BR-online (zur Startseite)
Bayerischer Rundfunk

11.03.2010


BR-Navigation


Ratgeber



Inhalt

Mobbing bei Kindern Demütigung per Mail und Chat

Wenn Kinder zum Außenseiter degradiert werden, entwickelt sich der tägliche Schulgang zum Alptraum. Mobbing unter Schulkindern ist keine Seltenheit - und leider nichts Neues. Doch während sich früher Hänseleien auf die große Pause beschränkten, wird inzwischen rund um die Uhr gemobbt: Internet und Handy machen es möglich.

Stand: 19.11.2009

Trauriges Mädchen, Frau die auf eine Social-Network site surft

Was für die ältere Generation kaum nachzuvollziehen ist, stellt für Jugendliche eine immer größer werdende Selbstverständlichkeit des sozialen Miteinanders dar: Internetforen und Chaträume. Hier können sich Schüler nach Herzenlust produzieren, austauschen - und über ungeliebte Klassenkameraden herziehen. Auf eigens eingerichteten Internetseiten wird gelästert, und meist wird auch dafür gesorgt, dass das gemeinsame Opfer irgendwann davon erfährt.

Hänseln heißt jetzt Cyberbullying

Cyberbullying nennen Soziologen das bewusste Schikanieren und Demütigen eines Mitmenschen mithilfe der neuen Medien. Die Opfer bekommen regelmäßig beleidigende Mails oder finden im Netz manipulierte Videos von sich, die sie im scheinbar volltrunkenen Zustand zeigen.

Jedes fünfte Kind ist involviert

Laut Untersuchungen der Freien Universität Berlin hat jeder fünfte Jugendliche in Deutschland mit Mobbing im Internet zu tun - als Täter oder als Opfer. Das eine schließt das andere nicht aus, viele Betroffene schlagen zurück. Dem Evangelischen Pressedienst sagte die Psychologin Anja Schultze-Krumbholz, dass den Tätern oft gar nicht bewusst sei, wie sich ihre Beleidigungen auswirkten, da im Internet die direkte Rückmeldung fehle: "Sie sehen ihr Opfer nicht und können weder an Mimik und Gestik noch an Worten erkennen, dass es verletzt ist." Das verleite dazu, die eigenen Schamgrenzen zu ignorieren.

Die Privatsphäre schützen

Echte Tränen

"Tränen, die im Netz geweint werden, sind genauso echt wie die im realen Umfeld."
Catarina Katzer

Viele Jugendliche unterschätzen nach Ansicht von Schultze-Krumbholz die Öffentlichkeit des Internets. In Foren und Plattformen wird Privates und Persönliches der Allgemeinheit preisgegeben, oft genug wird ein Online-Tagebuch geführt. Dadurch werde man angreifbar, so die Psychologin.

Neues Phänomen oder altbekannte Hänselei?

Unklar ist, ob Cyberbullying ein neues Phänomen ist oder eine Variante der altbekannten Schulhof-Hänseleien. Die altbekannten Methoden sind jedenfalls offensichtlicher. "Wenn ich jemanden verprügle, sieht das jeder", sagt Sozialpsychologin Catarina Katzer. Als erste Wissenschaftlerin in Deutschland hat sie 1.700 Schülerinnen und Schüler zum Thema befragt und festgestellt, dass sich beide Varianten oft überlagern. 80 Prozent der Jugendlichen, die ihre Klassenkameraden in der Schule hänseln, treten laut ihrer Studie auch im Internet als sogenannte "Bullies" auf.

Erwachsene sind überfordert

Viele Eltern haben - wenn überhaupt - meist nur eine vage Ahnung, womit sich der Nachwuchs beschäftigt, wenn er vor dem Computer sitzt oder mit dem Handy hantiert. Wird das Problem offenbar, folgen meist hilflose Hinweise: "Dann schalt doch einfach ab." Eltern sind in aller Regel ohne Chat und Handy aufgewachsen und unterschätzen den Stellenwert, den die neuen Medien bei den Kindern haben. Daher sei die Aufklärung an Schulen und bei Erziehenden besonders wichtig, argumentiert Catarina Katzer. Bei Eltern, Mitschülern und Lehrern müsse das Bewusstsein geschärft werden, dass Online-Mobbing ein echtes Problem darstellt. Ob auf dem Schulhof oder im Netz: Ausgrenzung schmerzt immer.

Zur Übersicht: Familie
  •  
  • RSS
  • Atom