09.02.2010
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Eines gleich mal vorweg: Wer nach "Casino Royale" darauf gehofft hatte, dass "Ein Quantum Trost" wieder einen Bond der alten Schule bietet, wird enttäuscht sein. Der klassische 007 verschwindet mit dem 22. Film endgültig in der Schublade. Stattdessen gibt es mit Daniel Craig erneut einen dem Zeitgeist entsprechenden Agenten sowie 1-A-Action an verschiedenen Schauplätzen rund um die Welt.
Von Claudia Sessner
Schon in seinem ersten Film hatte Craig die Puristen unter den Bond-Fans geschockt. Auf die Frage, ob er denn seinen Wodka Martini geschüttelt oder gerührt möchte, sagte er patzig: "Sehe ich denn so aus, als ob mich das interessiert?" Doch was zunächst kaum jemand für möglich gehalten hatte, gelang dem neuen Darsteller des Doppelnull-Agenten: Kritiker und Fans waren gleichermaßen angetan von der physisch präsenten Darstellung Craigs. Auch der Film als Gesamtwerk und die Neuausrichtung der angestaubten Reihe wussten zu überzeugen.
So urteilen die Kritiker von Kino Kino und Bayern 3 über "James Bond 007: Ein Quantum Trost":
"Ein Quantum Trost" setzt die Runderneuerung der Figur konsequent fort. Der ironische Super-Agent, der jede Frau bekommt und bei erstbester Gelegenheit vernascht, ist in Rente geschickt. An seine Stelle tritt ein zielbewusster, oftmals zynischer Killer, dem alle Mittel recht sind. Nostalgiker mögen da in Erinnerung an die Auftritte von Sean Connery und Roger Moore aufstöhnen, doch die Wendung vollzog sich nicht grundlos. Viele Kritiker und Fans bemängelten das völlig überzogene Technik-Gehabe und die als konturlos empfundene Darstellung von Craigs Vorgänger Pierce Brosnan. Dass zudem mit "Jason Bourne" ein anderer, moderner Agent seinen Siegeszug an den Kinokassen startete, machte einen radikalen Schnitt aus Sicht der Produzenten unausweichlich.
So muss man sich damit abfinden, von manch liebgewonnenen Gewohnheiten Abschied zu nehmen. Technische Spielereien, lange Zeit ein Markenzeichen der Reihe, gehören nicht mehr zur Ausrüstung von 007. Seine diversen Frauengeschichten und lockeren Flirts - Fehlanzeige. Bei all der Action bleibt ihm schlicht gar keine Zeit. Stattdessen gibt Craig einen kantigen und zynischen Profikiller, der in "Ein Quantum Trost" einen persönlichen Rachefeldzug startet und selbst von seinen Vorgesetzten als Gefahr gesehen wird. Allein die Tatsache, dass 007 das ihm zur Seite gestellte Bond-Girl nicht anrührt, spricht für sich. Auch der durchgeknallte Superschurke, der die Alleinherrschaft der Welt anstrebt, gehört der Vergangenheit an.
Erzählerisch gehen die Macher ebenfalls neue Wege. "Ein Quantum Trost" ist der erste Bond-Film, der direkt an seinen Vorgänger anknüpft. 007 leidet schwer unter dem Verlust seiner Geliebten Vesper Lynd aus "Casino Royale". Sein einziges Ziel ist Rache und so hetzt er in einer atemlosen Jagd nach den Hintermännern einer mächtigen Geheimorganisation rund um den Globus nach Mexiko, Italien, Österreich, England, Chile, Panama und Spanien. Craigs Bond ist dabei knallhart, kompromisslos und egoistisch, zeigt aber auch seine Verwundbarkeit. Kein Vergleich also mit den Interpretationen eines Connery, Moore oder Brosnan.
Mit dem Deutsch-Schweizer Marc Foster haben die Produzenten einen Regisseur verpflichtet, der sich vor seinem Bond-Einsatz vor allem mit Dramen ("Monster's Ball", "Drachenläufer") einen Namen gemacht hatte. In "Ein Quantum Trost" erweist er sich als Action-Spezi und lässt es ordentlich krachen. 230 Millionen Dollar hatte Forster zur Verfügung, und so wird kräftig verfolgt, geschossen und gesprengt.
Spannend bleibt die Frage, wie der neue Bond beim Publikum ankommen wird. Ist der fortgesetzte Bruch mit den Traditionen zu schwerwiegend oder etabliert sich 007 als moderner Held des Action-Kinos? Die Antwort gibt's in Kürze an den Kinokassen.
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