|
|
 | Der Wäscheschrank ist der Bücherschrank der Frau - Hausfrau im Biedermeier |
 |
 |
 |
 |
- Die Frau gehört ins Haus
-
Diese schöne Mahnung von Friedrich Schiller stand auf einem der beliebten "Neuruppiner Bilderbogen", den Vorfahren der Poster und Plakate, unter der großen Überschrift: "Für vergessliche Ehemänner". Die gering geschätzte Arbeit der Hausfrau wurde auf diese Weise überhöht und verklärt, die reale Hausfrau hatte natürlich nichts von solchen Sprüchen. August Wilhelm Schlegel hat das auch ganz richtig erkannt, als er Friedrich Schiller parodierte."Ehret die Frauen! Sie stricken die Strümpfe wollig und warm zu durchwaten die Sümpfe. Flicken zerrissene Pantalons aus. Kochen dem Manne die kräftigen Suppen. Nähen den Kindern die niedlichen Puppen. Halten mit mäßigem Wochengeld Haus."
- Hausfrau und Mutter
-
Die Lebensbestimmung der Frau war es, Hausfrau und Mutter zu sein. Wenn sie Mägde hatte, die die groben Arbeiten übernahmen, das Herbeischleppen von Wasser, das Bügeln mit den schweren Holzkohlebügeleisen, das Rupfen des Federviehs, und wenn sie eine wohlgefüllte Speisekammer und eine von Kochgeräten blitzende Küche besaß, dann konnte das Hausfrauenleben im Biedermeier durchaus behaglich sein - doch alles war auf die private Sphäre beschränkt. Während die Handwerkersfrau wenigstens noch in den arbeitsteiligen Prozess der Werkstatt integriert war, blieb die Beamtenfrau ganz in ihre familiäre Welt "verbannt". Das Putzen des Hauses, die Erziehung der Kinder, Kochen, Backen und Einmachen, Nähen und Stopfen, das waren die Tätigkeiten von früh bis spät. Wenn es Freizeit gab, dann musste sie mit Sticken und Stricken gefüllt werden - das Lesen und Studieren galt als unweiblich.
- Hausgeschneidert, Hausgebacken, Selbstgemacht
-
Eine typische Biedermeierfamilie umfasste einen Hausstand von etwa 12 Personen: Die Eltern, sieben Kinder, eine Köchin, eine Kinderfrau, eine Amme für das Jüngste. Im Herbst wurden zwanzig Sack Kartoffeln im Keller gelagert. Das Obst wurde schon im Sommer geschält und eingemacht oder aber beim Bäcker zu Dörrobst getrocknet. Von allen Gemüsearten wurde schon im Herbst der ganze Jahresvorrat angeschafft und in Kisten im Keller, umgeben von grobem Sand, gelagert. Sauerkraut, Gurken und Rote Rüben wurden eingemacht, Heringe sauer eingelegt. Die feineren Früchte wurden zu Säften und Gelees verarbeitet, allerdings für Krankheitsfälle reserviert. Kamille, Holunder, Salbei und andere Heilkräuter wurden getrocknet, um sie bei Bedarf zu Arzneizwecken zu verwenden.
Allwöchentlich wurde das Brot zuhause "angeteigt", also der Teig geknetet, dann zum Bäcker gebracht, damit er es backte. Kuchen für Feste wurden zuhause gebacken. Die Milch kaufte man beim Bauern, den Rahm schöpfte man selber ab. Das Bier wurde in Fässern geliefert, die Hausfrau füllte es dann in Flaschen ab. Wer schlachten konnte, machte die Wurst selber. Das Geflügel wurde überall selbst gerupft, die Federn ließ man schleißen und stopfte dann die Decken damit. Wenn wir auf alten Abbildungen die wohlgefüllten Speisekammern sehen, spüren wir ein Gefühl des Behagens, doch der biedermeierlichen Hausfrau machte diese Selbstversorgung große Mühe. Immerhin gab es noch kein Personalproblem: Dienstboten, die einmal wöchentlich die Zimmer- und die Treppenböden scheuerten, gab es reichlich.
- Trautes Heim
-
Eine der entscheidendsten und nachhaltigsten Leistungen der Biedermeierzeit ist die neue bürgerliche Wohnkultur. Außer Stricken und Sticken war als Freizeitbeschäftigung auch noch das Klavierspielen erlaubt, und alle drei Tätigkeiten konnten auch ausgeübt werden, wenn Besuch kam. Pfarrer Willibald Beyschlag erinnert sich an seine Kinderzeit: "Schon früh im Herbst flammte im Wohnzimmer das Feuer im Kamin, bis spät ins Frühjahr hinein, als heiteres Vor- und Nachspiel der Wintertragödie mit ihrem Ofenmittelpunkt. Es war eine unvergleichliche Gelegenheit, Äpfel und Kastanien in einen schmackhafteren Zustand zu versetzen, und in der Dämmerung setzte sich die Mutter mit dem Strickzeug zu uns, während sie uns Märchen erzählte. Später trat ich dann mein Amt als Vorleser an. Als wir unser Klavier bekamen, nach dem Umzug ins neue Haus, spielte Mutter ,Unsern Eingang segne Gott'."
Das Klavierspiel wurde zum geselligen Instrument, stand bald in jedem Wohnzimmer. Jede Bürgerstochter lernte Klavierspielen. Die wöchentlichen Klavierstunden und das tägliche Üben boten erste Möglichkeiten zum Kontakt mit dem anderen Geschlecht, man besuchte einander reihum und spielte vierhändig oder begleitete zum Gesang. Dass das Klavierspiel dann nach der Hochzeit von den jungen Frauen nicht mehr ausgeübt wurde, wenn sie nicht von Natur aus musikalisch waren, ist verständlich. In den meisten Fällen war es ja mechanischer Zwang, den man ihnen auferlegt hatte. Der Zwang, himmlische Rosen ins irdische Leben zu flechten…
|
|
 |
|