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Es fließt, strömt und tröpfelt - Das feuchte Element in der Literatur
Hintergrund
Definition von Wasser Wasser in alten Texten
Wasser in der neueren Literatur Wasser in all seinen Facetten
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Definition von Wasser

Wasser besteht aus Molekülen, gebildet aus je zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Andere, der chemischen Nomenklatur entsprechende Bezeichnungen lauten Wasserstoffoxid, Diwasserstoffmonoxid, Wasserstoffhydroxid, Dihydrogeniumoxid, Hydrogeniumoxid, Hydrogeniumhydroxid oder Dihydrogenmonoxid. Wasser ist aber viel mehr als nur eine chemische Verbindung, Wasser ist lebensnotwendig für den Menschen. Nicht umsonst zählt das Element neben Feuer, Luft und Erde zu den Urelementen der Erde. Der griechische Naturphilosoph Thales von Milet (624-546 v. Chr.) bezeichnete das Wasser sogar als den Urstoff allen Seins. In der indischen Kultur gilt Wasser als heilig: Wer sich im Fluss Ganges wäscht, ist gereinigt, nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch, denn das heilige Wasser befreit von Sünden und eignet sich daher ideal für Reinigungsriten aller Art. Wer aus dem Ganges trinkt, wird eins mit Gott, so heißt es in dem hinduistischen Epos "Narada Purana".

 
Wasser in alten Texten

In der Bibel heißt es: "Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: Es sammle sich das Wasser unter dem Himmel an besondere Orte, dass man das Trockene sehe. Und so geschah es." – Wasser als Leben spendendes Elixier. Es sind nicht nur Ritualtexte oder verschollen geglaubte Schriftrollen, die das Wasser als rein und heilig preisen, Dichter und Schriftsteller über Epochen hinweg sehen in diesem Element ein beliebtes Thema, wie ein Streifzug durch die Literatur beweist.

 
Wasser in der neueren Literatur

Auch die bedrohliche, die Unheil versprechende Seite des Wassers, wird in der Literatur thematisiert. Dies erahnt der Leser z.B. bereits im Titel von Bertolt Brechts (1898-1956) 1920 erschienenem Gedichten "Vom ertrunkenen Mädchen", wo Wasser den Tod bringt. Eine andere Sichtweise wiederum beschreibt der Komiker Karl Valentin (1882-1948), für den Wasser alleine nicht ausreicht, um zu überleben, wie er in seinem "verregneten Artikel" klagt. Wasser im Winter, Eis und Schnee also, preist der dänische Dichter Hans Christian Andersen (1805-1875) in sämtlichen seiner über 160 Märchen und thematisiert den Schnee bisweilen schon im Titel, wie bei "Die Schneekönigin" oder schreibt von fürchterlichen Schneestürmen und hohen Schneedecken in "Des Jahres Geschichte".

Schnee schmilzt, das Wasser beginnt zu fließen, zu tröpfeln, zu strömen: „Walle! Walle manche Strecke, dass zum Zwecke, Wasser fließe und mit reichem, vollem Schwalle zu dem Bade sich ergieße.“ ("Der Zauberlehrling" 1797). In Goethes berühmten Gedicht verwandelt ein Zauberlehrling einen Besen in einen Knecht, der Wasser für ihn schleppen muss. Zu Anfangs stolz auf seine Leistung, gerät die Situation schnell außer Rand und Band. Das Wasser fließt und strömt: "Welch entsetzliches Gewässer!" Während der "Zauberlehrling" nicht mehr Herr über die Situation, notgedrungen das Wasser verwünscht, sehnt sich der Schriftsteller und Pilot Antoine de Saint- Exupéry (1900-1944) umso mehr danach. Auf einem Landeplatz in der Wüste Sahara stationiert, rettet er vielen notgelandeten Piloten das Leben und schreibt aus einer solchen Extremsituation heraus in dem Kapitel "Durst" des Romans "Wind, Sand und Sterne" (1939) ein Loblied an das Wasser.

Ein Schriftsteller erklärt das Wasser zu seinem Lieblingsthema und widmet ihm 1998 einen ganzen Roman: "Vom Wasser". Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass John von Düffel (*1966) sich als Schwimmer dem Element ganz nahe sieht. Für ihn hat Wasser etwas Sinnliches an sich "ein sehr poetisches Element, das einen berührt, wie durch die Haut hindurch".

 
Wasser in all seinen Facetten

So werden in der Literatur die unterschiedlichsten Aspekte von Wasser thematisiert: Das Leben bringende, das Unheil verheißende, tötende Wasser. Das reine, ja heilige Element, der Zauberlehrling, der des Wassers überdrüssig wird, der Pilot, der Leben damit rettet. WASSER – eine chemische Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff (H2O), eine geruch- und geschmacklose, klare Flüssigkeit. WASSER ist viel mehr als das. Die Literatur bestätigt es.