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Franz Kafka: Die Verwandlung
Didaktik
VorarbeitEinsatz im Unterricht
NacharbeitLehrplanbezug

 
 Vorarbeit
  • Lektüre
    Franz Kafkas "Verwandlung" sollte vorher ganz gelesen werden. Zur Vorbereitung der Arbeit im Unterricht können dabei drei Leitfragen in Gruppen verfolgt werden:
    Gruppe A beobachtet während der Lektüre, wie die Hauptperson im Text genannt wird und fertigt dazu eine Strichliste an. (Die Arbeitsergebnisse dieser Gruppe werden zunächst nicht mit den anderen Schülern besprochen.)
    Gruppe B überlegt, worin die Verwandlung im Text besteht. Ein interpretatorischer Ansatz, der auf einer halben Heftseite skizziert werden sollte.
    Gruppe C richtet ihr Augenmerk auf die sprachliche Darstellung Gregors. In stichpunktartigen Notizen werden sprachliche Auffälligkeiten notiert.


 
 
 Einsatz im Unterricht
  • Hören
    Der Rundfunkbeitrag wird gemeinsam angehört. Gleichzeitig werden die in der Vorarbeit angefertigten Notizen überprüft und gegebenenfalls ergänzt.


 
 
 Nacharbeit
  • Tafelbild
    Kafka selbst wollte nicht, dass der verwandelte Gregor Samsa bildlich dargestellt wird. Das Surreale, das Entsetzliche, sollte ganz in der Fantasie des Lesers bleiben. Als Einstieg in die Erarbeitungsphase dient die Frage, als was Gregor Samsa eines Morgens erwacht. Mögliche Bezeichnungen werden an der Tafel gesammelt. Anschließend wird geraten, welche Bezeichnung Kafka am häufigsten verwendet. Wenn die Ergebnisse der Gruppe A nicht vorzeitig bekannt wurden, ergibt sich eine überraschende Rangfolge, die im Tafelbild festgehalten ist, und das im Klassengespräch sukzessive angeschrieben (bzw. als Overheadfolie aufgedeckt) wird.

  • Mögliche Unterrichtsansätze
    Von der menschlichen und sehr persönlichen Bezeichnung "Gregor" ausgehend ist zu fragen, auf wen oder was sich eigentlich der Titel der Geschichte "Die Verwandlung" bezieht – Gregor scheint sich innerhalb des Textes nämlich nicht zu verwandeln. Am leichtesten lässt sich eine Änderung bei der Schwester nachweisen, was durch ihre Reden und Verhaltensweisen am Text erarbeitet werden kann.

    Gregors nach wie vor weltfremde und letztlich lebensuntüchtige Haltung kann dagegen an sprachlichen Formulierungen seiner erlebten Rede nachgewiesen werden. Die Schülerinnen und Schüler gewinnen leicht Einblick in den grotesken Kontrast zwischen der geschraubten, betont sachlichen Ausdrucksweise Gregors in seinen Gedanken und der alle Grenzen sprengenden Situation, in der er sich befindet. Wenn Gregor – von seiner äußeren Verwandlung abgesehen – immer noch "der alte" ist, könnte die Verwandlung im Wesentlichen in anderen Personen oder Aspekten erfolgen. In Frage kommen hierfür das Verhalten der Familie und besonders der Schwester Gregor gegenüber.

    Auf einem Arbeitsblatt stehen ungeordnet Textausschnitte, in denen die Schwester eine besondere Rolle spielt. Die Schülerinnen und Schüler ordnen diese Textauszüge in der Reihenfolge ihres Vorkommens in der Erzählung. Dann lässt sich eine innere Entwicklung im Charakter der Schwester beschreiben. In einem zweiten Arbeitsgang werden die Lernenden dazu angehalten, Diskrepanzen zwischen der sprachlichen Darstellung und der Situation, in der sich Gregor befindet, zu entdecken und zu interpretieren.

    In einem Textauszug (Arbeitsblatt 4) sollen alle auffälligen Formulierungen unterstrichen und stichpunktartig charakterisiert werden. Im Anschluss an diese Stillarbeit wird im gemeinsamen Unterrichtsgespräch die Wirkung dieser Darstellung analysiert und als knappe Interpretation auf dem Arbeitsblatt festgehalten.

  • Kreatives Schreiben
    Dabei werden verschiedene Erzählwege vorgeschlagen, denen die Schülerinnen und Schüler durch eigene Schreibversuche nachgehen können. Zum Beispiel könnten folgende Szenen erfunden werden:
    - Gregor verhandelt mit dem Prokuristen
    - Gregor läuft die Straße entlang
    - Gregor fährt mit dem Zug zur Arbeit
    - Gregor bei Kundenbesuchen
    - Gregor bekommt Besuch von einem Arzt

    Auch alternative Schlüsse können entwickelt werden (Vorschläge):
    - Gregor wird liebevoll in der Familie gepflegt
    - Gregor verwandelt sich allmählich wieder zurück in einen Menschen
    - Gregor verschafft sich Respekt und wird dadurch wieder er selbst, als Mensch
    - Die Medien (Presse) werden auf die Verwandlung aufmerksam

    Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei kreativ zu Werke gehen und dadurch ihre je eigene Interpretation des verstörenden Textes finden. Die oben genannten kreativen Schreibanlässe werden zunächst kurz diskutiert, dann beginnen die Lernenden im Unterricht, mit der schriftlichen Ausgestaltung eines frei wählbaren Schreibanlasses. In dieser Phase kann die Lehrkraft gegebenenfalls noch vorsichtig helfend eingreifen. Die endgültige Ausarbeitung der Paralleltexte bzw. Fortsetzungsgeschichten erfolgt jedoch zu Hause. In einer der folgenden Unterrichtsstunden werden diese Schülerarbeiten verlesen und diskutiert.

  • Multimediale Auseinandersetzung
    Angeregt von einer Vielzahl multimedialer Arbeiten zu Kafkas Verwandlung versuchen die Schülerinnen und Schüler selbst einzelne Aspekte des Stoffes darzustellen. Dies kann sowohl in traditioneller Weise durch eine Zeichnung oder einen Paralleltext oder durch die Verwendung neuer Medien geschehen. Hilfreich sind moderne Präsentationsprogramme, in denen Text, Bild, Animation und Ton zu einer sinnvollen Interpretation verknüpft werden können.

    Die Schülerinnen und Schüler suchen sich eine interessante Textstelle, die sie multimedial interpretieren wollen. Zu dieser möglichst kurzen Szene werden (Hintergund-)Bilder gemalt, Fotos aufgenommen oder im Internet gesucht. Darüber wird der Text gelegt, der dann als gesprochener Text (Eventuell ein Ausschnitt aus dem Radiobeitrag) hörbar wird. Animationen sind sparsam zu verwenden, um nicht vom surrealen Charakter des Kafkaschen Textes abzulenken. Hier ist die Lehrkraft gefordert, um die überbordende spielerische Fantasie der Schülerinnen und Schüler beratend und lenkend zu zügeln. Im Zusammenspiel von Text, Ton und Bild ergeben sich oft verblüffend genau dem Stil Kafkas nachempfundene eigene Arbeiten.


 
 
  Lehrplanbezug
  • Lehrplan für das bayerische Gymnasium:
    Gymnasium
    Deutsch ab 11. Jgst.