09.02.2010
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Pizza oder Cheesburger ohne Käse? Würden Sie niemals essen. Haben Sie aber mit ziemlicher Sicherheit schon. Immer mehr Hersteller setzen statt auf vergleichsweise teuren Käse aus Milchfett lieber auf billige Ersatzstoffe - ohne sie entsprechend zu kennzeichnen.
Eiweiß, Wasser, Geschmacksverstärker und Pflanzenöl zusammenrühren, fertig ist der sogenannte "Analogkäse". Das Rezept lohnt sich für die Hersteller: Der Ersatzkäse ist rund 40 Prozent billiger als der echte. Verboten ist das nicht, aber das Kunstprodukt darf dann nicht als mehr als "Käse" bezeichnet werden. Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal 21" haben jetzt ergeben, dass die meisten Verbraucher nicht erfahren, ob ihre Pizza mit echtem Käse oder Pflanzenöl überbacken ist.
Denn nur selten werden die Ersatzstoffe entsprechend gekennzeichnet. In der Regel steht auch "Käse" drauf, wo gar keiner drin ist. "Eine glatte Verbrauchertäuschung", urteilt Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern im Bayern 1-Interview. Und nicht nur das: Sowohl die deutsche Käse-Verordnung als auch die entsprechende EU-Verordnung besagen, dass Käse zu 100 Prozent aus Milch hergestellt sein muss. Wer ein Imitat verkauft und es nicht kennzeichnet, täuscht nicht nur die Verbraucher, sondern verstößt auch gegen geltendes Recht.
Diese Kennzeichnungspflicht gilt auch für Speisekarten. Aber in Gaststätten wird offenbar auch mit Pseudo-Käse betrogen. Laut "Frontal 21" wiesen bei einem Test des Hessischen Landes-Labors in Kassel von 51 "Käse-Proben" aus Gaststätten 20 Prozent Spuren von Pflanzenfett auf. Dass Wirte unwissentlich Käseimitat kaufen, glaubt Verbraucherschützerin Heidrun Schubert nicht. Alleine am niedrigen Preis müssten sie merken, dass es sich nicht um echten Käse handeln könne.
Lebensmittelchemiker untersuchen normalerweise die Fettbestandteile des Produktes. Echter Käse enthält ausschließlich Milchfett. Können sie andere Fette - etwa Pflanzenfett - nachweisen, handelt es sich um Käseimitat.
Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland jedes Jahr 100.000 Tonnen Kunstkäse hergestellt werden. Christoph Römer von der Verbraucherzentrale Berlin fordert eine eindeutige und gut sichtbare Kennzeichnung, dass es sich nicht um Käse handelt. Ähnlich äußert sich auch die Verbraucherbeauftragte der Unions-Bundestagsfraktion, Julia Klöckner. Sie plädiert für eine Kennzeichnung als "Käseimitat" auf der Verpackung von Lebensmitteln.
Entwarnung gibt es für den Käse an der Theke. Dort, so Heidrun Schubert, bestehe keine Gefahr, dass einem ein Imitat untergejubelt werde. Kleiner Trost für Pizzafans: Selbst echte Gourmets können den Unterschied zwischen Imitat und Käse nicht schmecken.
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