09.02.2010
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Immer mehr Onlinehändler verkaufen illegale oder gefälschte Medikamente, ohne Rezept und zum Schnäppchenpreis. Die Verbraucher wissen oft nicht, was sie da schlucken. Fahnder warnen vor den gefährlichen Pillen.
Stand: 29.01.2010
"Über 50 Prozent der über das Internet vertriebenen Medikamente sind inzwischen Fälschungen."
Magdalene Linz, Präsidentin der Apothekerkammer
Ende November gingen Ermittler bei einer weltweiten Polizeiaktion in 26 Ländern gegen den illegalen Handel mit nicht zugelassenen und gefälschten Medikamenten vor. Ihr Ergebnis: 995 beschlagnahmte Postsendungen, 72 abgeschal- tete Webseiten. In Deutschland hat das Bundeskriminalamt (BKA) sechs Fälle aufgedeckt, darunter einen in Amberg.
Informationen zu Versandapotheken und Arzneimitteln finden Sie in folgenden Datenbanken:
Ein Teil der sichergestellten Mittel habe andere Wirkstoffe enthalten als auf der Packung angegeben, teilte das BKA mit. Bei weiteren Mitteln sei die Dosis des Wirkstoffs eine andere gewesen als vermerkt. Auch deutschsprachige Beipackzettel hätten gefehlt. Schlecht für die Patienten: Verunreinigte oder falsch dosierte Medikamente können ihre Gesundheit gefährden. Und fehlt der Beipackzettel, kann das leicht zu Fehldosierungen führen.
Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2007 in Deutschland 2397 Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz bekannt, 2008 waren es bereits 3376. (Quelle: BKA)
Das Problem der illegalen oder gefälschten Medikamente betrifft nicht nur Nahrungsergänzungsmittel für Bodybuilder, Anabolika, Diätpillen oder Viagra. Auch Arzneimittel gegen Krebs oder HIV werden verbotenerweise gehandelt. "Medikamente zu fälschen ist heute sehr viel rentabler als der Drogenhandel", sagt Christophe Zimmermann, Ermittler bei der Weltzollorganisation WCO in Brüssel. Die Falsche-Medikamenten-Industrie wachse gigantisch, mit schrecklichen Konsequenzen für die Entwicklungsländer, die Schwellenländer, aber auch die großen Industrienationen.
Woher ein Medikament stammt, das ein Kunde online kauft, ist für ihn oft kaum nachzuvollziehen. Die Handelswege sind weit verzweigt. Wer unsicher ist, sollte am besten in der nächsten Apotheke einkaufen. Und selbst hier ist er vor Produktfälschungen nicht ganz sicher. Anfang September gab es beispielsweise einen Chargenrückruf von offenbar gefälschten HIV-Medikamenten.