BR-online (zur Startseite)
Bayerischer Rundfunk

17.03.2010


BR-Navigation


Ratgeber



Inhalt

Speiseeis Eis ohne Milchfett und Sahne

Die Sonne lacht und die Kinder wollen Eis. Kein Problem, denken sich viele Eltern. Eis ist ja eine gesunde Nascherei, enthält es doch gute Milch. Irrtum: Immer mehr industriell hergestelltes Eis enthält billiges Palmfett anstatt Milchfett - dem Verbraucher aber ist das oft nicht klar.

Stand: 22.04.2009

Eis am Stiel

Immer mehr Eis-Hersteller ersetzen aus Kostengründen Milchfett und Sahne durch günstigeres Pflanzenfett, meist Palm- oder Kokosfett. Da hilft nur eines: die Zutatenliste studieren. Steht da nur "Eis", dann ist ziemlich sicher ein hoher Anteil an pflanzlichem Fett drin. 

Auf die Aufschrift achten!

Eis am Stiel

Bildunterschrift: In vielen Eissorten ist keine Milch mehr.

Wer das nicht glaubt, kann den Supermarkt-Test machen: In den Tiefkühltruhen findet sich selten eine Haushaltspackung oder ein Eis am Stiel, das zum Beispiel die Bezeichnung "Eiscreme" trägt. Steht "Eiscreme" auf der Verpackung, muss mindestens zehn Prozent Milchfett drin sein. Aber diese Bezeichnung wird immer seltener, denn sie ist geschützt. Hersteller, die Pflanzenfett statt Milchfett verwenden, dürfen ihr Eis nicht als Eiscreme bezeichnen. 

Zahlen

549,7 Millionen Liter Speiseeis verdrückten die Deutschen im Jahr 2006. Das entspricht einem Pro-Kopf-Verbrauch von 8,4 Litern Eis im Jahr.

Steht dagegen nur "Eis" auf der Packung, fällt es nicht unter eine der festgelegten Speiseeis-Kategorien wie Milcheis, Cremeeis oder Fruchteis. Pflanzliches Fett ist dann in einem hohen Anteil zu erwarten, denn es ist sehr viel billiger als Milchfett, womit Butterreinfett gemeint ist. Deklariert wird es meist mit "pflanzliche Öle und Fette".

Umweltschäden durch Palmöl-Herstellung
Palmöl-Fruchtbündel

Bildunterschrift: Palmöl-Fruchtbündel

"Über kaum einen anderen pflanzlichen Rohstoff wird zurzeit kritischer diskutiert als über das Palmöl. Die Erträge der Ölpalme sind extrem hoch (etwa vier Tonnen Öl/Hektar/Jahr im Vergleich zu 0,6 Tonnen Öl/Hektar/Jahr beim Raps) und die gewonnenen Öle können vielseitig eingesetzt werden."

"Die weltweit rasant steigende Nachfrage nach Palmöl hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass riesige Regenwaldflächen vor allem in Indonesien und Malaysien für den Anbau von Ölbaumplantagen gerodet wurden. Die Schäden für Umwelt, Mensch und Klima sind gigantisch."

Quelle: World Wide Fund For Nature (WWF)


Hersteller: Der Kundengeschmack hat sich geändert

Speiseeiskreationen in einer Tiefkühltruhe

Bildunterschrift: Speiseeis aus der Truhe: Kleingedrucktes lesen!

Fast alle großen Hersteller sind in vielen ihrer Eissorten auf Pflanzenfett umgeschwenkt. Die Hersteller schieben diesen Zutaten-Austausch allerdings auf die Kundennachfrage. Jutta Bednarz vom Nestle-Konzern, dem auch der Eishersteller "Schöller" gehört, sagte zum Bayerischen Rundfunk (BR): "Man hat in den vergangenen Jahren gemerkt, dass der Verbraucher den Geschmack geändert hat. Er mag nicht mehr das schwere, buttrige Eis. Deswegen hat man das Butterreinfett ersetzt durch Pflanzenfett. Damit wird das Eis ein bisschen leichter."

Verbraucherschützer: Kunde hat andere Erwartungen

Kind isst ein Tüteneis

Verbraucherschützer sehen diesen halben "Etikettenschwindel" kritisch. Andrea Danitschek von der Verbraucherzentrale Bayern sagte dem BR: "Es haben viele Verbraucher eine ganz andere Erwartung, gerade, wenn in der Verkehrsbezeichnung mit Begriffen wie 'Cremigkeit' gespielt wird." Sie rät den Verbrauchern kritisch zu bleiben und nachzulesen, was im Speiseeis drin ist. Die Verwendung von Pflanzenfett ist nicht neu, seit rund zehn Jahren gibt es bereits Eis mit pflanzlichem Fett auf dem deutschen Markt. 

Das gilt aber nur für industriell hergestelltes Eis. Bei der Eisportion aus der Eisdiele kann man weitgehend sicher sein, dass dort noch Milchfett verwendet wird.

Speiseeis-Sorten

1. Kremeis, Cremeeis, Eierkremeis, Eiercremeeis

Enthält mindestens 50 Prozent Milch und auf einen Liter Milch mindestens 270 Gramm Vollei oder 90 Gramm Eigelb. Enthält kein zusätzliches Wasser.

2. Rahmeis, Sahneeis, Fürst Pückler Eis

Enthält mindestens 18 Prozent Milchfett aus der bei der Herstellung verwendeten Sahne.

3. Milcheis

Milcheis enthält mindestens 70 Prozent Milch.

4. Eiskrem, Eiscreme

Enthält mindestens zehn Prozent der Milch entstammendes Fett.

5. Fruchteis

Fruchtanteil muss mindestens 20 Prozent sein. Bei  Fruchteis aus Zitrusfrüchten oder anderen sauren Früchten beträgt der Fruchtanteil mindestens zehn Prozent.

6. Fruchteiskrem, Fruchteiscreme

Enthält mindestens acht Prozent der Milch entstammendes Fett und einen deutlich wahrnehmbaren Fruchtgeschmack.

7. (Frucht)-Sorbet

Mindestens 25 Prozent Fruchtanteil, Milch oder Milchbestandteile werden nicht verwendet.

8. Wassereis

Speiseeis, das nicht die Anforderungen der Nummern 3, 5 oder 7 erfüllt, mit einem Fettgehalt von weniger als drei Prozent und mit einem Trockenmassegehalt von mindestens zwölf Prozent, der von süßenden und/oder weiteren geschmacksgebenden Zutaten stammt.

Zitiert nach:
Leitsätze des Deutschen Lebensmittelbuches für Speiseeis und Speiseeishalberzeugnisse

Zur Übersicht: Ernährung
Quelle
  •  
  • RSS
  • Atom