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Dem Fass die Krone ins Gesicht... Woher kommen Redensarten?
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Sprichwörter und Redensarten

Ein typischer Bürospruch von heute. Mal abgesehen davon, dass es Goethe vielleicht nicht recht wäre, dass sein Götz das meistzitierte aller Goethezitate geworden ist, spricht es doch für die Vitalität dieses Verses, dass er nicht nur Zitat, sondern Redensart geworden ist. Die Redensarten gehören zur Familie der Sprichwörter und sie werden, weil sie in ihrer Formelhaftigkeit den Sprichwörtern verwandt und ebenso volkstümlich sind, "sprichwörtliche Redensarten" genannt. Die meisten sprichwörtlichen Redensarten bedürfen der Einsetzung eines Satzgliedes, um vollständig zu sein: "Es geht (ihm) ein Licht auf" oder "(Danach) kräht kein Hahn". Mit den selbstständigen Sprichwörtern verbindet sie der Wunsch des Sprechenden, schlagkräftig und bildlich-anschaulich zu reden. Die Unterschiede sind also nur syntaktisch, inhaltlich sind die Grenzen fließend.

Sprichwort und Redensart haben drei Quellen: Antike, Bibel und Volksmund. Man kann sie nach dieser Herkunft ordnen, aber auch nach den Lebensgebieten, denen ihre Bildlichkeit entstammt: Rechtswesen, Jagd, Geld und Geschäft, Arbeit, Schule usw. Oder aber nach der Lebenserfahrung, die sie thematisieren: Weib und Mann, Liebe und Ehe, Jugend und Alter, Gesundheit, Tod. Am beliebtesten war das Sprichwort im 16. und 17 Jahrhundert, wie z. B. die Historia von Doktor Fausten (1587) zeigt: "Darum, mein Fausto, ist nicht gut mit großen Herren und dem Teufel Kirschen essen, sie werfen einem die Stiele ins Angesicht. Des Brot du gegessen hast, des Liedlein musst du singen. Hoffarth tut nicht gut, du wolltest wohl Hans in allen Gassen sein, aber den Teufel zu beherbergen, braucht einen guten Wirt" usw. usw.

 
Sammlungen

Schon im Jahr 1604 gab es eine große Sprichwörtersammlung (Friedrich Peters), im Jahr 1616 die zweit (Georg Henisch) und 1630 die dritte (Christoph Lehmann). Die umfassendste Sammlung ist bis heute "Das Deutsche Sprichwörterlexikon" von Karl Friedrich Wilhelm Wander (1867-1880). Eine wissenschaftliche Einführung bot Friedrich Seiler mit "Deutsche Sprichwörterkunde" von 1922. Im 20. Jahrhundert kam es zu einem Bruch mit den alten Sprichwörtern und Redensarten, weil sie der gewandelten soziokulturellen Situation nicht mehr entsprachen. Das heißt aber nicht, dass das Sprichwort abgeschafft worden wäre, es heißt nur, dass die Menschen Spaß daran haben, es zu variieren.

Schon Karl Kraus spielte mit Sprichwörtern: "Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein" oder: "Man lebt nicht einmal". Auch Bert Brecht spielte gern mit Sprichwörtern. Mutter Courage singt: "Der Mensch denkt: Gott lenkt. Keine Red davon!" Oder "Reich und Reich gesellt sich gern.". Nicht so witzig war Walter Ulbricht. Er verwendete Sprichwörter massenhaft, aber ganz unspielerisch. Nach dem Mauerbau. "Wenn man das Unkraut nicht bekämpft, erstickt es die junge Saat. Deshalb haen wir die risse in unserem Haus dichtgemacht."

 
Medien

Ein Tummelplatz für herkömmlich wie für abgewandelte Redensarten und Sprichwörter ist der Journalismus. "Guter Wirtschaftsrat ist teuer" oder "Mark bleibt Mark" sind Abwandlungen, "Not mach erfinderisch" oder "Viele Köche verderben den Brei" sind traditionell. Die Werbung varriiert gern Sprichwörter, weil sie bekannt und vertraut sind. Sie sind eingängig und schon tausend Mal gesagt, kurz, allgemein verständlich - all das, was ein Werbespruch auch sein sollte: "Was Ihrer Linie recht ist, ist seinem Herzen billig - Halbarine". "Schenken und schenken lassen - Stonsdorfer". Besonders stolz sind Werbetexter, wenn ihr Spruch die Volkstümlichkeit einer Redensart erreicht: "Nicht immer, aber immer öfter" oder "Er läuft und läuft und läuft....

Die Spontiszene erfand Sprichwörter wie "Eine Frau ohne Mann ist wie ein Fisch ohne Fahrrad" oder "Was sie nicht will, dass ich ihr tu, das füg ich einer anderen zu." Ob diese Redensarten sich halten, also Sprichwortpräsenz erreichen, lässt sich noch nicht sagen. Insgesamt gilt jedoch: Das Sprichwort wird zwar parodiert, aber die Parodie hat ja nur Gültigkeit, wenn das Original noch bekannt ist. Insofern weist die Häufigkeit der Parodien darauf hin, dass der moderne Mensch vom Sprichwort nicht loskommt. Das ist volkssprachliche Dauer im Wechsel.