09.02.2010
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Die Deutschen sind humorlos? Ach! Ach was! Loriot beweist uns seit Jahrzehnten in Film und Fernsehen das Gegenteil. Heute wird Vicco von Bülow beim Deutschen Filmpreis mit einer Lola für sein Lebenswerk geehrt. Wir gratulieren mit einer Hommage an den großen Humoristen.
Von Iris Buchheim
"Herr Müller-Lüdenscheidt ... Herr Dr. Klöbner!" Es reicht, die Namen zu nennen und schon macht sich allgemeines Grinsen breit. Auch wenn sie nur gezeichnet sind, die honorigen Herren, die sich in der Hotelwanne über das Einlassen des Badewassers und der Plastikente streiten, sind sie doch wahrhaftiger als vieles andere, das über die Bildschirme flimmert. Wer ihr hübsches, himmelblaues Badezimmer sucht, findet es hinter einer der unzähligen Türen jenes Korridors, der von Loriots Oberstübchen in den gutbürgerlichen deutschen Alltag führt. Ihr Erfinder wurde am 12. November 85 Jahre alt.
Eine rauschende Feier mit Medienparade gab es nicht zum Festtag. Nicht ohne Hintergedanken hatte sich Loriot mit seiner Geburt bis zum Tag nach dem 11.11. Zeit gelassen - karnevalistisches Gedöns ist seine Sache eher nicht.
"Ich zeige ja nur allzu menschliche Dinge, die jedem passieren können und einen großen Wiedererkennungswert haben. Darüber hinaus muss man wach bleiben, nichts als selbstverständlich hinnehmen und sich über alles wundern."
Entsprechend abseitig und doch am Puls der Zeit hat sich der Meister auch angesiedelt - in Münsing, nicht weit entfernt von Wolfratshausen, wo unser Ex-Ministerpräsident wohnt. Im Gespräch mit seinem Quasi-Nachbarn bewies Loriot einmal mehr, wie man unfreiwillige Komik provoziert: Er fragte Edmund Stoiber, "wo der stark beanspruchte Herr Ministerpräsident auf einen Doppelgänger angewiesen ist: im Amt, daheim oder auf der Ehrentribüne beim Spiel des FC Bayern München?" Stoibers Antwort: "Ich bin hier so verwurzelt, dass meine ganze Leidenschaft der Aufgabe gilt, das Land mit voranzubringen."
Bildunterschrift: Vicco von Bülow alias Loriot
In Sachen Humor allerdings hat - pardon, Herr Stoiber - wohl niemand den Standort D so vorangebracht wie Loriot. Weshalb der preußische Grandseigneur des fein getakteten Aberwitzes 2005 vom hiesigen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst den Orden "Pro meritis scientiae et litterarum" erhielt und ein Jahr vorher eine feine Ausstellung.
Seither macht er sich - von einem großen Interview in der "Zeit" abgesehen - seit längerem rar. Was er nicht falsch verstanden wissen will: "Wenn man nicht im Fernsehen erscheint, denken die Leute, man sei tot". In Wirklichkeit pendelt Loriot mit seiner Frau Rose-Marie und seinem inzwischen achten Mops recht lebendig zwischen seinen Domizilen in Bayern und Berlin. Dort ist er aufgewachsen und hatte, wie er der "Zeit" erzählte, schon damals prominente Nachbarn: "Schräg gegenüber hatten sich Weizsäckers eingemietet. Wir kannten sie damals nicht. Richard war wohl um die zehn Jahre alt und darum noch nicht Bundespräsident."
Müller Lüdenscheidt: "Bitte, lassen Sie mich ausreden ... ich sagte, dass ich ... wenn es die Situation erfordert ... durchaus in der Lage wäre, auch mal ein Wannenbad ohne Wasser zu nehmen ..."
Dr. Klöbner: "Jaja ..."
Müller Lüdenscheidt: "Und die Entscheidung darüber, ob ich mein Wannenbad mit oder ohne Wasser zu nehmen habe, lasse ich mir von niemandem aufdrängen ..."