantinopel war nicht dabei - auf Grund politischer Auseinandersetzungen mit Ägypten, das damals nominell noch unter der Oberhoheit des Osmanischen Reiches stand. Gepriesen wurde der Erfinder und Erbauer dieses Jahrhundertprojekts der künstlichen Wasserstraße, Ferdinand de Lesseps. Die Idee dazu allerdings war schon vor 3.000 Jahren entstanden.
- Die Idee, einen Kanal zu bauen
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Historiker gehen davon aus, dass bereits ägyptische Pharaonen, Bauarbeiten ausführen ließen, die Landenge von Suez zu überwinden. Schriftliche Beweise für den Bau eines solchen Kanals liegen für die Regentschaft von König Necho II. vor, der 610 vor Christus auf den Thron kam. Hundert Jahre später, als der Perserkönig Darius I. Ägypten endgültig seinem Reich einverleibte, ließ er vom Mittelmeer aus einen Kanal zum Nil und weiter südlich vom Nil einen Kanal zum Roten Meer bauen. Allerdings versandeten die beiden Kanäle im Lauf der Zeit, denn der Nilschlamm verstopfte die Wasserstraßen. Die Idee blieb dennoch stets lebendig. Einmal schlugen die Venezianer dem Sultan einen Kanalbau vor, dann versuchte der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz im 17. Jahrhundert den französischen König Ludwig XIV. dafür zu begeistern. Auch Napoléon hatte ein Auge auf das Projekt geworfen. Schließlich wollte er Ägypten als „Brückenkopf“ für einen Angriff auf die Engländer in Indien benützen und dafür brauchte er einen Kanal durch die Landenge von Suez. Aber erst nach seiner Zeit kam das Projekt wieder ins Rollen. Denn nun regierte ein Befürworter des Suezprojekts: der Pascha Muhammad Said wurde 1854 Nachfolger auf dem Thron des Vizekönigs von Ägypten. Und er war aus Kindertagen mit dem früheren französischen Konsul in Alexandria, Ferdinand de Lesseps befreundet.
- Ferdinand de Lesseps
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Der Cousin der Kaiserin Eugénie hoffte nun, mithilfe seines Jugendfreundes seine Vision vom Suezkanal endlich verwirklichen zu können. Sie entsprach durchaus dem Fortschrittlichkeitsdenken der damaligen Zeit. Ein Kanal, der den Seeweg von Europa nach Indien um die Hälfte verkürzte, kam dem internationalen Handel vorzüglich zupass. Der hatte im Wirtschaftsboom nach der industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts großen Aufschwung erfahren. Lesseps trug also Said sein Kanal-Memorandum vor, konnte den Vizekönig für das Projekt begeistern, der es gleich allen auswärtigen Botschaftern in seinem Palast vorstellen ließ. Nur der englische Botschafter Wright-Bruce fürchtete das Projekt, weil ein Kanal die englische Seeroute um Afrika herum bedrohte. Denn wer diesen neuen Kanal beherrschte, beherrschte den Zugang nach Asien. Doch de Lesseps setzte gegen den Widerspruch Großbritanniens das großartige Projekt durch, und bekam von Said die Konzessionsurkunde. Die Suezkanalgesellschaft, deren Direktor Lesseps wurde, erhielt für 99 Jahre alle Nutzungsrechte und auch das Land kostenlos zur Verfügung gestellt, ebenso die Bauarbeiter. 200 Millionen Francs sollte der Bau kosten. De Lesseps gab Aktien zu jeweils 200 Fancs an Kleinaktionäre heraus. Zwei Drittel davon zeichneten die Franzosen, zwei Drittel die Ägypter – die Engländer sowie Großbanken und Großunternehmen hielten sich zurück. Die technische Planung ging für de Lesseps leichter vonstatten, da kannte er einen internationalen Experten, der schon eine genaue Berechnung des Kanals in seiner Schublade hatte.
- Alois Negrelli
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Der österreichische Eisenbahnpionier aus den Dolomiten, Alois Negrelli-Montelbe, hatte 1836 bereits mit einer internationalen Studiengruppe den Kanalbau für Saids Vater, den Pascha Muhammad Ali, technisch entworfen. Als Negrelli 1858 starb, behauptete de Lesseps, Negrelli habe ihm die Pläne vor seinem Tode verkauft. Dagegen zog die Tochter Negrellis vor Gericht und behauptete, de Lesseps habe die Pläne anlässlich seine Kondolenzbesuches in Wien aus seinem Arbeitszimmer entwendet. De Lesseps Geltungsdrang war seinem Ruf nicht zuträglich, aber ohne seine Rastlosigkeit wäre das Projekt sicherlich nicht verwirklicht worden.
- Der Bau
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1859 begannen die Bauarbeiten. Das Material dazu kam aus Europa: Werkzeuge, Kohle, Maschinen, Holzbohlen wurden auf der Donau abwärts durch den Bosporus und die Dardanellen nach Port Said verschifft. Diese Hafenstadt entstand schnell im Zuge dieser Bauarbeiten und hatte nach einem halben Jahr bereits 10.000 Einwohner. Zwangsrekrutiert zum Bau wurden Hunderttausende von Fellachen, aber dass sie, wie englische Zeitungen schrieben, wie Sklaven schuften mussten, stimmte nicht. De Lesseps zahlte das, was üblich war, 3 Piaster pro Tag, er hatte Ärzte kommen und Lazarettzelte aufstellen und einen Süßwasserkanal legen lassen. Dennoch musste de Lesseps um sein Projekt bangen, weil die Engländer ihm diplomatisch Steine in den Weg legten.
- Diplomatische Verwicklungen
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Die Engländer beeinflussten den Sultan in Konstantinopel, die Zustimmung zum Bau des Kanals zu verweigern. Die diplomatischen Verhandlungen, wohl eher Intrigen und Beeinflussungen, zogen sich jahrelang hin. Erst 1866 gab der Sultan seine offizielle Zustimmung, nachdem seinem Großwesir Schulden von anonymer Seite – da hatte der Vizekönig von Ägypten seine Hand im Spiel - beglichen wurden und er daraufhin zum Fürsprecher des Suezkanals avancierte. So konnte der Bau beendet und die Eröffnung am 17. November 1869 feierlich begangen werden. Ferdinand de Lesseps großes Werk war vollbracht.
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