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Die Ödipus-Sage
Szene aus Pier Paolo Pasolinis Film 'Ödipus Rex' mit Franco Citti  © dpa Als Säugling ausgesetzt, mit durchstochenen und zusammen gebundenen Füßen, nur knapp dem Tod entronnen, meint es das Schicksal - so scheint es - endlich gut mit Ödipus: liebevoll umsorgt von seinen Adoptiveltern wächst das einst so misshandelte Kind glücklich heran. Der Schein trügt. Denn laut Orakel ist ihm der Lebensweg bereits vorgezeichnet: Vatermord und Inzest. Die Prophezeiung tritt ein, und am Ende blickt Ödipus auf den Scherbenhaufen seines Lebens, in dessen Schicksalsfalle er so blindlings gegangen war, weil er Schein und Sein nicht zu unterscheiden vermochte. Schon dem griechischen Dichter Homer, der in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. lebte, war die Sage von König Ödipus bekannt. Sein Landsmann und Kollege Sophokles machte sie gut vierhundert Jahre später als Tragödie bühnenreif. Als Familiendrama, Psychothriller und Krimi zugleich hat sie bis heute an Faszination nicht verloren und in Literatur, Philosophie und Psychologie ihre Spuren hinterlassen.


Stand: 11.05.2010