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Carola Zinner

Stand: 23.05.2011


Carola als Baby
Als ich Kind war, mussten wir immer um sieben Uhr ins Bett. Doch, echt, um SIEBEN! Scheußlich war das, weil viel zu früh - ich lag meist noch ewig wach im dunklen Zimmer, neben mir die schlafenden Geschwister.

Immerhin: Vor dem Bettgehen durften wir noch das Betthupferl hören. Im Wohnzimmer stand ein großer Holzkasten auf dünnen Beinen, er hieß Musiktruhe und war unser Radio. Vorne hatte es einen gläsernen Streifen, der ein bisschen aussah wie ein quer gelegtes Thermometer. Statt der Temperatur standen hier neben den Strichen Namen aus der ganzen Welt: London - Paris - Rom - Brüssel. War das Radio eingeschaltet, begann dieser Streifen gelb und grün zu leuchten.

Eingeschaltet wurde das Radio mit Tasten, die aussahen wie weiße Zähne im Radiogesicht. Waren sie gedrückt, hatte das Radio eine Zahnlücke. Programm und Lautstärke verstellte man an runden Knöpfen links und rechts, sie waren die Augen im Radiogesicht. Und die Ohren waren schwarze Plastikgitter an den Seiten des hölzernen Kastens. Von da kamen die Töne und Klänge.

Jeden Abend um fünf vor sieben, nach dem Waschen und Zähneputzen, hockten wir uns im Schlafanzug ganz dicht vor diese Gitter, hinter denen die Betthupferltante mit ihrer tiefen bayerischen Stimme eine Geschichte erzählte. Ich presste mein Gesicht gegen das schwarze Plastik und schaute durch die Lücken. Ganz tief drinnen, zwischen lauter Kästchen und Drähten leuchtete ein kleines Licht. Woher das kam, wusste ich ganz genau: von der winzigkleinen Schreibtischlampe der winzigen Betthupferlfrau, die da drin in unserem großen Radio saß. Ganz allein, in einem Lehnstuhl, vor sich ein Tischchen: so nahm sie uns jeden Tag mit in fremde Zauberländer.

Carola Zinner (c) BR/Pernath
Ich sah sie ganz deutlich vor mir, wie sie dort saß und erzählte. Und dann war da noch dieser ganz besondere Geruch, ein bisschen nach Staub und ein bisschen nach Elektrizität, ruhig und gleichzeitig aufregend.

Für mich stand fest: Radio ist einfach super!

Und wisst ihr was? Das ist auch heute noch so.

Eure Carola Zinner


 
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