20.03.2010
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Schon Wochen vor Weihnachten ist in vielen Fernzügen kaum noch eine Reservierung für Heiligabend zu bekommen: Weihnachten gilt bei uns als Familienfest, an dem man von nah und fern zusammenkommt. Umso härter trifft es Menschen, die das "Fest der Freude" allein verbringen müssen. Immer mehr ältere Menschen haben Angst vor der unerträglichen Einsamkeit an den Feiertagen.
Die Zahl älterer Menschen, die an den Feiertagen allein sind, nehme dramatisch zu, sagt Isabella Heuser, Direktorin der Psychiatrischen Klinik der Freien Universität Berlin. "Es war schon immer so, dass es an Weihnachten Menschen mit Krisen gab, aber jetzt füllen sie uns die Kliniken und Betreuungseinrichtungen zwischen den Jahren bis unters Dach".
Einsamkeit ist oft ein Auslöser für Depressionen, die neben Demenz als häufigste psychiatrische Erkrankungen im Alter gelten. Bis zu jeder vierte Deutsche über 60 Jahre leide an Depressionen, wie das Kompetenznetz Depression und Suizidalität in München unter Berufung auf Studien berichtet. Nach wie vor werde diese Erkrankung oft übersehen, weil mangelnde Energie und Hoffnungslosigkeit bei älteren Menschen häufig mit dem natürlichen Alterungsprozess erklärt wird. Das Suizidrisiko sei bei älteren Menschen und ganz besonders bei alten Männern deutlich erhöht, so Ulrich Hegerl, Sprecher des Münchener Kompetenznetzes.
Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800 / 111 01 11 und 0800 / 111 02 22 kostenfrei rund um die Uhr für ein anonymes und vertrauliches Gespräch zu erreichen. Weitere Informationen im Internet.
In der Zeit zwischen den Jahren ist die Selbstmordrate bei älteren Männern besonders hoch. Aber auch die Zahl der Suizidversuche bei Frauen steigt in dieser Zeit rapide an. Erinnerungen an frühere Familienfeste und nicht zuletzt die vorgespielte Weihnachtsidylle aus dem Fernsehen lassen vielen erst bewusst werden, dass sie alleine sind.
Älteren und einsamen Menschen raten Fachleute, rechtzeitig über die bevorstehende Situation nachzudenken und sich für die Feiertage etwas Schönes vorzunehmen: Man kann Freunde besuchen, einen Ausflug machen oder sich selbst etwas Schönes kaufen. Wer niemanden kennt, mit dem er Kontakt aufnehmen möchte, kann sich an soziale Einrichtungen wenden. Manche bieten Feste für Senioren an. Oft bringt es schon Erleichterung, sich den Kummer von der Seele zu reden. Die Mitarbeiter der Telefonseelsorge haben dafür 24 Stunden am Tag ein offenes Ohr. "Wem nach trauern zu Mute ist, der sollte auch trauern. Hinterher sollte man sich aber wieder etwas vornehmen", rät eine Psychologin.
Jeder Zehnte (10,1 Prozent) feiert Weihnachten nicht mit der Familie oder mit Freunden und gibt an "Zu Weihnachten beschäftige ich mich mit mir selbst". Vor allem ältere Menschen verbringen die Weihnachtstage allein: 15,4 Prozent feiern den Abend ohne andere.
(Quelle: Senioren Ratgeber, Teilnehmerzahl der Umfrage: 1.917)