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"Du musst das Leben nicht verstehen …" Rainer Maria Rilke – eine Annäherung
Hintergrund
Rilke als rastloser Reisender Mäzenatentum um Rilke
Rilke und die Frauen Der Beginn des 1. Weltkrieges
Rilkes Meisterwerke
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Rilke als rastloser Reisender

Rainer, eigentlich René, Maria Rilke wird am 4. Dezember 1875 in Prag, dem Schmelztiegel aus deutscher, jüdischer und tschechischer Kulturtradition als Sohn eines Beamten geboren. Nach dem gescheiterten Besuch einer Kadettenschule und einem abgebrochenen Studium der Kunstgeschichte entschließt sich der junge Rilke für den Schriftstellerberuf. Seine ersten literarischen Versuche (Leben und Lieder, (1894), Larenopfer (1896), Traumgekrönt, (1897)) enthalten wenig eigenes Ausdrucksvermögen. Dies ändert sich, als Rilkes unstetes Wanderleben beginnt: Der Dichter verlässt seine Geburtsstadt Prag, um sich neue „Heimaten“ zu suchen. An über 100 Orten in 12 verschiedenen Ländern bezieht er sein zeitweiliges Domizil. Systematisch sucht er nach Orten, die ihn in seiner Arbeit als Dichter inspirieren. Seine Stationen führen ihn über Russland – Rilke ist der Weite der Landschaft und der russischen Seele sehr zugetan – auch nach Afrika. Dort begeistert er sich für die Sphinx, die er auch in seinen Gedichten verewigt. Allmählich wird aus dem jungen Vielschreiber ein moderner Dichter. Dies hat er nicht zuletzt seinem Parisaufenthalt zu verdanken: In seinem einzigen Roman "Malte Laurids Brigge", (1910), schreibt Rilke vermutlich ziemlich autobiographisch von seinen Großstadterfahrungen. Es sind aber immer wieder die malerischen Orte, wie etwa das andalusische Bergstädtchen Ronda, an die es den Lyriker immer wieder hinzieht. Sie dienen als Inspirationsquellen für seine Werke. – insbesondere seinem Elegien-Projekt, den "Duineser Elegien" (1923 vollendet).

 
Mäzenatentum um Rilke

Sein Leben als heimatlose Dichterexistenz in Mietwohnungen, Hotels und Schlössern kann er ohne einen zusätzlichen Beruf führen, denn es finden sich immer genug Verehrer und Unterstützerinnen, wie zum Beispiel seine Mäzenin und Vertraute, die Fürstin Marie von Thurn und Taxis. Sie achtet auch darauf, dass es mit Rilkes dichterischem Schaffen voran geht. Rilkes ausdrucksstarke Sprache beschert ihm etliche weitere Verehrerinnen.

 
Rilke und die Frauen

So geht der charismatische Rilke zahlreiche Liebesbeziehungen ein, sei es mit der Pianistin Magda von Hattingberg oder seiner treuen Freundin, der Halbrussin Lou Andreas-Salomé. Er selbst steht selbstkritisch zu seinen Affären und empfindet sich als rücksichtslos gegenüber den Damen. So ist es wenig verwunderlich, dass selbst die Heirat mit der Bildhauerin Clara Westhoff (1901) ihn nicht an einen Ort zu binden vermag: Im Jahr 1902, nur wenige Monate nach der Geburt seiner Tochter Ruth, verlässt er die Familie und geht nach Paris, um als Sekretär des Bildhauers Auguste Rodin zu arbeiten. Rilke hält nur noch in Briefen Kontakt zu seiner Familie. Beziehungen auf Distanz, das ist es, worin Rilke sein Ideal sieht. So sehr er in seinen Gedichten die für ihn so notwendige Einsamkeit inszeniert, so sehr widmet er sich aber auch dem aus verbindlichen und herzlichen Briefen bestehenden Beziehungsnetz von Mäzenen, Freunden und Geliebten, die er für seine Kunst benötigt.

 
Der Beginn des 1. Weltkrieges

Wie sehr sich seine Freunde für ihn einsetzen, wird bei Ausbruch des 1. Weltkrieges deutlich. Rilke lässt seine Beziehungen spielen und verlebt, nach nur einem Jahr Kriegsdienstleistung, die Zeit des Krieges in München. Selbst wenn Rilke vom Dienst an der Waffe suspendiert, ins Archiv versetzt wird, der Beginn des 1. Weltkrieges äußert sich bei ihm in einer Krise. Seine pazifistische Einstellung passt nicht in das Bild der deutsch-patriotischen Intellektuellen, die den 1. Weltkrieg mit Jubelrufen begrüßen. Rilke behandelt nun überwiegend Themen wie Tod, Sterben, Trauer und Klage in seinen Gedichten.

Erst als er sich 1921 im abgelegenen Muzot, in der Schweiz niederlässt, findet die heimatlose Dichterexistenz, der ewig rastlose Reisende, tatsächlich so etwas wie eine Heimat. Die Berglandschaft von Muzot treibt ihn zu Höchstleitungen: Seine Krise überwunden, entstehen die 26 Sonette an Orpheus (1923) und er vollendet seine einst in Duino begonnenen Elegien.

 
Rilkes Meisterwerke

Diese beiden Gedichtzyklen sind Rilkes poetische Meisterwerke. In den 10 Elegien, die der Dichter für sein Hauptwerk hält, kommen ein lebensbejahender Impetus wie auch tiefgründige Gedanken zum Tod gleichermaßen zum Zug. Auch in seinen Sonetten preist Rilke das Leben und den Tod. Seine präzise formulierte Stimmungslyrik macht ihn zu einem der bedeutendsten und einflussreichsten modernen Dichter der deutschsprachigen Literatur.

Der an Leukämie erkrankte Rilke stirbt im Alter von nur 51 Jahren am 29. Dezember 1926 in Val-Mont (heute ein Stadtteil von Montreux). Nach dem Dichter ist ein bedeutender Literaturpreis benannt.