Die Suche nach dem Ich - Gehirn und Bewusstsein. Gespräch mit Wolf Singer
Eine der interessantesten Fragen der zeitgenössischen Diskussion ist jene nach dem Wesen des menschlichen Bewusstseins. Traditionell hatte man die Erforschung dessen, was wir Bewusstsein nennen, den Geisteswissenschaften überlassen; die Naturwissenschaften waren kaum in nennenswerter Weise beteiligt. Die Geisteswissenschaftler wurden nicht müde, ihren exklusiven Anspruch auf die Bearbeitung dieses Terrains zu verteidigen. Das Bewusstsein - so die Begründung - könne keinesfalls auf körperliche bzw. physikalische Vorgänge reduziert werden. Es sei - so der Philosophen-Jargon - einer völlig anderen ontologischen Kategorie zuzuordnen und mit naturwissenschaftlichen Begriffen nicht zu fassen. In der Tat lieferten die Anfänge der Hirnforschung keine ermutigenden Ergebnisse. Zwar konnte man Hirnleistungen wie Reizverarbeitung, Speicherung, Wahrnehmung etc. auf neuronale Ereignisse im Gehirn zurückführen; wo allerdings im Gewirr der Neuronen und Synapsen das Bewusstsein seinen Platz haben sollte, blieb völlig rätselhaft.
Eine Sendung von Andreas Geyer. Ausstrahlung in Bayern2Radio: 26./28.4.1999