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09.02.2010


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AIDS Leben mit HIV-Medikamenten

Die Medizin hat große Fortschritte gemacht: HIV-Positive haben heute dank moderner Medikamente eine deutlich bessere Lebenserwartung. Doch was die Therapie für die Betroffenen tatsächlich bedeutet, kann sich kaum jemand vorstellen. HIV-positive Frauen berichten, wie sehr ihr Leben und ihre Gesundheit von den Medikamenten beeinträchtigt werden. Täglich eine Tablette und alles ist gut? Weit gefehlt!

Stand: 01.12.2008

Frau nimmt Tabletten und die Aidsschleife

Birgit ist 41 Jahre alt. Sie hat sich vor 24 Jahren infiziert. Seit 1990 weiß sie, dass sie HIV-positiv ist. Seit 1991 nimmt sie Medikamente. "Ich habe alles durchgemacht, was der Markt hergibt", sagt sie. Und wer alle Medikamente durchgemacht hat, der hat auch alle Nebenwirkungen durchgemacht.

Birgit hat gelernt, mit den Medikamenten und den Nebenwirkungen zu leben. Doch sie wehrt sich gegen die weit verbreitete Meinung, AIDS sei dank der Therapiemöglichkeiten kein Problem mehr. Birgit ist besorgt, dass AIDS nicht mehr als die große Bedrohung empfunden wird - eine Einstellung, die dazu führt, dass die Infektionszahlen weiter steigen.

HIV-Medikamente

Vor einigen Jahren noch musste man viele verschiedene Medikamente zu strikt festgelegten Tageszeiten nehmen. Das erforderte sehr viel Disziplin von den Patienten und sie mussten ihr ganzes Leben danach ausrichten. Inzwischen gibt es glücklicherweise Medikamente, die drei verschiedene Wirkstoffe beinhalten - sogenannte Dreierkombinationen. So muss nur noch einmal täglich eine Pille geschluckt werden. Allerdings: Die Präparate werden unterschiedlich gut vertragen und sie können starke Nebenwirkungen hervorrufen. Am häufigsten sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Durchfall und Hautausschlag. Außerdem besteht das Risiko einer Resistenzbildung. Ist dies der Fall, muss das Präparat gewechselt werden, wodurch wieder neue Unverträglichkeiten auftreten können.

"Ohne die Dreierkombinationstherapie wäre ich gestorben"

Karin

Bild vergrößern Bildunterschrift: Karin

Karin ist 52 Jahre alt. Bei ihr muss die Infektion mindestens 28 Jahre zurückliegen. Seit 12 Jahren weiß sie, dass sie HIV-positiv ist. Bei ihr war bereits das Vollbild AIDS ausgebrochen. Sie hatte starken Pilzbefall, Haarausfall, Ekzeme, Durchfall und starken Gewichtsverlust. Ihr Gesundheitszustand war lebensbedrohlich. Ihr großes Glück war, dass sie gleich mit einer Dreierkombinationstherapie beginnen konnte und diese bei ihr gut anschlug. Innerhalb von zwei Jahren kam sie vom Vollbild AIDS in den Status HIV-positiv. Zitat Karin: "Mir hat vor mir selber gegraust. Ich sah aus wie der Tod auf Latschen. Ich war schon auf der Kippe. Ohne die Dreierkombinationstherapie wäre ich gestorben."

Ein Gräuel: Lipodystrophie

Bei Karin verursachten die Medikamente heftige Nebenwirkungen. Anfangs waren das Durchfälle, Kopfschmerzen, Migräneanfälle. Später war sie von einer besonders unangenehmen, aber leider häufigen Nebenwirkung der Medikamente betroffen: der Lipodystrophie.

Lipodystrophie

Lipodystrophie ist ein Stoffwechselsyndrom, das bei HIV-Positiven häufig während der Therapie auftritt. Es ist eine Fettumverteilungsstörung: In bestimmten Körperbereichen wie Bauch und Rumpf lagern sich große Fettpolster an, während andere Körperregionen - wie Extremitäten und Gesicht - ausmagern.

"Man nimmt die Pille und es geht einem schlechter"

Ute war noch keine 20 Jahre alt, als sie von ihrer HIV-Infektion erfuhr. Heute ist sie 43 und nimmt seit 19 Jahren Medikamente. Ute hat es besonders hart getroffen. Die üblichen Nebenwirkungen wie Durchfall sind für sie vergleichsweise "Kinkerlitzchen", wie sie selbst sagt. Bei ihr haben die HIV-Medikamente dazu geführt, dass sich ihre Leber zersetzt. Sie leidet an einer irreversiblen Leberzirrhose. Eine kürzliche Umstellung auf neue Medikamente, die sie besser verträgt, macht ihr Hoffnung.

Frau und Medikamente

Birgit, Karin, Ute und viele andere verdanken den HIV-Medikamenten ihr Leben. Doch dieses Leben ist ein täglicher Kampf mit den Nebenwirkungen der Therapie - ein weiterer Kampf ums Überleben. Die weitverbreitete Meinung, dass AIDS dank moderner Medizin keine Bedrohung mehr darstellt, erscheint ihnen wie Hohn. Und so haben Birgit, Karin, Ute und viele andere den Mut gefasst, öffentlich über ihr Leben mit HIV zu sprechen: Die Welt soll begreifen, dass AIDS nach wie vor eine lebensbedrohende, unheilbare Krankheit ist.

Weiter mit: Leben mit HIV - Gabriele
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