- Komplexes Phänomen
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Aggression ist ein gesamtgesellschaftliches und sehr komplexes Phänomen. Da wird von uns erwartet, dass wir uns im Beruf und im öffentlichen Leben durchsetzen, dass wir uns in Konkurrenzsituationen und Konflikten erfolgreich behaupten. Gleiches erhoffen wir von unseren Kindern. In den Medien wird vorgeführt, dass gerade das konsequente Verfolgen und Verteidigen egoistischer Interessen weiterbringt. Wie groß wäre das Gähnen, wenn in einem Kinofilm nur Argumente ausgetauscht würden: Action ist gefragt. Und wie groß ist das Entsetzen, wenn gerade solche Action in der Realität überhand nimmt, in den unkontrollierten Exzess kippt, wenn es an Schulen oder öffentlichen Plätzen zu gewalttätigen Übergriffen kommt.
- Feindliches Herangehen
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Aggression bedeutet wörtlich das (feindliche) Herangehen, also eine Verhaltensform, die das Ziel hat, andere Lebewesen zu schädigen oder zu verletzen, Dinge zu beschädigen oder zu zerstören. Was die Motivation betrifft, so wird unterschieden zwischen der instrumentellen (die planvoll und zielorientiert vorgeht) und der affektbedingten Aggression (sie geschieht unüberlegt, im erhitzten Zustand).
- Aggressives Verhalten im Tierreich
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Aus der Verhaltensforschung weiß man, dass aggressives Verhalten im Tierreich weit verbreitet ist. Es wird dort vor allem beobachtet im direkten Wettbewerb um Nahrung und Ressourcen, im Paarungsverhalten und in der Fortpflanzung, in der Bildung von Hierarchien. Konrad Lorenz sah einen angeborenen, überlebenswichtigen und also grundsätzlich sinnvollen Aggressionsinstinkt wirken, gleichzeitig aber auch eine angeborene art-interne Tötungshemmung, die Gewaltexzesse verhindert.
- Gesellschaftliche Aggression
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Welche Formen von Aggression gefordert, geduldet oder verboten sind, steht jeweils in unmittelbarem Zusammenhang mit der politischen Situation und dem Wertesystem einer Gesellschaft (z.B. positive Aggression im Krieg). Ferner gibt es gesellschaftlich akzeptierte Formen des Umleitens oder Auslebens (z.B. im Sport, in der Kunst und auch in der Wissenschaft) sowie der kulturellen Überwindung von Aggression (durch bestimmte Rituale).
- Natur und Ethik
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Man weiß heute, dass viele Faktoren zusammenwirken und darüber entscheiden, wer sich in welcher Situation wie verhält. Man geht davon aus, dass Individuen genetisch verschieden aggressiv veranlagt sind und individuelle seelische Befindlichkeiten sowie gruppendynamische Faktoren und Hierarchien das Maß an Aggressivität beeinflussen. Gleichzeitig spielen ökologische und soziale Faktoren (z.B. hohe Gruppendichte) eine wichtige Rolle. Auch die Informationsauswertung im Gehirn (Amygdala) ist jeweils unterschiedlich. Es gibt hier keine festen Größen, denn Sozialisation dauert ein Leben lang, und durch einschneidende Erlebnisse können Haltungen sich grundlegend ändern.
- Relevante Theorien
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Wie also entstehen Aggressionen und Gewalt? Verschiedene Bereiche der Wissenschaft waren und sind gefordert, Erklärungen zu liefern: die Genetik, die Neurowissenschaften, die Verhaltensforschung, Psychologie und Pädagogik, Ethik, Soziologie und Philosophie. Die so genannte Trieb- und Instinkttheorie besagt, dass der Mensch ein angeborenes Aggressionspotenzial in sich hat. Zum Menschsein gehört ein ständig fließender Impuls sowohl zur Lebenserhaltung als auch zur Zerstörung. Eros und Thanatos (Liebe und Tod, auch im übertragenen Sinne), hat die Psychoanalyse diese beiden Triebkräfte bezeichnet. Und der Mensch habe eigentlich nur die Wahl, entweder sich selbst oder anderen Leid zuzufügen. In Ergänzung hierzu ist die Frustrations-Aggressions-Theorie zu verstehen. Sie betrachtet das Individuum in seinem sozialen Umfeld und geht von der Tatsache aus, dass aggressives Handeln oftmals Elemente von Machtstreben, Geltungsbedürfnis, Kompensation und Vergeltung enthält. Handeln, das als kränkend, beleidigend oder demütigend wahrgenommen wurde, löst Gefühle von Ohnmacht, Unterlegenheit, Wut oder Hass aus, und diese wiederum erzeugen aggressives Verhalten. Und noch ein Drittes kommt hinzu, die Frage nämlich, mit welchen Verhaltensweisen man durchkommt und welche Formen zurückgewiesen werden. Wie und mit welchem Ergebnis also werden Ohnmacht und Wut ausagiert? Gerade im Bereich der Familie wird deutlich, in welchem Maße Kinder bestimmte Verhaltensweisen von Eltern oder älteren Geschwistern übernehmen, selbst wenn sie darunter leiden oder gelitten haben. Unterschieden wird hier zwischen zwei Formen: Lernen am Modell (aggressives Verhalten wird von Vorbildern übernommen) und Lernen am Erfolg (eigenes aggressives Handeln war erfolgreich und wird deshalb wiederholt und verschärft). Mit diesen Fragen und Beobachtungen befasst sich die Lerntheorie.
Eine Fülle von Theorien, aber auch eine Fülle von Möglichkeiten, wo Wissenschaftler, Pädagogen aber auch Politiker und Publizisten - und nicht zuletzt jeder Einzelne selbst - ansetzen könnte, um – ebenfalls im Dienste des Überlebens – Angriffslust in konstruktive Bahnen zu lenken.
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